„Gebt den Jugendlichen eine Chance“

Frankfurt/Rhein-Main - Die systematische Hilfe für Jugendliche bei der Jobsuche spiegelt die gestiegenen Ansprüche an die Arbeit im Verein. Mit dem Sportkreisvorsitzenden Peter Dinkel sprach unser Redaktionsmitglied Bernhard Pelka.

Was ist der Grundgedanke des Modells JOBfit?

Der Grundgedanke stammt von dem Fußballclub Bröndby Kopenhagen aus Dänemark. Es geht dabei darum, Jugendliche zu erfassen, die sich in Vereinen etwa in Sachen Disziplin, Zielstrebigkeit und einem besonderen Engagement für ihren Verein positiv charakterlich hervortun, die aber eventuell Defizite in schulischen Leistungen haben. Ihnen will man mit einer Empfehlung des Vereins ein Sprungbrett zu einem Ausbildungsplatz bauen, denn immer mehr jüngere Menschen sind von Arbeitslosigkeit betroffen. Ungelernte Kräfte haben es schwer.

Haben wir solche Jugendliche in allen Sportarten oder beschränkt sich das auf wenige Bereiche?

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Mit Sicherheit gibt es diese Klientel in jedem Verein. Mit dem Projekt sollen, wie bereits erwähnt, natürlich insbesondere Jugendliche angesprochen werden, die Schwierigkeiten haben, einen Ausbildungsplatz zu finden - wie zum Beispiel Jugendliche mit Migrationshintergrund oder fehlendem Schulabschluss. Hier ist natürlich die Sparte Fußball besonders gefragt.

Warum sind insbesondere Vereine dazu geeignet, solche Jugendhilfeprojekte zu unterstützen?

Weil die Vereine wie auch zum Beispiel die Kirchengemeinden ein Sammelort für Jugendliche sind, zu den junge Frauen und Männer einen besonderen Zugang haben. Das bietet sehr gute Möglichkeiten, geeignete Kandidaten heraus zu finden.

Schon immer haben Vereine Jugendlichen in vielfältiger Weise geholfen. Warum muss das jetzt in organisierter Form geschehen? Was hat sich zu früher verändert?

Weil wir ein akutes Problem der Jugend haben, einen Arbeitsplatz zu finden. Da müssen wir die Wirtschaft gezielt aufrütteln und sagen: „Wir haben hier charakterlich einwandfreie und talentierte Jugendliche, gebt ihnen bitte eine Chance. Helft uns zusammen mit der Arbeitsagentur, den Jugendlichen eine berufliche Perspektive anzubieten, damit sie eine Zukunft haben.

Aber sind die Vereine in Stadt und Kreis mit der Vielzahl ihrer Aufgaben nicht langsam überfrachtet? Wird das Ehrenamt nicht überstrapaziert?

Da haben Sie eigentlich völlig recht. Gerade die Aufgaben von Großvereinen sind ehrenamtlich kaum noch zu stemmen. Deshalb werden durch so genannte Joblotsen die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Vereine natürlich schon entlastet. Die Job-Lotsen selbst werden aus Projektmitteln finanziert im Zusammenhang mit dem Sportförderverein Langen und den beiden Rodgauer Großvereinen TGS und TGM/SV. Diese Vereine übernehmen dieses Projekt JOBfit als gesellschaftliche Aufgabe selbstverständlich noch zusätzlich. Das halte ich für überaus wichtig, und das werden sie auch schaffen. Als Ideal schwebt mir eine Art Netzwerk für die Zukunft vor.

Was kommt auf unsere Vereine noch an sozialen Verpflichtungen zu?

Das lässt sich jetzt kaum sagen. Es wird aber mit Sicherheit noch mehr werden. Wie zum Beispiel bei der Hausaufgabenbetreuung oder auch bei der Entwicklung von Projekten, die Jugendliche an die Vereine binden und bei denen sie außerdem noch etwas fürs Leben lernen können. Ich will ein Beispiel nennen: Jugendliche aus der Schiller-Schule in Offenbach in Verbindung mit dem Segelclub Undine haben zusammen ein Boot gebaut, das in den nächsten Wochen zu Wasser gelassen wird. Das ist eine fantastische Sache und hält gleichzeitig an, in diese Richtung weiter zu machen.

Mit dem Sportförderverein Langen und den beiden Rodgauer Großvereinen TGS und TG/MSV widmen sich besonders gut organisierte und innovationsfreudige Gemeinschaften dem Projekt JOBfit. Was können kleinere Vereine auf dem Sektor überhaupt leisten?

Die Job-Lotsen sollen und werden natürlich auch auf kleinere Vereine zugehen und versuchen, hier Jugendliche anzusprechen. Grundsätzlich sollen in das Projekt möglichst viele Vereine, unabhängig von der Größenordnung, eingebunden werden. Das ist natürlich auch eine finanzielle Frage und hängt von den Zuschüssen der Beteiligten, wie dem Kreis Offenbach, Arbeitsagentur und Sponsoren, ab. Aber eins lässt sich sagen: Dass dies für kleinere Vereine aus personellen Kapazitätsgründen nicht zu stemmen ist. Des weiteren möchte ich darauf hinweisen, dass ohne das Engagement des Kreises Offenbach, mit Wilfried Dieling im Team, dieses Projekt, bei dem es sich um ein bundesweites Projekt handelt, nicht hätte realisiert werden können. Deshalb bekam im Jahr 2007 dieses Projekt JOBfit den Oddset-Zukunftspreis des hessischen Sportes. Sie sehen alles in allem, wie wichtig der Sport, aber vor allen Dingen, wie wichtig unsere Vereine in unserer heutigen Gesellschaft sind.

Quelle: op-online.de

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