Die Ruhe weg

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Die einen wollen schlafen, die anderen fliegen - über dieses Dilemma muss das Bundesverwaltungsgericht entscheiden.

Heusenstamm/Offenbach - Im Herbst dieses Jahres geht am Frankfurter Flughafen die neue Nordwestlandebahn in Betrieb. Die Kapazität wird dann um etwa die Hälfte erweitert. Heißt: Von Ralf Enders

Pro Stunde sind 120 Flugbewegungen möglich; die Zahl der Passagiere könnte pro Jahr von 50 Millionen auf mehr als 80 Millionen klettern. Bei so viel Betrieb am Tag wollen Politiker aus der Region über Parteigrenzen hinweg Ruhe in der Nacht für ihre Bürger. Gestern haben sich in Heusenstamm die Vertreter von 13 Städten und Gemeinden sowie zwei Landkreisen getroffen, um per Resolution auf ein striktes Nachtflugverbot zu pochen. Die hessische Landesregierung solle ihren Einspruch gegen das absolute Nachtflugverbot vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig zurückziehen.

Hintergrund:

Nachtflugverbot auf dem Prüfstand

Mit dem Ausbau, so der Tenor, habe man sich mehr oder weniger zähneknirschend abgefunden, und die Wirtschaftskraft des Flughafens wird nicht in Abrede gestellt. Die Gesundheit der Bürger aber gebiete wenigstens erholsamen Schlaf. Und deshalb soll der wirtschaftliche Motor der Region mindestens von 23 bis 5 Uhr stehen; lieber wäre den meisten von 22 bis 6 Uhr. Unterzeichnet haben die Städte Alzenau, Frankfurt, Großkrotzenburg, Hainburg, Hanau, Heusenstamm, Mainz, Neu-Isenburg, Obertshausen, Mühlheim, Offenbach, Rodgau, Seligenstadt sowie die Kreise Offenbach und Mainz-Bingen.

Stimmen zur Verabschiedung der Resolution:

  • Peter Jakoby (CDU), Bürgermeister Heusenstamm: „Die Botschaft geht nach Wiesbaden und Leipzig. Die Region lebt mit dem Flughafen, aber wir sind verantwortlich für die Gesundheit der Bürger.“
  • Paul-Gerhard Weiß (FDP), Stadtrat Offenbach: „Wir wollen die Landesregierung an ihr Versprechen erinnern.“
  • Oliver Quilling (CDU), Landrat Kreis Offenbach: „Das Nachtflugverbot wird nicht mehr mit dem notwendigen Ehrgeiz verfolgt. Dabei ist dies die wirksamste aktive Schallschutzmaßnahme.“
  • Claus Kaminsky (SPD), Oberbürgermeister Hanau: „Hanau war für den Ausbau des Flughafens, aber das macht die Empörung über den Wortbruch der Landesregierung nur größer.“
  • Manuela Rottmann (Grüne), Stadträtin Frankfurt: „Rhein-Main ist kein Kurort, aber Ausgleich in der Nacht muss her.“
  • Herbert Hunkel (parteilos), Bürgermeister Neu-Isenburg: „ Unsere Messungen seit Beginn der Mediation haben ergeben, dass der Lärm nachts von 56,9 auf 59,5 Dezibel gestiegen ist.“
  • Bernd Müller (CDU), Bürgermeister Mühlheim: „Mühlheim ist Drehpunkt der Landebahnen, und Mühlheim wird Drehpunkt für die Nordwestbahn sein.“
  • Bernhard Bessel (CDU), Bürgermeister Hainburg: „Die Region steht differenziert zum Ausbau, aber geschlossen hinter dem Nachtflugverbot.“
  • Wolfgang Reichel (CDU), Beigeordneter Mainz: „Durch die neuen Flugrouten gibt es eine neue Betroffenheit. In unserer Region gibt es Leute, die früher froh waren, wenn sie ihren Kindern ein Flugzeug zeigen konnten - heute hören sie’s.“
  • Thomas Jühe (SPD), Bürgermeister Raunheim: „Es gibt in der Region wohl keine Kommune, die der Resolution widersprechen würde.“
  • Jutta Janzen, Pressesprecherin des Kreises Darmstadt-Dieburg: „Wir wurden zu der Resolution nicht gefragt, das hat wohl mit Geographie und einer anderen Gefechtslage zu tun.“
  • Nils Haupt, Pressesprecher Lufthansa Cargo: „Der siebtgrößte Frachtflughafen der Welt und die Exportnation Deutschland brauchen Nachtflüge. Durch die drastische Reduzierung auf 17 Nachtflüge sind wir schon in Vorleistung getreten.“
  • Dieter Posch (FDP), hessischer Wirtschaftsminister: „Die Frage eines Nachtflugverbots (...) liegt jetzt unwiderruflich zur abschließenden Beurteilung beim höchsten deutschen Verwaltungsgericht in Leipzig.“

Quelle: op-online.de

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