Demo mit Ironie

Geheimdienst-Gegner auf der Suche nach NSA-Spähern

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Griesheim/Darmstadt - Der amerikanische Geheimdienst NSA soll auch in Südhessen einen Standort betreiben. Aktivisten haben sich auf die Fahnen geschrieben, den "Dagger Complex" am Rande von Griesheim zu erkunden. Einige Hundert Neugierige folgten dem Aufruf.

Den "Dagger Complex" in Südhessen kannte die Öffentlichkeit bisher kaum - schon gar nicht als mutmaßlichen Stützpunkt des amerikanischen Geheimdienstes NSA. Mit einem ironischen Aufruf im sozialen Netzwerk Facebook gelang es dem Aktivisten Daniel Bangert, dass am Samstag rund 400 Demonstranten vor diesen militärischen Bereich der amerikanischen Streitkräfte am Rande von Griesheim zogen. Der Veranstalter setzte die Teilnehmerzahl im Unterschied zur Polizei mit 500 etwas höher an.

Es war kein klassischer Protest, eher ein Happening. Ein Picknick sollte "den Geruchssinn der Spione aktivieren und sie aus ihrem Bau locken", nannte Bangert scherzhaft ein Ziel. Am geschlossenen Eingang ließen sich aber nur Wachmänner und die Militärpolizei blicken. Gesehen wurden sie auch von den beiden Demonstranten Simon Tiesold (17) und Aaron Becker (17): "Wir sind dagegen, dass die Amerikaner alle überall überwachen."

Organisation "NSA-Spion-Schutzbund"

Am Samstag war es bereits der zweite Protest gegen den NSA. Der 28 Jahre alte Bangert aus Griesheim hatte eine Woche zuvor einen Überraschungscoup gelandet - dieser gab ihm bei der Wiederholung enormen Rückenwind. Zum Spaß hat er die Organisation "NSA-Spion-Schutzbund" ins Leben gerufen, auf seiner Seite in Facebook.

Zu einem ersten Protest, Spaziergang genannt, waren rund 70 Demonstranten gekommen. "Der am besten dokumentierte Spaziergang, den es je gab", meinte Bangert mit trockenem Humor. Und das, obwohl sich die Teilnehmerzahl in Grenzen hielt. Die Aktion hatte aber Polizei und Staatsschutz auf den Plan gerufen. Sie mussten Bangert nach seinem ersten Aufruf erst mal klarmachen, dass so etwas brav angemeldet werden muss - Facebook allein genügt nicht.

Die Polizei hatte den Eintrag entdeckt, meldete sich deswegen bei Bangert zu Hause, eines morgens gleich in der Frühe, kurz nach sieben Uhr. Er behielt davon nichts für sich, machte per Facebook alles publik - und wurde dort zum Anti-NSA-Star.

Demonstration gegen NSA-Horchposten

Demonstration gegen NSA-Horchposten

Auch bei der zweiten Aktion standen die Demonstranten nun am US-Militärgelände - und die Reaktion war aber wieder praktisch Null. Kurz zuvor hatte ein Wachmann erklärt, warum: "Wir dürfen nichts machen", sagte der Uniformierte in gebrochenem Deutsch. "Die Militärpolizei kommt, die macht dann das Tor zu." Viel zu tun bekommen dürfte sie allem Anschein nach in Sachen Demonstration auch nicht mehr. Bangert, der einen neuen Beruf lernt, muss sich zunächst wieder um andere Dinge kümmern: "Ich habe jetzt erstmal Schule."

Quelle: op-online.de

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