So gefährlich sind Zecken

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Makroaufnahme einer Zecke: Trotz ihrer geringen Größe von weniger als einem Millimeter kann sie Blut saugen und dabei Viren und Bakterien auf den Menschen übertragen.

Offenbach ‐ Südhessen ist wieder in Alarmbereitschaft: Die Zecken machen sich breit. Ab acht Grad werden sie aktiv. Wer darauf hoffte, dass der kalte Winter vielen Plagegeistern den Garaus gemacht hat, wird wohl enttäuscht. Die Zeckenplage könnte 2010 sogar ansteigen. Von Peter Schulte-Holtey

„Es gibt keine Veranlassung zu glauben, dass die Zecken weniger geworden sind“, erklärt Professor Jochen Süss vom Friedrich-Loeffler-Institut in Jena. Ein Biss der kleinen Blutsauger kann sehr gefährlich sein. An der von ihnen übertragenen Lyme-Borreliose (Tipps zum Erkennen - siehe Kasten) erkranken jährlich bundesweit bis zu 100.000 Menschen, die Infektion ist nicht auf Risikogebiete beschränkt. Es gibt keine Impfung dagegen, wohl aber Antibiotika. Wird sie nicht erkannt, kann es zu schweren neurologischen Schäden kommen.

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Die Spinnentiere können aber auch Viren übertragen, die zu der Gehirnhautentzündung namens Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) führen kann. Jährlich werden in Deutschland mehrere Hundert Fälle gemeldet. 16 Menschen wurden in Hessen 2009 mit dem Erreger infiziert - vier mehr als  im Jahr zuvor.  Experten sind davon überzeugt, dass in diesem Jahr die Erkrankungszahlen in Hessen wieder zunehmen werden.

Lang anhaltende oder bleibende Folgen

Bei einer Tagung der Organisation „Deutsches Grünes Kreuz“ erinnerte der Frankfurter Facharzt Ulrich Klinsing gestern an die Gefahren durch FSME und gab zugleich wichtige Impf-Tipps: „Es geht um eine Viruserkrankung des Zentralen Nervensystems, die mitunter verbunden ist mit langanhaltenden oder bleibenden Folgen. Zu berücksichtigen ist, dass die Schwere der Erkrankung mit steigendem Lebensalter zunimmt: Jeder dritte Patient leidet unter lang anhaltenden Beschwerden wie Kopfschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Gleichgewichts-, Hör-, Sprech- und Schluckstörungen sowie Lähmungen der Extremitäten, auch emotionale Labilität wird bei einigen Patienten beobachtet.“

Wenn sich die Haut rötet

Tipp: Beobachten Sie die Stichstelle vier Wochen. Tritt eine Hautrötung auf, die auch ringförmig sein und wandern kann, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Sie ist typisch für eine Borreliose. Aber nicht immer zeigt sich eine Hautreaktion, bei etwa einem Drittel der Erkrankten tritt keine Wanderröte auf. Sollten Symptome wie Fieber oder Lymphknotenschwellungen auftreten, teilen Sie dem Arzt mit, dass Sie einen Zeckenstich hatten.

Nach Angaben von Klinsing verläuft FSME im Schnitt in ein bis zwei Prozent der Krankheitsfälle tödlich, bei über 50-Jährigen liege diese Rate noch deutlich höher. Da es nach Ausbruch der Erkrankung keine zielgerichtete Therapie mit Medikamenten gebe, sondern nur Symptome gelindert werden könnten, komme der Prävention eine besonders große Bedeutung zu. Klinsing: „Den Basisimpfschutz bietet die Grundimmunisierung bestehend aus drei Impfungen. Die beiden ersten Impfungen werden im Mindestabstand von einem bis drei Monaten verabreicht, etwa zwei Wochen nach der zweiten Dosis ist der Impfschutz für etwa ein Jahr verlässlich.“

Drei-Jahres-Rhythmus für über 50-Jährige

Die für den Langzeitschutz wichtige dritte Impfdosis werde nach neun bis zwölf Monaten gegeben; danach bestehe für drei Jahre Schutz. Wichtig sei, betont der Mediziner, bei weiter bestehendem Risiko die Auffrischimpfungen wahrzunehmen: „Drei Jahre nach der Grundimmunisierung eine einzige Dosis, bei weiteren Auffrischungen sind in der Regel Abstände von fünf Jahren ausreichend.“ Für über 50-Jährige gilt nach Angaben von Klinsing ein Drei-Jahres-Rhythmus. Muss ein Impfschutz rasch aufgebaut werden, könne auch ein „Schnellimmunisierungsschema“ angewendet werden. Wer mit einer Impfserie begonnen und dann aber weitere Impfungen versäumt hat, kann nach Angaben des Arztes in den meisten Fällen die fehlenden Impfungen einfach ergänzen. Nur wer bisher erst eine einzige Impfung bekommen hat und mittlerweile ein Jahr oder länger vergangen ist, sollte mit der Impfserie von vorn beginnen.

Quelle: op-online.de

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