Geld, Sex und Macht: Wolski vor Gericht

Darmstadt ‐ Geld, Sex und Macht: Am Mittwoch beginnt vor dem Landgericht Darmstadt ein Prozess um Steuerhinterziehung in Millionenhöhe, der die Gemüter erregt wie sonst kaum ein anderer Fall. Von Joachim Baier

Vor Gericht steht der Rechtsanwalt Michael Wolski. Der 61-Jährige ist Ehemann der hessischen Spitzen-Juristin Karin Wolski (CDU). Auf die Richterin am Staatsgerichtshof haben sich SPD und Grüne im Landtag ebenso eingeschossen wie Mitglieder einer reichen Frankfurter Familie. Von dieser habe Michael Wolski eine Menge Geld erschwindelt und dem Finanzamt verheimlicht, behaupten Angehörige. Karin Wolski habe von den Machenschaften ihres Mannes gewusst und profitiert.

Für 1999 bis 2004 lediglich Einzelbeträge

Was die Höhe der Steuerhinterziehung angeht, hüllt sich der Sprecher der Darmstädter Staatsanwaltschaft, Ger Neuber, unter Hinweis auf das Steuergeheimnis in Schweigen. Auch die vom Landgericht veröffentlichte Kurzfassung der Anklage nennt keine Summe, sondern für die Jahre 1999 bis 2004 lediglich Einzelbeträge, von denen 1,3 Millionen Euro der höchste ist. Zusammengezählt werden dürfen die Beträge nicht.

SPD und Grüne legen Karin Wolski nahe, ihr hohes Richteramt aufzugeben, weil sie in die Fälle ihre Mannes verwickelt sei. „Die Lebenserfahrung lehrt, dass bei Ehepaaren wie hier etwa beim Hauskauf beide vom Geld gewusst haben“, sagt der Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Gert-Uwe Mende. Staatsanwalt Neuber hingegen sagt: „Es gab, auch im Einvernehmen mit den Finanzbehörden, keine Veranlassung, gegen Frau Wolski zu ermitteln.

Michael Wolski zunächst nur Anwalt des wohlhabenden Ehepaares

Sohn und Schwiegersohn eines 2006 gestorbenen Frankfurter Geschäftsmannes werfen dem Ehepaar Wolski Raffgier vor. Beide hätten sich Millionenbeträge unter den Nagel gerissen. Im Internet haben die Angehörigen Vorwürfe aufgelistet, die aus einem Krimi stammen könnten: Michael Wolski, zunächst nur der Anwalt des wohlhabenden Ehepaares, habe mit der wesentlich älteren Ehefrau eine Beziehung angefangen, um leichter an das große Geld zu kommen. Der Ehemann sei dabei geschickt ausgebootet worden.

Jeder Vorwurf ist wahr. Jeder Vorwurf ist beweisbar“, behauptet Schwiegersohn Janusz Pomer aus Frankfurt. Der 56-Jahre alte Arzt ist in dem Prozess als Zeuge geladen. Nach seiner Darstellung schröpfte Wolski die gut situierte Gattin des Geschäftsmannes nach Strich und Faden und legte sich schnelle Autos, schicke Häuser, Schmuck, Bares zu. Auf der Internetseite sind angebliche Zahlungen von 22 Millionen Euro aufgelistet. Die nach Pomers Ansicht listig ausgenommene Dame soll voraussichtlich am 3. November in dem Prozess aussagen.

Ob Michael Wolski vor der 9. Strafkammer aussagen wird, möchte Verteidiger Hanno Durth nicht sagen: „Wir wollen alles, was damit zu tun hat, mit dem Gericht besprechen und nicht mit der Öffentlichkeit.

dpa

Quelle: op-online.de

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