Protest gegen Fluglärm

Gartenparty im Terminal 1 des Flughafens

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Mit einer Gartenparty haben Fluglärmgegner am Flughafen protestiert.

Frankfurt - Nein, Sommerpause ist nicht ihr Ding. Der Protest der Fluglärm-Opfer im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens hat nur jetzt eine andere Organisationsform. Von Thomas Hanel

Statt mehrerer tausend lautstark protestierender Demonstranten wie bei den vergangenen Montags-Demos, sind es am Montagabend lediglich knapp 250 Aktive. Statt Reden und Argumentation steht diesmal Aktion im Vordergrund. Eine Gartenparty. Vorbeieilende Fluggäste reiben sich verwundert die Augen: Mitten im Terminal liegt ein Mann auf einem Liegestuhl, Kinder spielen auf einer Stranddecke, zwei Erwachsene haben es sich – nur mit Badehosen bekleidet – an einem Campingtisch bequem gemacht, trinken Apfelwein und essen Handkäs´. Ein Kinderplanschbecken wird aufgepumpt. Trommelmusik erklingt laut – und immer wieder skandieren die vermeintlichen Gartenparty-Freunde: „Die Bahn muss weg!“.

Wilma Frühwacht-Treber ist einer der Organisatoren der Demo. „Wir wollen zeigen, auf was wir in unseren Gärten im Sommer verzichten müssen“, sagt sie. Die Walldorferin, die schon gegen die Startbahn West kämpfte, ist eine der Organisatorinnen der Montags-Demonstrationen gegen Fluglärm am Frankfurter Flughafen. „Wir müssen medial denken, um unser Anliegen durchzusetzen“, so die 51-Jährige. Medial denken heißt dabei, sich etwas ausdenken. Gestern war es die „Gartenparty“, nächsten Montag wird es eine „Schifffahrt“ sein. Es werden ein „Sommerspaziergang“ und eine „Sommer-Party“ folgen – alles im Terminal. Begleitet vom tosenden Lärm startender und landender Flugzeuge. Die Geräusche kommen vom Band. „Es sind Mahnwachen, die wir halten. Und wir werden durchhalten.“ Von ihren Forderungen wollen die Bürger aus den Anrainer-Gemeinden nicht abrücken: Absolutes Nachtflugverbot zwischen 22 und 6 Uhr und die Stilllegung der neuen Landebahn.

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Thomas Diekmann aus Hochheim hat, während die Mitdemonstranten ihre vermeintliche Party feiern, einen anderen Job. Der Fluglärm-Gegner verteilt Flugblätter mit dem Anliegen der Protestler in englischer Sprache: „Wir sind so oft von ankommenden ausländischen Fluggästen angesprochen worden, was wir hier machen.“ Deshalb gebe es jetzt die Info schriftlich. „Hat auch einen Vorteil“, so der Hochheimer. Sein Schul-Englisch habe sich mittlerweile durch die Gespräche deutlich verbessert.

Ein bisschen Happening ist bei den Mahnwachen dabei. Eine mediale Inszenierung halt, um dem Anliegen eine Plattform zu bieten. Behördlich geduldet. Die Zusammenarbeit mit Ordnungsamt und Polizei verlaufe im Vorfeld der Demos reibungslos und partnerschaftlich, so Frühwacht-Treber. Auch am Abend bleibt alles ruhig, die Gäste der Sommerparty räumen friedlich das Terminal nach rund einer Stunde. Als eine der letzten geht eine junge Frau. „Frösche werden umgesiedelt, Menschen kalt enteignet“ steht auf ihrem Protest-Shirt.

Quelle: op-online.de

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