Geist und Genuss

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Diese beiden Gebäude in der Braubachstraße gehören zu dem Komplex, den der Börsenverein des Deutschen Buchhandels im Herbst 2011 beziehen will.

Frankfurt ‐ Wo jetzt noch der Wind den Staub über Schotter und Stein jagt, soll in 16 Monaten ein Ort der Begegnung, der Kultur und auch des Genusses zu finden sein. Von Christian Riethmüller

Inmitten der Frankfurter Innenstadt, zwischen Braubachstraße und Berliner Straße, errichtet der 1825 gegründete Börsenverein des Deutschen Buchhandels seinen neuen Sitz, der voraussichtlich im Oktober 2011 bezogen wird. Das künftige Domizil des ältesten Kulturverbands Deutschlands besteht aus einem Gebäudekomplex von drei unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden, die saniert, umgebaut und durch zwei Erweiterungen und Verbindungsbrücken ihrer neuen Nutzung angepasst werden.

Die beiden Häuser an der Braubachstraße 14 bis 16 und 18 bis 22 stammen aus dem Jahr 1926 und beherbergten früher unter anderem das Stadtgesundheitsamt. Jünger, aber architektonisch wertvoller ist das Gebäude an der Berliner Straße 27. Es wurde 1956 vom Frankfurter Architekturbüro Apel und Brandl als Hommage an Le Corbusiers „Pavillon Suisse“ entworfen.

So soll die Braubachstraße nach der Restaurierung aussehen.

Nach Aussagen des Frankfurter Architekturprofessors Ernst Ulrich Scheffler, der mit seinem Büro Scheffler + Partner den Bau des neuen Börsenverein-Domizils betreut, steht das Apel/Brandl-Haus in der Berliner Straße „programmatisch für die Rückkehr der weißen Moderne nach dem Zweiten Weltkrieg“ und wird deshalb mit allen Fassaden einschließlich der alten Schwingfenster erhalten. Dort würden lediglich die Gläser ausgetauscht und die Dichtungen erneuert, sagte Scheffler beim offiziellen ersten Spatenstich für den Gebäudekomplex am Montag.

Mit dem Umzug in die Nähe von Dom, Paulskirche und Römer wird der Börsenverein des Deutschen Buchhandels - die Spitzenorganisation der Verlage, des Buchhandels und des Zwischenbuchhandels in Deutschland - seinen bisherigen Sitz im Großen Hirschgraben unweit des Goethe-Hauses aufgeben. Das Eigentum an den Häusern Großer Hirschgraben 17 bis 19 und 21 geht auf die Stadt Frankfurt über, die ihrerseits dem Börsenverein die städtischen Grundstücke an Braubachstraße und Berliner Straße in Erbpacht überlässt - zu äußerst günstigen Bedingungen.

Dafür investiert der Börsenverein eine zweistellige Millionensumme in seinen neuen Sitz. Etwa 18 Millionen Euro dürften für den künftigen Standort aufzuwenden sein, an dem rund 300 Mitarbeiter unter einem Dach für das Buch arbeiten. Neben dem Börsenverein selbst ziehen auch dessen beide Töchter, die für die Organisation der Frankfurter Buchmesse zuständige Ausstellungs- und Messe GmbH und die MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH in den Gebäudekomplex.

Café-Restaurant im Erdgeschoss

Der soll nicht allein als Arbeitsstätte dienen, sondern ein wichtiger Anlaufpunkt auf der künftigen Kulturmeile Braubachstraße sein. „Im besten Fall kann die neue Zentrale zu einer öffentlichen Plattform für den Dialog von Geist, Wissen und Kultur werden“, hegt Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins, große Erwartungen. Im Gebäude steht ein großer Vortragssaal zur Verfügung, der für Lesungen, Vorträge und Diskussionen genutzt werden soll. Neben dem geistigen soll aber auch das leibliche Wohl nicht zu kurz kommen.

Im Erdgeschoss des Gebäudes Braubachstraße 18-22 ist nach Fertigstellung ein Café-Restaurant zu finden, das von der bekannten Fernsehköchin Sarah Wiener betrieben wird. Von diesem Restaurant aus wird dann auch der begrünte Hofgarten bewirtschaftet, der aus der Zusammenlegung der Neugasse mit einem ehemaligen Hinterhof entsteht. Die übrigen Erdgeschosse sind für Läden vorgesehen.

Der Stadt Frankfurt beschert der neue Sitz des Börsenvereins nicht nur ein weiteres attraktives Ziel für Besucher der Innenstadt. Wesentlich wichtiger für Stadt und Region ist das mit dem Bau verbundene Bekenntnis der Börsenvereins-Gruppe, am Main bleiben zu wollen. Die Gerüchteküche um den Wegzug von Buchmesse und Börsenverein in eine andere Großstadt dürfte damit für lange geschlossen sein.

Quelle: op-online.de

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