Auf dem Weg zu gerechteren RMV-Preisen

Offenbach - Holger Greiner war sauer. Als der Sprecher der Regionalgruppe Rhein-Main des ökologisch orientierten Verkehrsclubs Deutschland (VCD) auf die Veränderungen beim  RMV-Fahrplanwechsel im Dezember reagierte, merkte man ihm die Enttäuschung an. Von Peter Schulte-Holtey

Am Preis-Leistungsverhältnis und an der „völlig verqueren Tarifstruktur“ im RMV-Wabensystem, das sich immer noch an überkommenen politischen Grenzen zwischen Kommunen und Kreisen orientiere, habe sich wieder einmal nicht viel verändert, so Greiners Resümee. Der große Wurf sei erneut ausgeblieben. Die große Tarifreform werde wieder einmal verschleppt. Doch er sah auch Vorteile. Vielleicht sei die Zurückhaltung beim RMV auch ein Hinweis darauf, dass vom Verbund alsbald „Liberalisierungen“ beim Tarifsystem zu erwarten seien, „die linien- und zeitabhängige Preise in Abhängigkeit von Streckennutzung und Tageszeiten mit sich bringen könnten“.

Beim RMV geht die Geschäftsführung offenbar gelassen mit dieser Kritik um. Das Motto: Das Problem der Ungerechtigkeiten bei den Tarifen ist erkannt; in Ruhe soll umgestaltet werden. Wichtigste Aufgabe: Überraschende Einnahmeausfälle sollen auf jeden Fall vermieden werden. Zuletzt freute man sich über gute Zahlen. Die Einnahmen stiegen von 682 Millionen Euro 2009 auf 746 Millionen Euro 2012. Dass Tarifreformen überfällig sind, wird von keinem Verkehrsexperten bezweifelt. Das bisherige System ist 18 Jahre alt und völlig undurchsichtig. Wer zum Beispiel vom Frankfurter Stadtrand aus zwei Stationen nach Offenbach fährt, zahlt für diese kurze Strecke 4,25 Euro, weil er in eine andere Tarifzone fährt. Wer von Bischofsheim zum Frankfurter Flughafen will, zahlt für die 19 Kilometer genauso viel wie jemand, der von Bad Soden am Taunus sechs Kilometer bis nach Kronberg fährt.

Derzeit entwickelt der RMV ein Verkehrskonzept plus Tarifreform für die nächsten zehn Jahre, das auf die Herausforderungen der Zukunft eingehen soll. Die erste Stufe in der Tarifstrukturreform war das neue Semesterticket, die zweite die Einführung der Clevercard.

RMV-Chef beantwortet Leserfragen 

Der Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrbundes (RMV) Knut Ringat beantwortet Fragen unserer Leser. Vor allem die Dreieichbahn und die Seniorenkarte beschäftigen die Menschen in der Region.

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Eine große Akzeptanz erhofft sich der RMV auch bei der Seniorenkarte. Die Jahreskarte 65plus wurde inzwischen von 700 Fahrgästen gekauft. Just an diesem Projekt hatte VCD-Sprecher Greiner besonders viel auszusetzen. Das vom RMV „gefeierte Seniorenticket“ sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung. „Sozial schwächer gestellte Senioren haben davon aber nichts“, rügte er. Die Rabattierung und die großzügigen Mitnahmeregelungen an Wochenenden und Feiertagen beträfen vorwiegend gutsituierte Besitzer von Jahresabonnements. Inhaber von Einzelfahrscheinen oder von Zeitkarten mit geringerer Nutzungsdauer könnten davon nicht profitieren, stellte der Verkehrsexperte fest.

Für den RMV ist die Seniorenkarte nur ein Baustein fürs neue System, das auch durch die sogenannten Stadtpreisstufen gerechter werden soll; damit wird versucht, Probleme der Tarifgrenzen auszuräumen. Einschneidende Veränderungen, zum Beispiel für die Strecke zwischen Offenbach und Frankfurt, sind aber erst zum Tarifwechsel 2014/2015 angepeilt.

Auch bei den Stationen verspricht der RMV Verbesserungen: 2013 soll unter anderem in Babenhausen mit dem Umbau begonnen werden. Durch den gemeinsam mit Land und Bahn vereinbarten Rahmenvertrag zur Stationserneuerung stehen insgesamt 290 Millionen Euro zur Verfügung – für 84 Umbauten, die insbesondere der Barrierefreiheit dienen sollen. An 65 weiteren Stationen wird es bald dynamische Anzeigetafeln für eventuelle Verspätungen geben. An 210 der insgesamt 384 Halteplätzen gibt es das bereits. Bald können umfangreichere Texte angezeigt werden. Weitere wichtige RMV-Reformprojekte für 2013: die Ausweitung des elektronischen Ticketings und die verbundweite Datendrehscheibe zur besseren Fahrgastinformation und Anschlusssicherung. Tipp eines RMV-Sprechers: „Jeder kann ja jetzt schon seinen individuellen Verbindungsfahrplan erstellen und sich gleich aufs Handy oder den PC schicken lassen. So hat man seine Abfahrtszeiten immer zur Hand.“ Aktualisierungen soll es auch geben.

Quelle: op-online.de

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