Gebühren im Sinkflug

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Auch wenn in den Rathäusern eine sehr unterschiedliche Gebührenpolitik verfolgt wird, befinden sich die Gebühren der Studie zufolge trotz knapper Kassen im Sinkflug.

Rhein-Main - Eltern müssen für die Betreuung ihrer Kinder im Kindergarten im Schnitt weniger zahlen als noch vor zwei Jahren. Das Gebührensystem bleibt jedoch hoch kompliziert. Das sind die zentralen Ergebnisse einer neuen Studie im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (ISNM) und der Zeitschrift „Eltern“, die Gebühren in den 100 größten Städten Deutschlands im Kindergartenjahr 2009/2010 vergleicht. Von unseren Redaktionen

Auch wenn in den Rathäusern eine sehr unterschiedliche Gebührenpolitik verfolgt wird, befinden sich die Gebühren der Studie zufolge trotz knapper Kassen im Sinkflug. Je nach Einkommen der Eltern haben die Kommunen die Gebühren um zwölf bis 16 Prozent innerhalb der letzten beiden Jahre im Bundesschnitt gesenkt.

Neun Städte verzichten aktuell weitgehend auf Gebühren, unter anderem Hanau (bei Halbtagsbetreuung der 3- bis 6-jährigen). Zudem ist in ganz Rheinland-Pfalz der Kindergarten kostenlos, Berlin könnte 2011 folgen. Neun Bundesländer befreien Eltern im letzten Jahr vor der Schulzeit von Gebühren.

INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr sprach von einem „Gebühren-Dschungel“. Eltern hätten einen Anspruch darauf, Preise für öffentliche Leistungen ohne wissenschaftliche Unterstützung ermitteln zu können. Nur so könne es zu einem Wettbewerb der Kommunen kommen. Teilweise sei die Informationspolitik in den Städten jedoch skandalös.

Nord-Süd-Gefälle bei den Kitagebühren

„Der Gebühren-Dschungel hat sich gegenüber unserem ersten Kindergartenmonitor leider nicht gelichtet. Eltern empfinden besonders die Preisunterschiede als zutiefst ungerecht“, kritisierte auch Oliver Steinbach, stellvertretender Chefredakteur der Zeitschrift „Eltern“. „Auch deshalb gibt es immer noch Vier- und Fünfjährige, die keinen Kindergarten besuchen. Das muss sich ändern.“

Nicht immer seien die Städte für hohe und intransparente Gebühren zu verurteilen, sagte Steinbach. In Duisburg etwa habe die Bezirksregierung wegen der maroden Haushaltslage verhindert, dass für das zweite Kind keine Gebühren anfallen. Zugleich müssten alle Eltern im benachbarten und wohlhabenderen Düsseldorf nichts für den Kindergarten zahlen.

Des weiteren macht die Erhebung ein Nord-Süd-Gefälle bei den Kitagebühren in Deutschland deutlich, das sich die Forscher nicht erklären können: Vor allem Städte in den nördlichen Bundesländern verlangen mehr Gebühren, und auch in den neuen Bundesländern ist der Kindergarten im Schnitt teurer. Dies sei teilweise auch darauf zurück zu führen, dass die Mindestzeit für Betreuung zwischen vier und sechs Stunden täglich schwankt, so die Forscher.

In Hessen profitieren viele Familien vom „Bambini-Programm“: Durch Zuschüsse des Landes an die Kommunen kann der Beitrag fürs letzte Kindergartenjahr ganz erlassen werden.

BLICK IN DIE REGION:

Rodgau: Kostenlos ist in den letzten beiden Jahren nicht nur der klassische Kindergarten, sondern der Ganztagsplatz von 7 bis 17 Uhr. Das Mittagessen muss allerdings bezahlt werden (56 Euro pro Monat). Bei Kirchen und freien Trägern (Elterninitiativen) gilt die gleiche Regelung; die Stadt erstattet den Trägern die Einnahmeausfälle. Ab 1. Januar 2011 entfallen die Gebühren für alle Kinder ab drei Jahren.

Dietzenbach: Die Gebühren für die Kitas sind in den letzten Jahren gestiegen - und werden bis 2011 jährlich weiter um etwa vier Prozent erhöht. In der Stadt fallen für die Halbtagsbetreuung eines Kindes von täglich 7.30 bis 13.30 Uhr insgesamt 1428 Euro im Jahr an. Hinzu kommt allerdings die Gebührenfreiheit für die Halbtagsbetreuung von Kindern im letzten Jahr vor der Einschulung („Bambini-Programm“).

Seligenstadt: In der städtischen Kita Käthe Münch betragen die Betreuungsgebühren je Kind im sogenannten Regelkindergarten (Kinder ab der Vollendung des 3. Lebensjahres) bei Halbtagsbetreuung 76 Euro im Monat. Ganztagsbetreuung kostet 146 Euro/Monat, Kinderkrippe (Kinder ab Vollendung des 1. Lebensjahres) bei einer Betreuung von 9,5 Stunden 290 Euro im Monat.

Heusenstamm: Bei der Mindestbetreuung (halbtags) muss für ein Kind im Alter von vier Jahren ein Jahresbeitrag von 1260 Euro bezahlt werden. Eine Familie mit zwei Kindern im Alter von 3,5 und 5,5 Jahren zahlt 780 Euro im Jahr, da Kinder im letzten Jahr vor der Einschulung von den Gebühren freigestellt werden. Die Höhe des Familieneinkommens ist für die Gebührenhöhe nicht relevant.

Mühlheim:Die Monatsgebühr für die Halbtagsbetreuung (22,5 Stunden) beträgt bis zum letzten Jahr vor der Einschulung 72 Euro.

In Hessen profitieren viele Familien vom „Bambini-Programm“

Quelle: op-online.de

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