SPD macht mit bei „Gipfel“ von Schwarz-Grün

Gerechtere Bildung

Wiesbaden - Die hessische SPD will die Agenda beim geplanten Bildungsgipfel von Schwarz-Grün mitbestimmen. „Wir wollen Bildungspolitik nicht als Gast der Regierung machen“, sagte der neue schulpolitische SPD-Sprecher Christoph Degen (34) in Wiesbaden.

Die SPD werde an dem Treffen teilnehmen. CDU und Grüne wollen bei dem Gipfel alle Akteure zusammenbringen, um die Linien der Schulpolitik gemeinsam festzulegen.

Herr Degen, womit soll sich die Enquetekommission zur Bildungspolitik beschäftigen?

Sie soll tragfähige Lösungen für die Schulen erarbeiten und das Gemeinsame in den Vordergrund stellen. Wir haben uns zwölf Ziele gesteckt. Wichtig ist, dass Bildungserfolg nicht mehr von Einkommen oder Bildungsstand der Eltern abhängen darf. Wenn wir Defizite feststellen, müssen wir schauen, wie wir sie beheben. Das muss keine Frage der Schulstruktur sein, da geht es auch um Schulsozialarbeit, um Ganztagsbeschulung.

Nun kommt sowohl der von Schwarz-Grün einberufene Bildungsgipfel wie die auf mehrere Jahre angelegte Enquetekommission. Ist das nicht eine Doppelung?

Beim Bildungsgipfel wissen wir noch nicht, was konkret passieren soll. Aber es ist eine Veranstaltung der Landesregierung, die nicht parlamentarisch verankert ist. Ich nehme unsere Enquete erstmal wichtiger, weil bei den Entscheidungen das ganze Parlament beteiligt werden muss.

Will die SPD trotzdem am Gipfel teilnehmen?

Wir nehmen teil. Die Frage ist aber, was herauskommt. Gerade die Frage der Bildungsgerechtigkeit muss auf den Tisch. Wenn das nur eine Schauveranstaltung wird, bei der die Landesregierung sagt: Die Schulen haben sich prächtig entwickelt, die brauchen nur Ruhe - dann wird das die Probleme nicht lösen.

Ruhe für die Schulen ist doch gut. Schwarz-Grün reformiert die gymnasiale Mittelstufe, die SPD will Schuleingang und -Ausgang flexibler machen. Warum wollen Politiker Schulen immerfort verändern?

Da fragen Sie den Falschen! Die SPD hat seit 1999 in Hessen keine Entscheidungen mehr zu verantworten gehabt. Es ist doch die Landesregierung, die Durcheinander veranstaltet: Erst überhastet rein in G8, dann wieder raus aus G8. Nun kommt eine sogenannte Wahlfreiheit, die maximal eine halbe ist.

Trotzdem will auch die SPD viel verändern. Worum geht es?

Wir wollen die individuelle Förderung stärken - gerade wegen des demografischen Wandels. Man wird in ländlichen Gebieten bald nicht mehr jeden Schulabschluss anbieten können. Ganztagsschulen sollen ausgebaut werden. Das gibt Verlässlichkeit für die Eltern. Aber wir müssen die Zeit auch pädagogisch nutzen. Bei Inklusion sind Hessen und ganz Deutschland nicht so weit, wie man sich das wünscht.

Das hessische Schulsystem rühmt sich seiner Vielfalt. Würden Sie die so beibehalten?

Mein Gefühl ist, dass viele Eltern die Vielfalt nicht mehr überschauen. Wir wollen aber keine Schulform abschaffen. 

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dpa

Quelle: op-online.de

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