Kirchliche Sozialdienst hilft

Gestrandet im Terminal

+
Der Kirchliche Sozialdienst am Frankfurter Flughafen kümmert sich um Passagiere, die ihre Reise nicht fortsetzen können.

Frankfurt - „Wer jetzt an Weihnachten als Passagier am Frankfurter Flughafen strandet, muss lange warten. Das kann bis zu zehn Tage oder länger dauern.“ Bettina Janotta weiß, wovon sie spricht. Von Sonja Thelen

Denn die Sozialpädagogin leitet den Kirchlichen Sozialdienst für Passagiere (KSfP) am Airport - ein Angebot des Diakonischen Werkes Frankfurt. Für diese Menschen sind Bettina Janotta und ihr Team während dieser Zeit die wichtigsten Ansprechpartner. Der Kirchliche Sozialdienst befindet sich im Terminal 1 in der Halle B - außerdem gibt es den von 15 Ehrenamtlichen betreuten Schalter 700.1 in Terminal 1. In dem unübersichtlichen Wirrwarr der riesigen Hallen zeigen beigebraune Hinweisschilder den Weg zu den Kirchlichen Diensten. Es geht eine Treppe hoch. Dann landet der Besucher in einem Zwischengeschoss, das zugleich den Eingang zu einem mehrstöckigen Bürogebäude inmitten des Terminals darstellt.

In Nachbarschaft zu christlichen Kapellen, einem islamischen Gebetsraum und einer Synagoge befindet sich das Auffangbecken für gestrandete Passagiere. In den weit verzweigten Fluren nutzt der Sozialdienst drei Büros und einen Ruhe- und Aufenthaltsraum für die Hilfesuchenden. „Ich vermisse hier manchmal etwas das Tageslicht und die frische Luft“, gesteht Leiterin Janotta. Doch die Bedeutung ihrer Aufgabe, die Hilfe, die sie den in Not Geratenen mit ihren Kolleginnen Annette Fitschen und Isabelle Haas bietet, die Begegnungen mit den Menschen aus aller Herren Länder gleichen diese Nachteile bei Weitem aus. „Wir sind für Einzelschicksale zuständig“, betont Janotta. Also nicht für die Fluggäste, die von Streiks betroffen sind oder wegen Handicaps von „Fraport Guest“ betreut und zu den Gates begleitet werden.

In eine Notlage geraten

Der Kirchliche Sozialdienst ist für die Menschen da, die am Frankfurter Flughafen aus verschiedensten Gründen in eine Notlage geraten sind und nun Hilfe und Unterstützung benötigen. Das sind Fluggäste, die Probleme mit dem Ticket, Pass oder Visum haben, oder durch Diebstahl, den Kauf eines neuen Tickets oder Umbuchungsgebühren in einen finanziellen Engpass geraten sind. Oder Menschen, die einfach überfordert, orientierungslos und am Flughafen obdachlos sind und Hilfe brauchen. Um gut 1200 gestrandete Passagiere kümmert sich die kirchliche Anlaufstelle im Jahr. Dem einen kann binnen zwei Stunden geholfen werden, bei einem anderen kann es bis zu zwei Wochen dauern.

Lieselotte Wendl hat dazu das Buch „Gestrandet, heimgekehrt und obdachlos“ (CoCon-Verlag, Foto oben rechts) veröffentlicht.

Aber hinter jedem Einzelnen steckt eine ganz persönliche Geschichte. Und wenn Bettina Janotta anfängt darüber zu reden, ist sie kaum zu bremsen. Mit Anteilnahme, Warmherzigkeit und viel Humor erzählt sie von teilweise unglaublichen Begebenheiten, naiven und durchaus dusseligen Passagieren aber auch herzergreifenden Schicksalen. „Für uns ist das aber unerheblich, warum jemand in diese Situation hineingeschlittert ist. Wir helfen jedem.“ So wie der jungen Afrikanerin, die in Chicago studiert und zu einem Kongress nach Zürich eingeladen wurde. Auf dem Hinflug klappte alles reibungslos. Doch auf dem Rückflug, beim Umsteigen in Frankfurt fiel den Bundespolizisten auf, dass ihr das richtige Visum für die Einreise aus Deutschland in die USA fehlte. Die Chicagoer Uni hatte ihr zwar ein Dokument ausgestellt, aber das reichte nicht aus. Also musste sie zwei Tage in Frankfurt ausharren, bis ihr das US-Generalkonsulat ein vorläufiges Visum ausgestellt hatte. Sie hatte ein günstiges Hotelzimmer im Bahnhofsviertel gefunden, hielt sich tagsüber beim KSfP auf und half ein wenig bei der Büroarbeit.

Jahresrückblick 2014 in Hessen: Von A bis Z

Jahresrückblick 2014 in Hessen: Von A bis Z

„Ein Klassiker ist bei uns, wenn jemand aus einem Schengen-Staat einreist, selbst aber kein EU-Bürger ist, und dann über Deutschland in einen Nicht-Schengen-Staat ausreisen will. Immer wieder gibt es dann Probleme mit dem Visum. Oft dauert das so lange, dass der Anschlussflug weg ist. Dann ist der Passagier bei uns gestrandet“, erklärt die Sozialpädagogin. Der Sozialdienst klärt dann die Situation, stellt Kontakt zu den Behörden und Konsulaten für Ersatzpapiere her, lässt die Fluggäste telefonieren und informiert, wie sie sich Geld anweisen lassen können. Denn irgendwie müssen sie ja das neue Ticket bezahlen.

Meist sind das Menschen, die kaum Rücklagen haben. Etwa Arbeitskräfte aus Süd- und Mittelamerika, die in Spanien arbeiten und sich frühzeitig ein günstiges Ticket für den Flug in die Heimat gekauft haben. „Aber die Kosten für ein Flugticket übernehmen wir nicht“, betont die Leiterin: „Wir bieten Hilfe zur Selbsthilfe.“ Eventuell tritt der Sozialdienst mit dem Sozialamt in Vorlage, versorgt die Klienten mit Verpflegung, Kleidung und gibt ihnen die Möglichkeit zu duschen und sich auszuruhen.

Quelle: op-online.de

Kommentare