Potenz- und Schlankheitsmittel sowie Anabolika bei Schmugglern beliebt

Gefährliche Pillen

Mit Risiken und Nebenwirkungen: Das Zollfahndungsamt Frankfurt und der hessische Apothekerverband warnen vor der Einnahme nicht zugelassener Pillen. Sie könnten „zu erheblichen Gesundheitsschäden“ führen.

Wohl dem, der ein von Natur aus erfülltes Liebesleben hat - denn das scheint nicht jedem beschieden. „Potenzmittel sind die am häufigsten geschmuggelten Präparate“, sagte Gabriele Grupe, Zolloberamtsrätin beim Zollfahndungsamt Frankfurt.

Grupe nutzte das Jahrespressegespräch des Hessischen Apothekerverbands (HAV) gestern in Offenbach, um über die Arbeit des Zolls bei Arzneimittelfälschungen und Medikamentenschmuggel zu informieren. Dabei verwies sie wiederholt auf gefälschte Viagra-Pillen als Beispiel. „Trotz Aufklärung in Presse und Internet sind die Verbraucher noch immer naiv“, so Grupe. Manchmal spare man gerade einmal 20 Prozent gegenüber den Originalprodukten, bei denen man auf korrekte Produktion und Wirkung vertrauen könne.

Dass es gerade bei Fälschern beliebter Arzneimittel im „Labor“ an grundlegenden hygienischen - und häufig auch fachlichen - Voraussetzungen mangele, verdeutlichte die Zolloberamtsrätin mit drastischen Fotos. Darauf waren verschmutzte Räumlichkeiten in Kronberg zu sehen, in dem ein Pärchen Grundsubstanzen im Wert von 150 000 Euro verarbeiten wollte. „Diese Untergrundlabore gibt es also nicht nur in den klassischen Produktionsländern wie Indien, Pakistan, China, der Türkei oder ehemaligen Ostblockstaaten, sondern auch im Rhein-Main-Gebiet“, betonte Grupe.

Zu den beliebtesten Präparaten, die illegal eingeführt und regelmäßig vom Zollfahndungsamt Frankfurt aufgegriffen werde, gehören mit Wachstumshormonen versetzte Anabolika, die überwiegend in der Bodybuilding-Szene zum Muskelaufbau eingesetzt werden. „Die Steigerungsrate ist enorm“, verdeutlichte Grupe - das könne man offenbar auch auf die Nachfrage nach den Mitteln übertragen. 2008 stellten die Fahnder 21 000 Anabolika-Tabletten und mehr als 29 000 Ampullen sicher, in diesem Jahr sind es bei den Tabletten bislang schon 370 000 - eine Steigerung um 1600 Prozent. Die Zahlen beziehen sich nur auf das Zollfahndungsamt Frankfurt, das vor allem am Flughafen alle Hände voll zu tun hat. Ob die exorbitante Steigerung auf den vermehrten Schmuggel oder die verbesserte Arbeit der Fahnder zurückzuführen ist, ließ Grupe offen.

Neben Anabolika-Präparaten und Potenzmitteln - im vergangenen Jahr wurden in einer einzigen Frachtsendung aus Indien 600 000 gefälschte Viagra-Tabletten mit einem Marktwert von 6,6 Millionen Euro beschlagnahmt und anschließend vernichtet - stehen auch Schlankheitspillen hoch im Kurs. Die Zolloberamtsrätin begründete dies mit dem Schönheitswahn in Deutschland, auf den auch der umfangreiche Schmuggel von Anabolika-Präparaten zurückzuführen sei. „Alles, was den Deutschen lieb und teuer ist, wird gefälscht“, streicht Grupe heraus. Das gelte eben nicht nur für Handys, Handtaschen und Autoersatzteile. Wobei nicht alle Arzneimittel in Deutschland blieben, sondern von hier weiter in den gesamten EU-Raum verteilt würden.

Seitens des Hessischen Apothekerverbands gab es durchaus gute Nachrichten: Die Apotheken Hessens, die 2008 Netto-Umsätze von 2,84 Milliarden Euro erzielten, beschäftigten mehr Menschen als noch im Jahr zuvor, wie HAV-Geschäftsführer Jürgen Schneider vortrug. Die Versandapotheken im Internet hätten sich nicht als dramatische Konkurrenz herausgestellt. Mehr Konkurrenz sieht der Verband durch Arzneimittel-Abholstationen in Blumenläden oder Drogeriemärkten auf seine Mitglieder zukommen. Vor dem „rauer werdenden Wind“ wollen sich die 1632 Apotheken mit verstärkter Beratung und Spezialisierung wappnen. Als Wachstumsfelder sehen sie Medikamente für Schwerkranke, Homöopathie, Ernährung und Kosmetik.

Allerdings entfielen von 100 Euro Arzneimittelausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherungen nur 15,50 Euro auf Apotheken, während des Fiskus über die Umsatzsteuer 16 Euro abgreife. Auch das Vorsteuereinkommen, das einem typischen Apotheker bleibe, sei mit 75 000 Euro pro Jahr schon einmal höher gewesen (2006: 79 000 Euro). „Insgesamt bin ich aber überzeugt, dass eine gute Apotheke mit guten pharmazeutischen Leistungen in einem Wachstumsmarkt auch zukünftig bestehen wird“, so Schneider.

Quelle: op-online.de

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