Menschenunwürdige Tradition

Frankfurt - Es ist ein Thema, das nicht nur Afrika betrifft, sondern auch in Deutschland hochbrisant ist: Genitalverstümmelung. Hessens Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) macht nun Druck, Beschneidung härter zu bestrafen.

Hessen habe vor etwa einem Jahr zusammen mit anderen Bundesländern einen solchen Antrag im Bundesrat durchgebracht. Seitdem liege der Gesetzentwurf beim Bundestag. Hahn kündigt an, an den Bundestagspräsidenten zu schreiben, „damit das im Papierstapel ein bisschen weiter nach oben kommt“.

Dem Antrag zufolge soll Genitalverstümmelung als gefährliche Körperverletzung behandelt und mit mindestens zwei Jahren Haft bestraft werden. Die Verjährungsfrist soll erst mit dem 18. Lebensjahr des Opfers beginnen. Drittens soll die Tat auch dann in Deutschland verfolgt werden können, wenn sie im Ausland geschah.

Hahn besuchte heute im Rahmen seiner Sommerreise eine Integrationseinrichtung für afrikanische Frauen in Frankfurt. Maisha e.V. will Afrikaner und Afrikanerinnen in Deutschland überzeugen, „dass diese Tradition menschenunwürdig ist“, wie die Leiterin der Beratungsstelle, Viriginia Wangare Greiner, beim Besuch des Ministers sagte. In einigen Fällen würden Mädchen auch in Deutschland beschnitten, meist aber während eines Urlaub im Heimatland der Eltern.

Eine Ärztin, die in Frankfurt illegal in Deutschland lebende Afrikanerinnen behandelt, berichtete bei dem Treffen mit dem Politiker von einer Frau aus Sierra Leone, die in ihrem Dorf als Beschneiderin arbeiten sollte und deren Leben bedroht war, als sie dies ablehnte. Sie floh nach Deutschland, wo ihr Asylantrag abgelehnt wurde.

dpa

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © pixelio.de/Gerd Altmann

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