Mit gedrosseltem Tempo durchs Europaviertel

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Parade der Kräne: Noch ist das Europaviertel vor allem eine große Baustelle.

Frankfurt (mic) - Dem Europaviertel - Frankfurts Großprojekt eines neuen Stadtviertels mit dem Einkaufszentrum „Skyline Plaza“, Büros und Wohnungen zwischen Messeturm und Rebstockbad - steht eine wichtige Umplanung ins Haus: Weil der Bund kein Geld für einen U-Bahntunnel zur Verfügung stellen wird, sollen die Gleise der neuen Bahn nun oberdirdisch verlaufen.

Ein Verzicht auf den Europaviertel-Tunnel, bei der von Preungesheim bis zum Hauptbahnhof beziehungsweise bis zum Güterplatz fahrenden U5 würde 80 Millionen Euro sparen. Die Kosten für die Röhre waren von 200 auf 260 Millionen Euro gestiegen. Die U-Bahn würde dann ab Güterplatz oberirdisch bis zur etwa 1,2 Kilometer entfernten Station südlich des Rebstockparks verkehren.

Einigung: Kein Tunnel

Die Stadt, das Land Hessen und der Bund haben bereits eine Einigung erzielt, keinen Tunnel zu bauen. Gestern sicherte das Hessische Wirtschaftsministerium zu, die Stadt Frankfurt bei dem Vorhaben einer oberirdischen Stadtbahn zu unterstützen. Der Dissens zwischen Frankfurt und dem Bund über eine unterirdische Strecke sei mit der Umorientierung im Römer ausgeräumt, so Staatssekretär Steffen Saebisch. Das Land erwarte bis spätestens Mai einen Förderantrag, den man an das Bundesverkehrsministerium weiterleiten werde. Man rechnet mit einer Erstattung von 60 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten aus dem Bundesprogramm des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz. Das Land Hessen werde die Förderung um zehn bis 15 Prozent aufstocken, versprach Saebisch. Eine Fertigstellung der Strecke bis zum, Jahr 2018 sei realistisch.

Kommt die oberirdische Trasse, müssen sich die Frankfurter Stadtplaner mit ähnlichen Problemen herumschlagen, wie sie die U-Bahn für den Stadtteil Eschersheim mit sich brachte: Es geht um die Zerschneidung eines ganzen Stadtteils und die Gefahr von Unfällen auf den Gleisen. Klar ist aber, dass der neue Stadtteil per Schiene angebunden wird. Die Einrichtung einer Buslinie gilt als nicht angemessen.

Tempolimit von 50 Stundenkilometern für die Stadtbahn

Um Unfallgefahren einer oberirdischen Bahn zu vermindern, fordern die Stadtplaner nun ein Tempolimit von 50 Stundenkilometern für die Stadtbahn. Üblich sind 70 Killometer. Auf einen Zaun will man verzichten, damit der Eindruck eines „zerschnittenen Viertels“ vermieden wird. Bisher hatte die Idee eines Tunnels besonders in der CDU Rückhalt. Deren Fraktionsvorsitzender Helmut Heuser rät nun seinen Stadtverordnetenkollegen, der abgespeckten und zweitbesten Variante einer oberirdischen Trasse zuzustimmen. Die Kosten für den Tunnel könne Frankfurt nicht alleine schultern. Beobachter gehen davon aus, dass auch die Sozialdemokraten den Verzicht auf den Tunnel billigen werden.

Unklar bleibt vorerst, ob wenigstens der Europagarten einen Tunnel für die U-Bahn und die Europa-Allee erhält. Hier sprechen sich CDU und Grüne als Koalitionspartner für eine Untertunnelung aus. Bei den beteiligten Immobilienunternehmen sieht Aurelis - zuständig für Erschließung und Vermarktung des Areals östlich der Emser Brücke - keine Nachteile durch einen oberirdischen Schienenstrang. Das Unternehmen CA Immo dagegen - tätig westlich der Emser Brücke - reagierte mit Kritik auf die sich jetzt abzeichnende Änderung.

Quelle: op-online.de

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