Gewappnet im Fall des Falles

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Auf diesem Gelände entsteht eine 20 Meter hohe Trainingshalle für die Frankfurter Feuerwehr. Foto: Zöllner

Frankfurt - Die Frankfurter Feuerwehr hat sich die längste Zeit in Abbruchgebäuden auf den Ernstfall vorbereitet. Von Ingrid Zöllner

Denn die Stadt errichtet auf dem Gelände hinter der Hauptfeuerwache im Stadtteil Eckenheim für 19,6 Millionen Euro ein sogenanntes Feuerwehr- und Rettungstrainingscentrum (FRTC). Dort können die Brandbekämpfer viel detaillierter unterschiedliche Gefahrensituationen trainieren. Die Bauarbeiten haben im Juni begonnen; im November nächsten Jahres soll das bundesweit einzigartige FRTC fertig sein.

„Wir haben uns bei den Planungen Ideen aus dem Ausland geholt, wo es so etwas Ähnliches schon gibt“, sagt Jens Stiegel, Leiter der Rettungsakademie Frankfurt. Ob USA, Schweden, Schweiz oder Niederlande – aus jedem Land floss etwas in die Umsetzung ein. „Viele Details haben wir uns aus New York abgeschaut. Die haben bei sich nach dem 11. September noch einmal aufgerüstet“, erklärt Stiegel. Zwar habe es von der Planung bis zur Umsetzung rund zehn Jahre gedauert: „Aber so konnten wir auch Fehler vermeiden, die bei anderen Anlagen aufgetreten sind“, sagt Stiegel.

Im FRTC können die Retter verschiedene Gefahrensituationen üben.

Das FRTC, in dem die rund 1300 Feuerwehrleute von Frankfurt aus- und fortgebildet werden, entsteht auf 15.000 Quadratmetern. In einer 23 Meter hohen Halle wird eine Straße mit mehreren Nachbildungen von typischen Frankfurter Häusern entstehen. „Dabei handelt es sich in der Regel um vier- bis sechsgeschossige Gebäude“, sagt Stiegel. Der Clou: Die Stahlblechwände in den Gebäuden mit 13 Brandräumen sind verschiebbar, bei einem ist die Neigung des Dachwinkels veränderbar. „Das hat den Vorteil, dass immer neue Situationen inszeniert werden können und die Feuerwehrleute das Gebäude eben nicht nach einer Zeit auswendig kennen.“

Situationen sollen so real wie möglich sein

Ein weiterer Punkt sind die beweglichen Brandmodule, die zum Beispiel in ein Sofa eingebaut werden können und es zum Brennen bringen. „Die Situationen sollen so real wie möglich sein“, sagt Feuerwehr-Pressesprecher Markus Röck. Heutzutage seien die Häuser so isoliert, dass sich bei einem Brand im Gebäude Rauchgas bildet, das zündet, sobald es wieder mit Sauerstoff in Verbindung kommt. Für die Helfer könnte dies bedeuten, dass es zu einer Explosion kommt, wenn sie eine Tür öffnen. „Es brennt weniger, aber es ist gefährlicher“, meint Röck.

Die Brandbekämpfung ist aber nur ein Punkt. Das Absichern von Straßen, die Bergung von Personen aus großen vernebelten Räumen und die Höhenrettung gehören ebenfalls dazu. Auf dem Areal wird zudem eine U-Bahn-Station mit Bahnsteig und Gleisen nachgestellt, dahinter ein Kesselwagen mit einer Oberleitungsanlage. Und auf einer schiefen Ebene können Unfälle wie beispielsweise an Böschungen bei Autobahnen simuliert werden. In einer weiteren Halle befinden sich Container, in denen sich die Brandbekämpfer an die Hitze von Feuer gewöhnen. „Die Halle ist zur Filterung der Luft da“, erklärt Röck. Sonst würden Ruß und Dreck ständig in den Frankfurter Himmel steigen. Neu in Deutschland wird auch der Einsatzfahrzeugsimulator sein. In diesem trainieren die Helfer unter anderem gefährliche Situationen im Einsatz - zum Beispiel auf Straßenkreuzungen. „So etwas hat sonst nur noch die Polizei“, weiß Stiegel.

Quelle: op-online.de

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