Gesucht: Die Super-Retter

Frankfurt ‐ Nur 30 Minuten Zeit haben sie zum Retten. Holzstämme stecken in der Windschutzscheibe. Der Fahrer reagiert nicht, als die Feuerwehrmänner ihn ansprechen. Neben ihm sitzt eine Frau, auch sie regt sich nicht. Von Kathrin Rosendorff

Die Feuerwehrmänner aus Mönchengladbach in ihren schwarz-gelben Uniformen holen den „Spreizer“, um die Hintertür aufzuschneiden und die Verletzten von hinten aus dem Auto zu befreien. Die Zeittafel im Hintergrund blinkt, die Schiedsrichter kritzeln fleißig in ihre Blöcke – und die Zuschauer auf der Tribüne jubeln den Feuerwehrmännern zu.

Denn dies ist alles nur eine Übung. Seit gestern kämpfen 30 Teams aus 15 Nationen in Frankfurt-Eckenheim auf der Feuerwache 1 um den Titel des „Welt-Super-Retters“. Zum ersten Mal richtet die Feuerwehr Frankfurt die dreitägige Weltmeisterschaft in der Verkehrsunfallrettung aus. „Da wir so mit der Organisation beschäftigt sind und ja auch noch bei echten Notfällen Einsatzkräfte brauchen, nehmen wir selbst nicht an der Weltmeisterschaft teil“, erzählt Nikolaus Meier, Pressesprecher der Feuerwehr Frankfurt. „Wir wollen zeigen, dass Feuerwehrmänner viel mehr können müssen als nur Feuer zu löschen“, betont dann auch Reinhard Ries, Branddirektionsdirektor.

Dieser nachgestellte Unfall ist eine Teil-Aufgabe, die die Feuerwehrmänner bei der Weltmeisterschaft in der Verkehrsunfallrettung lösen mussten. Drei Tage lang dauert die WM, die noch bis Samstag geht und öffentlich ist. Dabei geht es nicht nur um Technik, sondern auch um Team-Kommunikation und Erstversorgung.

Das ist bei den modernen Autos mit „Airbags in allen Winkeln“ gar nicht so einfach, erklärt Hans-Jürgen Kohnert, Sprecher der Feuerwehr Frankfurt. „Die Autos werden immer stabiler, das bedeutet einerseits für die Fahrer eine größere Sicherheit. Für die Einsatzkräfte ist es aber immer schwieriger, die Menschen zu befreien.“ Unter den 200 Feuerwehrmännern aus Australien über Südafrika bis Spanien ist auch eine Gruppe aus Ghana. Frank Amokado und seine Kumpels J.K. Abremkwah und Felix Akpaloo laufen aufgeregt übers Übungsgelände. „Wir sind hier, um zu sehen, welche Technik die anderen Feuerwehrmänner anwenden. Und wir freuen uns sehr, wenn wir neue Dinge dazulernen können“, sagt Frank Amokado und strahlt.

Er mag die netten Deutschen, denen er schon in der Stadt begegnet sei. Einer seiner Kumpels hält stolz die ghanesische Nationalflagge in der Hand. Fast hätten sie nicht kommen können, weil ihre Schutzkleidung nicht den Anforderungen entsprach und Geld für eine neue hatten sie auch nicht. Aber als sie bei der Frankfurter Feuerwehr um Hilfe baten, zögerte diese nicht lange und lieh ihnen einfach die Schutzkleidung.

Wie kriege ich das Opfer aus dem Auto raus? Die Feuerwehrmänner kämpfen normalerweise um Leben, heute nur um Punkte.

Sarah Velten (19) hält eine heiße Tasse Kaffee in der Hand. Die drei „Übungsstationen“ befinden sich draußen im Kalten, aber sie will trotzdem so viel wie möglich mitkriegen. Die angehende Rettungsassistentin aus Florstadt ist „total faziniert“ zu beobachten, wie die Feuerwehrmänner die Unfallopfer aus den Autos retten: „Sie sind für mich Vorbilder, und gleichzeitig ist es total beruhigend für mich zu sehen, dass das alles auch wirklich funktioniert.

Zuschauer sind bei der Weltmeisterschaft, die noch bis 24.10.2009 läuft, willkommen. Die Wettkämpfe finden täglich von 8 bis 18 Uhr in der Feuerwache 1, Feuerwehrstraße 1, Frankfurt statt.

Übers Gelände läuft auch Jens Rademacher, Schiedsrichter in Ausbildung und erklärt, dass die Technik allein nicht reicht, um Weltmeister-Punkte zu sammeln. „Wir achten genau darauf, dass die Rettungskräfte erst schauen, wie es dem Patienten geht“, so Rademacher. Dabei gibt es gleich Punktabzug, wenn die Verletzten nicht von vorne angesprochen werden. „Die Patienten dürfen nämlich auf gar keinen Fall ihren Kopf drehen“, betont Rademacher. Die „Opfer“ mimen Notärzte und Schiedsrichter.

Ein paar Meter weiter stehen die bisherigen zweifachen Weltmeister. Auch die Engländer aus Hampshire sind nervös. „Klar, wollen wir Weltmeister bleiben. Aber die Konkurrenz ist diesmal schon ziemlich hart“, sagt Jim Hutchen (36) vom Hampshire-Team. „Aber am Ende geht es ja schließlich darum, in der Realität Leben zu rettten.

Quelle: op-online.de

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