Gentleman des Schlagers

Roland Kaiser in der Alten Oper Frankfurt

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Frankfurt - „Statt anständig alt zu werden, bleibe ich lieber unanständig jung“. Sagt er. Und frotzelt auch gleich noch über „scharfe Kurven“. Meint aber das Auto fahren. Angeblich. Von Peter H. Müller 

Schlagerveteran Roland Kaiser gibt auf seiner „Seelenbahnen“-Tour den Frauenflüsterer und Gentleman-Entertainer: Im eleganten Zwirn schmachtet, swingt und balladiert er sich in der Frankfurter Alten Oper durch ein buntes 150-Minuten-Programm. Mittendrin: eine nette Prise Rat-Pack-Charme, dazu eine Band, die auch Rock kann - und Maite Kelly, die pfundigste Überraschung des Abends. Keine Frage, der Smoking steht ihm gut. Immer noch. Auch wenn er mal eher „nächtliche Gedanken“ von sich gibt. Und die Sache mit den „Seelenbahnen im Gesicht“, die er da gleich zur Eröffnung besingt, oder die „Welt mit zwei Gesichtern“ darf man dem gerade 63 gewordenen Urgestein des deutschen Liedguts durchaus abnehmen. Roland Kaiser hat schon entschieden schlechtere Zeiten erlebt.

Zehn Jahre chronisch krank, quasi täglich Sauerstoff-Kuren, dann 2010 eine Lungen-Transplantation, schließlich eine als „Wunder“ empfundene Heilung, die zuletzt sicher auch den Blick auf das eigene Business verändert hat. Vielleicht bezeichnend: Anno 2013 legte er sich für den Münsteraner „Tatort“ sogar auf den Seziertisch von Professor Boerne (Jan Josef Liefers), für eine unkaiserliche Rolle: die am Ende ziemlich tote Persiflage eines alternden Schlagerstars mit dem schönen Namen Roman König. Im Hier und Jetzt, nach 40 Jahren auf der Bühne, ist er fast schon Kult. Nicht nur, weil es Hits wie „Manchmal möchte ich schon mit Dir“, „Joanna“, „Dich zu lieben“ oder das unsinkbare „Santa Maria“ längst in den Mainstream gespült hat. Die Kaiser-Treuen sind heute ein Gefolge aus drei Generationen - natürlich mit hoher, wenn auch nicht „100 Prozent Frauenquote“, wie von ihm selbst anmoderiert. Immerhin, für die in Geiselhaft mitgeschleppten Herren im Saal hat er Maite Kelly als Duettpartnerin mitgebracht. Das stimmgewaltige Ergebnis: „Sag bloß nicht Hello“ und „Warum hast Du nicht Nein gesagt?“, zwei kernig groovende Songs, bei denen sie den distinguierten Kollegen fast von der Bühne wirbelt.

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Großartige Unterstützung gibt es auch von der mit einer Bläserfraktion und zwei Backvocal-Damen verstärkten Band um Gitarrist Torsten Wagner und Chef-Keyboarder Joachim Radloff. Vor allem wenn Tina Tandler zum Saxofon greift, kriegt das Ganze immer wieder einen Kick in Richtung Rock. Und dann ist da ja noch Roland Kaiser, der wie üblich mit Blumen, Schokolade und Stofftieren beglückt wird - Sitzordnung und ein Kaiser-Konzert, das geht so wirklich nicht zusammen. Erst recht nicht, wenn die Verbeugung vor einem grandiosen Kollegen ansteht. Die Udo-Jürgens-Hommage „Ich war noch niemals in New York“ ist der Startschuss zur vielleicht stärksten halben Stunde des Konzerts. Roland Kaiser lädt nämlich auch nach Las Vegas, um auf den Spuren von Sinatra, Martin und Co. zu wandeln. „Strangers In The Night“, „Everybody Loves Somebody Sometimes“, „Mack The Knife“ oder „New York, New York“ - Roland Kaiser kann nicht nur „Schach Matt“, sondern auch Rat Pack. Und zwar richtig gut. Wir verneigen uns ergebenst. Großer Applaus.

Quelle: op-online.de

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