Gelegenheit macht Diebe - auch beim Fahrrad

Frankfurt/Darmstadt - Fahrräder sind nirgends vor Dieben sicher, nicht einmal in einer verschlossenen Metallbox. Das zeigte sich kürzlich in Fulda. Von Joachim Baier (dpa)

Zwei Räder im Gesamtwert von 1000 Euro standen in dem Behälter, sie waren zusätzlich abgeschlossen und an einer Halterung befestigt. Der Dieb „knackte“ also dreimal. „Das war schon heftig“, sagte der Sprecher der Polizei Fulda, Martin Schäfer. „Das war zielgerichtet. “ Eine Darmstädter Studentin erwischte es innerhalb kurzer Zeit gleich zweimal. Nach dem ersten Diebstahl bekam sie ihren Drahtesel noch wieder, nach dem zweiten nicht.

Etwa 14.000 Fahrräder werden in Hessen nach Zahlen des Landeskriminalamtes pro Jahr als gestohlen gemeldet, der geschätzte Schaden beträgt etwa 6,5 Millionen Euro. „Wo sich Gelegenheit bietet, wird was geholt“, sagt der Frankfurter Polizeisprecher Manfred Vonhausen. Die Aufklärungsquote liegt oft unter zehn Prozent. Wer sein Fahrrad vor Dieben schützen will, greift zu einem Schloss. Zusätzlich dazu kann auch ein auf dem Rad angebrachter Code Langfinger abschrecken. „Codierte Fahrräder werden weniger gestohlen“, sagt Claus Opfermann, für Vorbeugung zuständiger Kriminalhauptkommissar beim Landeskriminalamt in Wiesbaden. Mit einem Code seien wichtige Informationen hinterlegt. Wird ein gestohlener Drahtesel mit Code entdeckt, kann der rechtmäßige Besitzer ihn wiederbekommen. Im Internet wirbt auch der Fahrrad-Club ADFC für die Maßnahme. „Eine Codierung kann, wie die bisherige Erfahrung lehrt, die Zahl der Diebstähle deutlich senken und die Aufklärungsquote erhöhen.“

Aufklärungsqoute unter zehn Prozent

Frankfurt ist die Hochburg der Fahrraddiebe. Hier wir ein großer Teil des Schadens angerichtet. 2010 lag er bei fast zwei Millionen Euro, höher als in den fünf Jahren davor. Rund 4000 Fahrräder wurden gestohlen, die Aufklärungsquote lag bei noch nicht einmal sechs Prozent. Zum Vergleich: Autodiebe verursachten dort einen Schaden von 3,6 Millionen Euro.

Als eine Tätergruppe nennt die Polizei Drogenabhängige, die Beute zu Geld machen. „Gesucht werden gezielt hochwertige Fahrräder“, sagt Polizeisprecher Schäfer aus Fulda. Verscherbelt wird die Beute bei jeder Gelegenheit: auf Flohmärkten, im Internet. „Da werden auch Teile mehrerer Fahrräder gegeneinander ausgetauscht, damit das Ursprungs-Rad nicht mehr entdeckt werden kann“, sagt Henry Faltin von der Polizeipressestelle in Offenbach.

Besonders unsicher sind Fahrräder vor allem da, wo sie in Massen zu finden sind und der Besitzer über Stunden weg ist: An Bahnhöfen, an Schwimmbädern, an Schulen. „Gestohlen werden die Räder auch tagsüber bei hellichtem Licht“, sagt Faltin. „Mitunter kommen die Täter mehrmals zurück. Bis ein Kleinbus voll ist.“ Geklaut werden Räder auch nach dem Motto: „Ich nehme das jetzt mal, lass es später einfach woanders stehen“, sagt Vonhausen.

Codierung schreckt Diebe ab

Nach den Erfahrungen der Polizei Darmstadt waren viele der gestohlenen Räder schlecht oder gar nicht gesichert. „Fahrräder, die nur miteinander zusammengeschlossen sind, werden einfach weggetragen und dann die Schlösser woanders geknackt“, sagte Sprecher Uwe Borkenau. Er rät: „Das Fahrrad muss mit einem festen Schloss irgendwo angeschlossen werden, dann ist die Wahrscheinlichkeit eines Diebstahls minimiert.“ Außerdem empfiehlt Borkenau, das Zweirad codieren zu lassen. „Es ist leicht dem Besitzer zuzuordnen und kann schlecht weiterverkauft werden.“

Die Darmstädter Studentin Yvette Köhler konnte sich zunächst noch freuen, weil sie ihr gestohlenes Fahrrad rasch wiederbekam. Doch dann schlugen die Diebe erneut zu. Ihr Mountainbike hatte sie im vergangenen Sommer an einen Baum angeschlossen. Es stand zwar in einem Hinterhof, war aber für Passanten zu sehen. Beim ersten Mal wurden die Diebe entdeckt, sie flüchteten. Köhler konnte ihr Fahrrad bei der Polizei abholen und schloss es wie gehabt an. „Zwei Tage später war es dann wieder weg“, sagt die 23-Jährige. Jetzt hat sie sich statt eines Mountainbikes ein simpleres Fahrrad zugelegt. „Da kann ich auch drauf fahren.“

Für den Fahrradclub ADFC werden Diebstähle wie diese mitunter bagatellisiert. „Dort, wo Fahrräder geklaut werden, ist es ein wichtiges Verkehrsmittel“, sagt Sprecherin Bettina Cibulski.

Wer ein Fahrrad versichern will, für den spielt es keine Rolle, wo er wohnt - anders als beim Auto, wo der Wohnort auch ausschlaggebend ist. „In Hamburg ist es genauso wie in Bayern auf dem flachen Land“, sagt ein Sprecher des Versicherungsmaklers Pergande & Pöthe GmbH (Hamburg). Bei zahlreichen Versicherungen können Fahrräder im Paket der Hausratsversicherung mitversichert werden.

Quelle: op-online.de

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