Geohumus wartet auf Durchbruch

Frankfurt - Die kleinen braunen Krümel kullern aus einer Maschine in einen großen Bottich mit der Aufschrift „Geohumus“. Unscheinbar ist der Stoff, der den internationalen Agrarmarkt revolutionieren sollte. Von Stephan Scheuer (dpa)

Nach der Gründung 2005 wurde die Frankfurter Geohumus International GmbH für das wasserspeichernde Granulat mit Auszeichnungen überschüttet, Optimisten sahen auf dem Gemisch bereits ganze Wüstenlandschaften erblühen. Doch der Durchbruch auf dem internationalen Parkett lässt auf sich warten. Inzwischen setzt das Unternehmen auf heimische Kleingärtner.

„Das Potenzial ist da, aber die Umsetzung ist um ein Vielfaches mühsamer“, sagt Geschäftsführer und Gesellschafter Holger Behrens sichtlich vorsichtig. Der ehemalige Geschäftsführer Wulf Bentlage hatte vor wenigen Jahren noch in großen Dimensionen geplant. Schon 2007 sollte eine Anlage in Saudi-Arabien in Betrieb gehen, die bis zu 50.000 Tonnen des Granulats pro Jahr produzieren sollte. Doch bis heute wurde sie nicht gebaut.

Die Produktionsstätte in Frankfurt könnte laut Firmenangaben im Jahr 25.000 Tonnen Geohumus ausspucken, aber bislang sind es nur einige Hundert Tonnen. Im vergangenen Jahr habe Geohumus noch 25 Mitarbeiter beschäftigt, jetzt seien es noch 15.

Siegeszug in Babywindeln gefeiert

Die braunen Krümel des Unternehmens sind sogenannte Superabsorber - hoch saugfähige Kunststoffe. Ihren Siegeszug feierten sie in Babywindeln. Die Firma veränderte den Wasserspeicher als Mittel für die Agrarindustrie. Es ist eine Art Kunststoff-Granulat, das sehr viel Wasser aufnimmt. Durch die Zugabe von Lava-Gestein werden laut Behrens auch lebensnotwendige Mineralstoffe für Pflanzen gespeichert. Geohumus könne das 40-Fache seines Eigengewichts aufnehmen. Auf diese Weise sei es besonders geeignet, das Wachstum von jungen Pflanzen zu fördern und könne sogar die Wüste begrünen.

Für seine Innovation gewann das Unternehmen zahlreiche Auszeichnungen wie den begehrten deutschen Gründerpreis im Jahr 2006 sowie den Erfinder-Oscar für die „Nachhaltigste Innovationsleistung“ im vergangenen Jahr. Zusätzlich wurde die Firma von der Initiative „Deutschland - Land der Ideen“ ausgezeichnet.

Der entscheidende Durchbruch sei jedoch nicht gekommen, urteilt der ehemalige Projektmanager bei Geohumus, Andreas Gattinger. „Es wurde viel zu hoch kalkuliert“, sagt der Bodenwissenschaftler, der vier Jahre für das Frankfurter Unternehmen gearbeitet hat. Für den Anbau von Bio-Lebensmitteln sei das Produkt derzeit nicht geeignet und für herkömmliche Landwirtschaft zu teuer.

„Es ist sicherlich keine Seifenblase“

Professor Hans-Georg Frede vom Institut für Ressourcenmanagement der Universität Gießen ist von der Wirksamkeit von Geohumus überzeugt: „Es ist sicherlich keine Seifenblase.“ Frede hat das Granulat in mehreren Versuchen getestet. Mangobäume in Saudi-Arabien brachten mit dem Stoff bis zu 30 Prozent mehr Ertrag. An Effektivität mangle es Geohumus nicht, sagt Frede.

Hochgepriesene Start-up-Unternehmen haben laut Experten oft in den Jahren nach ihrer Gründung Probleme - trotz innovativer Ideen. „Ganz häufig liegt es nicht am Produkt, sondern am wirtschaftlichen Know-how“, sagt der Professor für Agrarmarketing an der Universität Kassel, Ulrich Hamm. Der Markt für das Produkt werde falsch eingeschätzt, es werde zu teuer produziert oder es hapere am Marketing.

Geohumus hat sich eine neue Zielgruppe gesucht. Heute setzt das Unternehmen stärker auf den Verkauf über Gartencenter in Deutschland, Österreich und Spanien. Eine 500-Gramm-Dose mit dem Superabsorber kostet etwa sechs Euro und soll für 50 Liter Erde reichen. Hobbygärtner und Kleinbauern sollen es kaufen. Für dieses Jahr geht der Geschäftsführer von einem Jahresumsatz von einer Million Euro aus - Gewinn mache das Unternehmen noch nicht. 2010 belief sich der Umsatz auf 350.000 Euro. Aus den Fehlern der Vergangenheit habe man gelernt, gibt sich Behrens zuversichtlich.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © pixelio.de/Gerd Altmann

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare