Gebürtiger Offenbacher vor Landgericht

Betrug mit Teakholz-Setzlingen in Millionenhöhe

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Das Landgericht in Frankfurt

Frankfurt - Ökologische Geldanlagen liegen im Trend. Die Investoren schätzen, dass sich zur Rendite das gute Gewissen gesellt, etwas Sinnvolles für die Umwelt getan zu haben. Doch auf dem grünen Markt tummeln sich schwarze Schafe. Ein gebürtiger Offenbacher steht jetzt vor Gericht. Von Christoph Zöllner

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm gewerbsmäßigen Betrug vor. Der 72-Jährige sitzt nun schon seit einem Jahr in Untersuchungshaft. Sein Frankfurter Unternehmen Green Planet AG hatte den Kunden auf der inzwischen stillgelegten Internetseite eine jährliche Rendite von stolzen 13 Prozent versprochen. Sie konnten mindestens 4000 Euro in Teakholz-Setzlinge investieren, die in Costa Rica eingepflanzt und nach 20 Jahren Wachstum und Pflege gefällt werden sollten. Die Verkaufserlöse abzüglich einer Provision für die Green Planet AG waren angeblich für die Anleger bestimmt. Doch die Firma an der Gerbermühle musste im vergangenen Jahr Insolvenz anmelden und eine Razzia über sich ergehen lassen. Die Ermittler konfiszierten zahlreiche Akten. Vorwurf: Das Geld für die versprochenen Zinsen wurde nicht durch Bewirtschaftung der Plantagen erzielt, sondern durch neu eingeworbene Investitionen. Verdacht: Schneeballsystem.

Laut Anklage sackte Green Planet mit dem „Teakbaumverkauf“ von 764 Kunden insgesamt etwa 19 Millionen Euro ein. Am 18. Mai beginnt am Frankfurter Landgericht der Prozess gegen den Unternehmensgründer. Sollte er für schuldig befunden werden, droht ihm eine Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren, wie Oberstaatsanwältin Nadja Niesen auf Anfrage mitteilte.

Der Berliner Rechtsanwalt Jochen Resch, dessen Kanzlei auf Anlegerschutz spezialisiert ist, hat inzwischen die Interessen von 60 Anlegern gegen Green Planet geltend gemacht. Er geht davon aus, dass das Frankfurter Unternehmen nur einen Teil des Geldes tatsächlich angelegt hat. Realistisch seien aktuell noch Vermögenswerte von rund acht Millionen Euro, hieß es bei der der Gläubigerversammlung im November. Der Insolvenzverwalter war eigens nach Mittelamerika geflogen, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Ob und gegebenenfalls wann die Investoren auf eine teilweise Rückzahlung ihres Geldes hoffen dürfen, ist völlig offen.

Angesichts der Leichtgläubigkeit vieler Anleger kann Resch nur den Kopf schütteln. Der Rechtsanwalt rät bei ökologischen Beteiligungen mit ambitionierten Renditeversprechen zu großer Vorsicht. Erst recht, wenn Investitionen aufgrund von großen Entfernungen nur sehr schwer kontrollierbar sind. „Die Leute glauben immer: Wer etwas Grünes macht, kann nicht böse sein“, sagt Resch. Doch einige schwarze Schafe nutzen die Schwäche der Anleger gnadenlos aus.

Quelle: op-online.de

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