Falschmünzen

Der Letzte ist wie immer der Dumme

+
Kippen, wenden und wieder kippen: Echtes Geld erkennt man anhand zahlreicher Sicherheitsmerkmale, eines der wichtigsten ist das Wasserzeichen. Im Archäologischen Museum sind darüber hinaus Gussformen zu sehen (oben rechts) sowie Ton- und Falschmünzerförmchen.  

Frankfurt - Immer wieder fällt die Münze scheppernd durch den Fahrkartenautomaten. Sie bleibt einfach nicht drin. Spätestens nach dem dritten oder vierten erfolglosen Versuch gibt man entnervt auf und flucht über den Automaten. Von Bettina Link

Haben Sie die Euro-Blüten gleich erkannt? Kriminalhauptkommissarin Brigitte Hunold zeigt, was echt und was falsch ist.

Doch oft liegt das Problem gar nicht am Gerät: „Vermutlich handelt sich in so einem Fall um eine gefälschte Münze“, sagt Brigitte Hunold vom Hessischen Landeskriminalamt und erntet für das gelüftete Geheimnis erstaunte Blicke aus der Gruppe, die im Halbkreis um sie steht. Die Kriminalhauptkommissarin muss es wissen, sie hat schon einiges Falschgeld in die Hände bekommen. Deswegen ist sie auch zu Gast im Archäologischen Museum Frankfurt, wo sie gemeinsam mit dem Kurator der Ausstellung „Gefährliches Pflaster“, Peter Fasold, nicht nur über die Geschichte und Tricks der Geldfälschung spricht, sondern auch, wie man sich davor schützt.

In der Ausstellung geht es um Verbrechen in der römischen Zeit. Dazu zählen die kriminellen Machenschaften der Fälscher. Denn Geldfälschung ist so alt wie das Geld selbst. Kurator Fasold will den Bogen zur Gegenwart schlagen. Während er über historische Fälschungen erzählt, veranschaulicht Brigitte Hunold Kuriositäten und Tricksereien. Das Erstaunliche: „An den Methoden hat sich seit der römischen Zeit nichts geändert“, erklärt Fasold. Den geschickten Betrügern gelang es in der Antike relativ schnell, das aus Silber gegossene Zahlungsmittel Denar nachzuahmen. Statt Silber gossen die Falschmünzer flüssiges Kupfer oder Bronze in kleine, etwa zwei Cent große Tontellerchen. Nach dem Trocknen überzogen sie die Münzen dann lediglich mit einer dünnen Silberschicht.

Falschmünzen leicht zu entlarven

Auf den ersten Blick sahen die falschen Denare damit aus wie ihre echten Schwestern, „aber das Silber rieb sich schnell ab und die Münzen waren deutlich leichter“, erklärt Fasold. In einer Vitrine liegen etliche der kleinen Tonschalen und ein Stempel aus Stein – entdeckt im August in der Schweiz. Doch woher wissen die Archäologen, dass es sich bei den Fundstücken um das Handwerkszeug eines Falschmünzers handelt? „Damals gab es nur Münzstätten in Rom und Lyon, deswegen lassen die archäologischen Funde an anderen Orten darauf schließen, dass es sich um Fälschungen handelt“, erklärt der Kurator.

2000 Jahre später verwenden die Fälscher statt Ton Kautschukformen, die Vorgehensweise sei letztlich aber die gleiche, sagt Brigitte Hunold. Sie zeigt zwei rechteckige Blöcke, die jeweils eine Vertiefung in der Mitte haben, in denen die Vorder- und die Rückseite eines Fünfmarkstückes zu sehen sind. Ob D-Mark oder Euro, die Mehrzahl der Falschmünzen sei relativ leicht zu entlarven: „Die meisten lassen sich wegen des Metalls, aus dem sie hergestellt sind, verbiegen“, sagt die Hauptkommissarin. Ziehe man mit einem Geldstück eine Linie auf Papier und es bleibe ein Streifen dabei zurück, deute das ebenfalls auf eine Fälschung hin.

Entschädigung gibt es nicht

Doch Münzen würden selten nachgemacht. Deutlich häufiger sind gefälschte Scheine im Umlauf. Die Betrüger hätten leichtes Spiel, weil kaum jemand seine Banknoten im Portemonnaie auf ihre Echtheit prüfe. Nur so konnte vor einiger Zeit ein 300-Euro-Schein in Umlauf kommen. Der sorgt für Belustigung bei den Museumsbesuchern, die den mitgebrachten Schein genauer unter die Lupe nehmen und befühlen. Auf die Frage aber, wer sein eigenes Geld genauer prüfe, schütteln fast alle Besucher den Kopf. Umso eifriger probieren sie die Tipps aus, mit denen sich herausfinden lässt, ob ein Schein echt ist. Alle zücken ihre Brieftasche und kramen nach 20er- und 50er-Scheinen, die sie gegen das Licht halten, betasten und hin und her kippen. Auf diese Weise lässt sich schnell herausfinden, ob es ein echter oder gefälschter Schein ist. So muss ein Wasserzeichen erkennbar sein, wenn der Geldschein gegen das Licht gehalten wird. An bestimmten Stellen ist ein Relief fühlbar und beim Kippen müssen sich Motiv oder Farben ändern.

Während Fälschungen den Staat in der Römerzeit vor ein ernsthaftes Problem stellten, wie schriftliche Belege nachweisen, richten sie heutzutage keinen Schaden mehr an. Schaden trage nur, wer solch eine Fälschung nicht rechtzeitig erkenne: „Der Letzte ist der Dumme“, sagt Brigitte Hunold, denn Entschädigung gibt es für eine gefälschte Banknote nicht.

Geldfälschen war und ist ein Verbrechen. Bereits im römischen Reich wurden Geldfälscher verfolgt. Den Betrügern drohten harte Strafen bis hin zur Todesstrafe. Doch die Täter zu fassen, war und ist keine leichte Aufgabe, weil das Falschgeld unerkannt in Umlauf gelangt. Zumindest bei den Besuchern der Ausstellung haben ihre Mahnungen Erfolg. „Ich werde künftig mehr darauf acht geben“, sagt eine Besucherin. Auch Egon Zepter aus Dietzenbach will wieder genauer hinschauen: „Ich wusste zwar, wie man Geldscheine prüfen kann, aber die Erläuterungen sind eine Auffrischung für mich.“

Quelle: op-online.de

Mehr zum Thema

Kommentare