Gegen den Fluglärm

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Das Forum Flughafen und Region will Maßnahmenpaket vorlegen.

Frankfurt - Vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel haben sich Fraport und einige Umlandkommunen um den Flughafenausbau öffentlichkeitswirksam gestritten wie die Kesselflicker. Im „Forum Flughafen Frankfurt und Region“ (FFR) geht es wesentlich sachlicher und kooperativer zu. Von Ralf Enders

Und zielgerichteter: Bis Ende dieses Jahres will das FFR ein Maßnahmenpaket vorschlagen, um den Fluglärm in der Region „signifikant“ zu senken, wie es einer der drei Vorsitzenden, Johann-Dietrich Wörner, formuliert.

Neben Wörner, Vorstandschef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, bemühen sich der designierte Fraport-Chef Stefan Schulte und der Neu-Isenburger Bürgermeister und CDU-Landratskandidat Oliver Quilling um den Ausgleich zwischen Flughafen und Umland. Das FFR soll die Arbeit des Regionalen Dialogforums fortsetzen, das vor einem Jahr seine Arbeit beendet hatte.

Oliver Quilling

Forcieren will das Gremium vor allem den sogenannten aktiven Schallschutz, Maßnahmen also, die von vorneherein weniger Lärm entstehen lassen, wie die drei Vorsitzenden jetzt bei einem Pressegespräch erläuterten. Dabei geht es vor allem um neue Start- und Landeverfahren. Konkretes oder Zahlen ließ sich das Trio nicht entlocken, aber Wörner zufolge geht es „nicht um ein bis zwei Prozent Lärmbelastung weniger“. „Extrem belastete Städte“, zu denen Offenbach zweifellos gehört, sollen spürbar ruhiger werden.

Stefan Schulte

Eine Möglichkeit, Landungen leiser zu machen, ist das sogenannte CDA-Verfahren (Continuous Descent Approach), bei dem sich die Flugzeuge in einem kontinuierlichen Sinkflug der Landebahn nähern. Dies ist wesentlich leiser als das herkömmliche Verfahren, bei dem ein ständiger - und lauter - Wechsel zwischen Beschleunigung und Sinken stattfindet. Zudem werden Auswirkungen geprüft, wenn das Flugzeug einen leichten Bogen fliegt oder den Anflug-Gleitwinkel von 3 auf 3,2 Grad erhöht. Dies alles muss jedoch von Experten, etwa von der Deutschen Flugsicherung in Langen oder dem Luftfahrtbundesamt, genauestens untersucht und genehmigt werden. Wörner: „Wir müssen die Ziele erreichen, ohne die Sicherheit zu gefährden.“

Johann-Dietrich Wörner

Quilling sagte, die Kommunen könnten im FFR politische Willenserklärungen abgeben und wollten freilich Erfolge sehen. Schulte, er soll am 1. September die Nachfolge von Fraport-Chef Wilhelm Bender antreten, sieht den Dialog mit den Umlandkommunen als eine seiner wichtigsten Aufgaben, wie er bereits mehrfach betonte. Im Interview mit der FAZ sagte der 49-Jährige beispielsweise, es stehe Fraport „gut an, den Dialog mit den Nachbarn über die Belastungen, aber auch über die Chancen des Flughafens und seines Ausbaus fortzusetzen“.

Dialog also statt Gerichtsstreit. Das Urteil des Verwaltungsgerichtshofs zum Ausbau wird für den 21. August erwartet. Es gilt jedoch als sicher, dass der Unterlegene das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig anruft.

Fraport will vier Milliarden Euro in eine vierte Start- und Landebahn und ein drittes Terminal investieren. Die neue Bahn soll 2011 in Betrieb genommen werden.

Forum Flughafen Frankfurt und Region

Das Forum Flughafen Frankfurt und Region (FFR) ist laut Beschluss der Landesregierung der Nachfolger des Regionalen Dialogforums, das seine Arbeit 2008 beendet hatte. Es soll den Dialog zwischen dem Flughafen und dem Umland moderieren. Das FFR gliedert sich in vier Bereiche:

- Der Koordinierungsrat verwaltet die Arbeit des FFR.

- Der Konvent Flughafen und Region ist die Dialogplattform. Ihm gehören derzeit 64 Vertreter aus Rhein-Main an: Bürgermeister, Landräte, Vertreter aus Luftverkehrswirtschaft, Kammern, Gewerkschaften, Kirchen, Umweltverbänden, Bürgerinitiativen, Ministerien und Behörden.

- Das Expertengremium Aktiver Schallschutz erarbeitet Maßnahmen, um den Fluglärm zu reduzieren.

- Das Umwelthaus ist die Anlaufstelle für Bürger Eine Internetadresse soll es erst in den nächsten Wochen geben.

Quelle: op-online.de

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