Gesichter eines Stadtteils

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Die andere Seite der Medaille: Im Tagestreff „Weser 5“ suchen täglich bis zu 100 obdachlose Männer und Frauen Schutz vor dem Stress der Straße, vor Hunger, Hitze oder Kälte.

Frankfurt - (mic) Nein, es geht nicht nur um Rotlicht und Zwielicht bei der „Bahnhofsviertelnacht“.

Bei der zweiten „Bahnhofsviertelnacht“, die die Stadt Frankfurt am Donnerstag dieser Woche (20.) von 19 bis 23 Uhr Uhr rund um die mittlerweile 121 Jahre alte Bahnstation veranstaltet, soll in erster Linie die überraschende Vielgesichtigkeit des lediglich einen halben Quadratkilometer großen Areals im Rampenlicht stehen. Dabei öffnen 30 Einrichtungen, Firmen und Geschäfte ihre Türen für neugierige Blicke. Im vergangenen Jahr suchten mehr als 10000 Menschen den Hauch der Frankfurter Bohème. Die klassische Rotlicht-Abteilung, auf die sich das Interesse des braven Bürgers ebenfalls richten mag, wird allerdings nur von zwei Adressen vertreten: der „Pik Dame & Riz Bar“ und dem „Rough Diamond“.

Ein Potpourri aus verschiedenster Provenienz

Das andere Gesicht des Frankfurter Bahnhofsviertels: „Feinkost Schenck“ gibt es in der Münchener Straße   seit 1899. Hier verkauft Inhaber Hans Peter Schenck Gaumenfreuden in fester und flüssiger Form. Seine Familie betreibt seit 1540 Handel in der Mainstadt. 

Prächtige Gründerzeitfassaden, Leuchtreklame, Szenen, in denen Arm auf Reich trifft, Bilder von Gestrandeten und Erfolgreichen, von Integrierten und Isolierten aus aller Herren Länder - das sind Image und oft auch Realität im Frankfurter Bahnhofsviertel. Um einen Querschnitt an Eindrücken zu ermöglichen, komponierte die Stadt Frankfurt als Veranstalter ein Potpourri aus Adressen verschiedenster Provenienz. Wer sich einen Überblick verschaffen möchte, steuert als erstes den Hof der Karmeliterschule (Moselstraße 11) an. Stadtführer Christian Setzepfandt nimmt einen von dort aus um 18, 19, 20 und 21 Uhr mit auf eine Rundtour. Sie endet im „Rough Diamond“, zu dem einem bis 23 Uhr das Programmheft die Tore öffnet. Natürlich kann sich jeder auch seinen eigenen Weg durch die Nacht bahnen.

Das Programm der Bahnhofsviertelnacht sowie Anmeldemöglichkeiten gibt es auf der Internetseite der Stadt Frankfurt

Weitere Andockpunkte sind unter anderem das Hochbegabtenzentrum (Infos zum Thema), die Künstlerateliers von „Basis“, die Weißfrauen-Diakoniekirche (Nachtmahl, Musik, Vorträge), das Hochhaus Gallileo (Kunstführungen), das English Theatre (Blick hinter die Bühne), die Schuhmacherei Lenz, „Feinkost-Schenck“, die Merkez Moschee, das Tagestreff für Obdachlose oder die Loge zur Einigkeit. Wenn Hunger und Durst drohen, heißt es einbiegen in den Nachtmarkt in der Kaiserstraße. Für die meisten Führungen ist eine Anmeldung erforderlich.

Quelle: op-online.de

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