Gericht vor Zeitreise in wilde 70er

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Nach dem Anschlag auf die Wiener Opec-Konferenz wird ein Verletzter weggetragen. Drei Menschen kamen ums Leben.

Frankfurt - Fast 37 Jahre nach dem blutigen Anschlag auf die Wiener Opec-Konferenz wird ein Teil der Akte wieder geöffnet: Vor einem Frankfurter Gericht muss sich ab heute ein mutmaßliches früheres Mitglied verantworten.

Das Mitglied der links-militanten Revolutionären Zelle muss sich für das Attentat und andere Anschläge verantworten. Auch ihr Lebensgefährte steht wegen mehrerer Brand- und Bombenanschläge vor dem Landgericht.

Bei dem Anschlag in Wien waren 1975 drei Menschen ums Leben gekommen, die angeklagte Sonja Suder soll an der Vorbereitung beteiligt gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft wirft der heute 79-Jährigen deshalb dreifachen Mord und einen Mordversuch vor.

Mitverantwortlich für Tod der Opfer?

Sonja Suder.

Beim Überfall auf die Konferenz der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) in Wien waren zudem Dutzende Menschen als Geiseln genommen worden. Suder soll laut Staatsanwaltschaft neben mehreren Sprengstoffanschlägen mitverantwortlich sein für den Tod der Opfer. Sie soll im Vorfeld den Terroristen Hans-Joachim Klein rekrutiert haben, der später als Kronzeuge gegen sie aussagte.

Klein war 2001 wegen des Anschlags zu neun Jahren Haft verurteilt, zwei Jahre später auf Bewährung entlassen und 2009 begnadigt worden. Er hatte in seinem Prozess von der Kronzeugenregelung profitiert und vor geplanten Terroranschlägen auf hohe Repräsentanten der Juden in Deutschland gewarnt sowie Hinweise auf die mutmaßliche Mittäterin Suder gegeben. An dem Attentat war auch der zu lebenslanger Haft verurteilte venezolanische Terrorist „Carlos, der Schakal“ beteiligt. Die Geiselnahme ist mittlerweile verjährt, ebenso die Mitgliedschaft Suders in einer terroristischen Vereinigung.

Verhandlungsdauer von maximal drei Stunden am Tag

Christian Gauger

Der zweite Frankfurter Angeklagte, der 71 Jahre alte Christian Gauger, soll für Sprengstoffanschläge und eine Brandstiftung verantwortlich sein. Dabei geht es um Anschläge auf Fabriken in Nürnberg und dem pfälzischen Frankenthal ebenso wie auf das Heidelberger Schloss, bei denen zwischen 1975 und 1978 erheblicher Sachschaden entstand. Mit dem Opec-Attentat hat der schwer kranke Gauger laut Anklage nichts zu tun.

Gemeinsam mit Gauger war Suder im September vergangenen Jahres von Frankreich aus den deutschen Justizbehörden übergeben worden. Der gesundheitlich stärker beeinträchtigte Gauger kam zunächst in ein Gefängniskrankenhaus in Kassel und ist derzeit nicht inhaftiert, Suder wurde in Frankfurt in Untersuchungshaft gebracht. Sie ist damit laut Justizministerium die derzeit älteste Untersuchungsgefangene in Hessen.

Die Schwurgerichtskammer verhandelt wegen des Zustands Gaugers nur höchstens drei Stunden pro Tag. Der Prozess wird sich deshalb erheblich in die Länge ziehen - schon jetzt hat das Gericht 39 Fortsetzungstermine bis zum 26. März nächsten Jahres festgesetzt.

dpa

Quelle: op-online.de

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