In Gedenken an ihre Schwester

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Sie hat den Brustkrebs überlebt. Astrid Mesch, hier beim Lauftraining am Main, ist eine der Aktiven, die am 26. September den „Race for the Cure“ organisieren.

Frankfurt/Mühlheim ‐ In der Bundesrepublik müssen Jahr für Jahr 60.000 Frauen die erschreckende Diagnose Brustkrebs aushalten. Der Anteil derer, bei denen die Krankheit erst spät oder zu spät erkannt wird, ist sehr hoch. Von Michael Eschenauer

Das bundesweite Krebsregister befindet sich noch im Aufbau, ähnliches gilt für Hessen.

Es gibt viele Menschen, die sich für an Brustkrebs erkrankte Frauen stark machen. Organisiert ist ein Großteil von ihnen im Verein „Susan G. Komen Deutschland“. Gegründet im Jahre 1999 als Sektion der Anfang der 80er Jahre in den USA entstandenen „Susan G. Komen Foundation“, will sich der Verein nicht nur für eine bessere Betreuung kranker Frauen einsetzen, sondern auch für eine bessere Aufklärung und Früherkennung sorgen. In diesem Jahr werden bundesweit 16 Projekte mit insgesamt 184.000 Euro gefördert

Eine der Geldquellen ist das jährlich stattfindende „Race for the Cure“, zu Deutsch „Rennen für die Heilung“. Am 26. September ist es wieder soweit: In Frankfurt treten alte und junge, kranke und gesunde Läuferinnen zum „11. Race for the Cure“ an. Vom Startgeld von mindestens 15 Euro bei den Einzelläufern fließen nach Auskunft von Renn-Organisatorin Dagmar Spangenberg jeweils zehn Euro in Anti-Brustkrebs-Projekte. „Wir erwarten in diesem Jahr 5500 Teilnehmer beim Lauf“, so Spangenberg.

Die Idee befindet sich im Aufschwung: Beim weltweit ersten „Komen Race for the Cure“ im Oktober 1983 in Dallas, Texas, waren 800 Läufer dabei. Heute laufen jedes Jahr 1,5 Millionen Menschen - Frauen und Männer - in über 130 Städten auf der ganzen Welt für die Idee, Frauen vor Brustkrebs besser zu schützen und sie, wenn sie erkrankt sind, mit besseren Therapien und besserer Betreuung zu versorgen. Es gibt mittlerweile sogar eine ähnlich organisierte Ruder-Veranstaltung.

Mühlheimerin wieder am Start

Die Mühlheimerin Astrid Mesch (39) wird auch in diesem Jahr wieder mit dabei sein. Sie läuft fünf Kilometer. Für Frauen, die zu schwach sind, bieten die Organisatoren auch eine zwei Kilometer lange Walking-Distanz an. „Das ist eine gute Organisation. Ich werde da dran bleiben“, sagt Mesch. Im April 2007 erhielt sie ihre Brustkrebs-Diagnose, aber schon im folgenden Sommer lief sie mit eigenem Unterstützer-Team beim „Race for the Cure“ mit. „Das war zwei Wochen nach der letzten Chemo. Es war unglaublich, wie viel positive Energie diese Veranstaltung damals in mir freisetzte. Da gab es Tränen und Freude gleichzeitig“, erinnert sie sich. „Astrid, wir laufen für dich“, hätten ihre Team-Freunde damals gerufen. Seither hat sie keinen „Komen-Lauf“ ausgelassen.

Wenn Astrid Mesch in zweieinhalb Wochen an den Start geht, wird sie an ihre im Jahre 1999 im Alter von 29 Jahren verstorbene Schwester Dithgard denken. Bei ihr siegte die Krankheit. „Einer meiner ersten Gedanken, als ich die Diagnose hatte, war: ‘Das kann ich meinen Eltern nicht antun, noch ein Kind so zu verlieren‘“, berichtet sie. Während der Therapie, die etwa ein Jahr dauerte, versuchte Mesch, „komplett offen mit der Sache umzugehen“.

Kontakt zu alten Bekannten hat gut getan

Gute Erfahrungen habe sie damit gemacht, berichtet die kaufmännische Angestellte. Arbeitskollegen bei der Firma in Bad Homburg, die sie - wenn es die Kräfte zuließen - manchmal besuchte, sowie diverse Freunde hätten verständnis- und rücksichtsvoll reagiert. Niemand habe sie ausgegrenzt. Nicht mal auf den Besuch im Fitness-Studio verzichtete die Mühlheimerin. „Man ist zwar während der Strahlen- und Chemotherapie oft sehr erschöpft, aber ich habe trotzdem versucht, dranzubleiben.“ Das Arbeiten mit den Kraftmaschinen und der Kontakt zu alten Bekannten in den Kursen habe ihr gut getan. „Ich glaube aber, dass auch die Gesunden etwas von meinen Besuchen hatten. Die haben sich gesagt, wenn sie mal lustlos waren: ‘Wenn die Astrid das kann, muss ich das auch bringen.‘“ Gelaufen ist Mesch während der gesamten Therapie, so gut es eben ging. „Die Bewegung und das Naturerlebnis sind gut für die Seele.“ Auch heute läuft sie fast täglich.

„11. Race for the Cure“, Sonntag, 26. September, ab 10 Uhr vor der Frankfurter Rudergesellschaft Germania am Schaumainkai. Kontakt, Infos und Anmeldung: Susan G. Komen Deutschland e.V. Verein für die Heilung von Brustkrebs, Heinrich-Hoffmann-Straße 3, 60528 Frankfurt.

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Zu ihrer Offenheit gehört auch, dass sie sich zwar nach der Chemotherapie eine Perücke anschaffte, diese aber nie trug. „‘Das bin ich nicht‘, habe ich gedacht. Das war ein Fremdkörper.“ Zum Einsatz kamen Hüte und Kopftücher. „Natürlich gab es auch schlimme Phasen, jetzt sehe ich die Krankheit aber positiv“, sagt Mesch. Der Krebs habe sie „wachgerüttelt“. „Ich lebe viel bewusster, versuche, mir mein Leben schöner zu gestalten.“ Es gebe intensive Freundschaften zu Frauen, die das Gleiche durchlitten hätten. Zu der neuen Einstellung zählt auch, dass Mesch nachdem sie die Krankheit überstanden hatte, den Drang spürte, „etwas zu geben, jemandem zu helfen“. Hilfe für andere, sei eine Freude, „die zu einem zurückkommt“. Im Frühjahr 2008 kam sie zu Komen, wo sie bis heute ehrenamtlich mitarbeitet.

Quelle: op-online.de

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