Gestresst nach Übersee

Frankfurt/Rhein-Main - Die Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre (G8) hat es Schülern deutlich schwerer gemacht, ein Jahr ins Ausland zu gehen. „Gestresst nach Übersee“ - das kommt für einige Eltern und Schüler nicht mehr in Frage. Von Peter Schulte-Holtey

Es ist komplizierter geworden, weil die Durchführungsbestimmungen der einzelnen Bundesländer für die Anerkennung von Auslandsaufenthalten völlig unterschiedlich sind“, bestätigt der Leiter der Geschäftsstelle des Deutschen Fachverbands High School, Claus Kunze: „Manche Schulen raten dann auch noch, weil es so kompliziert geworden ist, den Auslandsaufenthalt besser auf die Zeit nach dem Abitur zu verschieben.“

So weit will Schulleiter Jürgen Hegener vom Mühlheimer Friedrich-Ebert-Gymnasium bei seiner Einschätzung der neuen Situation nicht gehen. Aber auch er rechnet damit, dass die Anzahl der Schüler, die ins Ausland gehen, schrumpft. „Vielleicht wird man auch den Auslandsaufenthalt auf ein halbes Jahr eingrenzen - sinnvollerweise auf das zweite Halbjahr“, spekuliert er: „Ich sehe eigentlich kein erhöhtes Risiko, was die Kompensation des Stoffes anbetrifft, denn am Ende der Jahrgangsstufe 9 sollen die G-8-Schüler ja das gleiche Wissen haben wie die G-9-Schüler am Ende der Jahrgangsstufe 10. Die wichtigste Änderung ist die, dass ein Jugendlicher mit gegebenenfalls noch nicht 16 Jahren ein ganzes oder ein halbes Jahr ins Ausland geht - in ein fremdes Land, zu unbekannten Menschen ...“ Hegener will auf jeden Fall weiter für einen Auslandsaufenthalt werben, denn häufig seien es die leistungsstarken Schülerinnen und Schüler, die den Schritt wagen - „und die haben immer davon profitiert“.

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Womit Schüler nach der Rückkehr rechnen können

Nach Angaben von Sabine Schaetzke, Studienleiterin an der Hohen Landesschule in Hanau, wollen einige Schüler nur im ersten Halbjahr der Einführungsphase ins Ausland gehen, da das zweite Schulhalbjahr in der Einführungsphase für sie von Bedeutung ist. „Sie erhalten erst am Ende der Einführungsphase den Mittleren Abschluss“, berichtet sie. Die „Hola“ ist die erste Schule im Main-Kinzig-Kreis, die den Doppeljahrgang G8/G9 in der Oberstufe unterrichtet. Derzeit sind zehn Schüler in Neuseeland, Kanada, USA, Australien und Frankreich.

Pessimistisch ist Stefanie Schäfer, Elternbeiratsvorsitzende an der Weibelfeldschule in Dreieich. „Viele Eltern sehen keine Chance mehr auf einen Auslandsaufenthalt, da durch G8 zu viel Stoff in kurze Lernzeiten gepresst wird“, sagte sie, erntete aber umgehend Widerspruch bei Nicolas Wolz, Sprecher des Kultusministeriums in Wiesbaden: „Von einem Rückgang der Interessentenzahlen ist uns nichts bekannt.“ Nach der neuen hessischen Oberstufen- und Abiturverordnung seien die Möglichkeiten im Vergleich zu anderen Bundesländern sogar noch erweitert worden. In der Verordnung werde ausdrücklich gefordert, dass „der Schulbesuch im Ausland zu fördern ist und die Schülerinnen und Schüler ohne zeitlichen Verlust ihre Schullaufbahn nach ihrer Rückkehr fortsetzen können“. Die Entscheidung, ob unter Umständen zusätzlich ein Test erfolgen soll, trifft nach Angaben von Wolz die Leitung der Schule; im Überprüfungsverfahren werde dann festgestellt, ob der Schüler in der gymnasialen Oberstufe erfolgreich mitarbeiten könne.

Quelle: op-online.de

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