Prozess um Geisterfahrer

Gewinn eines Jackpots endet in Todesfahrt

Frankfurt - Nach einem Riesengewinn beim Glücksspiel soll ein Wiesbadener als Geisterfahrer mit Alkohol und Kokain im Blut einen Menschen getötet und sechs weitere verletzt haben. Im Prozess entschuldigt er sich bei der Familie des Opfers.

Im Prozess um eine tödlich verlaufene Geisterfahrt auf der A3 nach dem Gewinn eines Jackpots über eine halbe Million Euro hat der Angeklagte sich bei der Familie des Opfers entschuldigt. "Es tut mit unendlich leid", sagte der 51-Jährige heute zum Auftakt des Verfahrens vor dem Wiesbadener Landgericht unter Tränen. "Ich verstehe es bis heute nicht. Seit drei Jahren frage ich mich das jeden Tag." Als Geisterfahrer soll der Mann auf der A3 nahe dem hessischen Idstein einen Menschen getötet und sechs weitere zum Teil schwer verletzt haben.

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Insgesamt fünf Fahrzeuge waren an dem Unfall beteiligt, den der Mann nach seinem Gewinn in einer Spielbank von über einer halben Million Euro verursacht haben soll. Exakt 514.242,06 Euro hatte der verschuldete Mann in der Nacht vom 4. auf den 5. November 2011 in der Wiesbadener Spielbank beim Automatenspiel gewonnen. Danach habe eine stundenlange Irrfahrt begonnen, bei der der in Wiesbaden lebende Mann an unterschiedlichen Stationen seinen Gewinn mit Alkohol und Kokain feierte, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Beim Besuch einer weiteren Spielbank in Bad Homburg habe er ebenfalls Geld gewonnen. Schließlich sei er zu mehreren Bekannten gefahren, um Schulden zu begleichen; unter anderem bis nach Kaiserslautern.

Rund 19 Stunden nach dem Gewinn kam es dann zu dem tödlichen Unfall auf der A3 zwischen Idstein und Niedernhausen. Der Mann war laut Anklage mit seinem Wagen in Fahrtrichtung von Frankfurt nach Köln unterwegs, als er plötzlich auf der dreispurigen Autobahn wendete und zurück entgegen der Fahrtrichtung nach Wiesbaden fuhr. Wenig später kam es zu dem folgenschweren Frontalzusammenstoß mit einem Auto: Der 56 Jahre alte Fahrer des entgegenkommenden Wagens stirbt, seine 54-jährige Frau und sein 17 Jahre alter Sohn überleben schwer verletzt. Die Familie stammt aus Duisburg. Nach dem Crash fuhr der Geisterfahrer noch weiter und es kam laut Staatsanwaltschaft nach rund 200 Metern zu einem weiteren Unfall mit einem mit drei Personen besetzten Fahrzeug. Weitere Wagen werden von den Trümmerteilen getroffen. Es gibt weitere, zum Teil Schwerverletzte.

Die Polizei sprach nach einer ersten Bestandsaufnahme der Unfälle von Bildern wie auf einem Schlachtfeld, das sich über 200 Metern erstreckte. Der Geisterfahrer selber wird schwer verletzt, flieht aber zu Fuß vom Unfallort. Mit einem Hubschrauber und Wärmebildkameras wird nach dem Unfallverursacher gesorgt. Der Mann taucht schließlich bei einem Bekannten in Frankfurt unter. Einen Tag später stellt er sich bei der Polizei. Bei seiner Vernehmung durch die Polizei kann sich der zur Tatzeit 48-Jährige nicht an die Einzelheiten seine Geisterfahrt erinnern. Die Anklagebehörde schließt kurz nach der tödlichen Unfallserie eine Anklage wegen Mordes nicht aus. Der Mann sitzt rund eineinhalb Monate in Untersuchungshaft. Danach wird der Haftbefehl gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt. Eine Suizid-Absicht, über die spekuliert wurde, werde mittlerweile ausgeschlossen, sagte der Sprecher der Wiesbadener Staatsanwaltschaft wenige Tage vor dem Start des Prozesses. (dpa)

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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