Warnstreiks in Frankfurt

IG-Metall hält den Druck aufrecht

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Frankfurt - Die Warnstreiks der IG-Metall in Hessen gehen weiter. Die Gewerkschaft fordert 5,5 Prozent mehr Geld.

Bei den Tarifverhandlungen für die rund 3,7 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie beginnen die entscheidenden Wochen. Seit dem 1. Mai wehen bundesweit bei Warnstreiks die roten Fahnen vor den Betriebstoren, die IG Metall will mit begrenzten Ausständen tausender Beschäftigter den Druck erhöhen. "Wir haben noch 14 Tage Zeit, um zu einem Ergebnis in Tarifverhandlungen ohne Urabstimmung zu kommen", sagt der Stuttgarter Bezirksleiter Jörg Hofmann. Bis Pfingsten müsse man einen entscheidenden Schritt weiterkommen.

Noch ist aber vieles offen. Auch die Frage, in welchem der acht Tarifbezirke die Tarifparteien versuchen werden, zu einem Abschluss zu kommen. Entscheiden wird sich dies voraussichtlich nach den jeweils dritten Verhandlungsrunden am Dienstag in Böblingen für Baden-Württemberg und am Mittwoch in Nürnberg für Bayern.

Dauerfavorit Baden-Württemberg

Der Dauerfavorit Baden-Württemberg steht mit dem erfahrenen Hofmann an der Spitze wie immer als Pilotbezirk bereit. Immerhin wurden rund um Stuttgart in diesem Jahrtausend fünf von acht Abschlüssen für die deutsche Schlüsselindustrie gezimmert. Die Kanäle zwischen den Parteien funktionieren auch in vermeintlich festgefahrenen Situationen gut.

Die übrigen drei Abschlüsse seit dem Jahr 2000 wurden in Nordrhein-Westfalen erreicht. Mit dem Weggang von Oliver Burkhard zu Thyssen-Krupp hat Knut Giessler die IG Metall-Bezirksleitung übernommen und bereits den schwierigen Stahlabschluss gemeistert. In der Gewerkschaft wird aber nicht damit gerechnet, dass an Rhein und Ruhr auch noch der Konflikt bei Metall und Elektro gelöst wird.

Arbeitgeber bieten Erhöhung um 2,3 Prozent

Dieses Mal hat aber auch das wirtschaftsstarke Bayern gute Chancen, Pilotbezirk zu werden. Hier wurde letztmals 1995 nach einem harten Streik ein Abschluss unterschrieben. 2013 spricht aus Sicht der Gewerkschaft die starke wirtschaftliche Entwicklung etwa bei BMW für einen Abschluss im Freistaat. Zumindest im Grundsatz sind sich IG Metall und Arbeitgeber einig, dass für eine größere Flexibilität in den Verhandlungen ein dritter abschlussfähiger Tarifbezirk sinnvoll wäre. "Wir in Bayern sind grundsätzlich dazu bereit", sagt die Verhandlungsführerin der bayrischen Arbeitgeber, Angelique Renkhoff-Mücke.

Die Positionen liegen in der reinen Entgeltrunde noch recht weit auseinander. Während die IG Metall 5,5 Prozent für 12 Monate mehr fordert, bieten die Arbeitgeber eine Erhöhung um 2,3 Prozent bei 13 Monaten Laufzeit. Der Mai und der Juni sollen dabei Nullmonate sein. Die IG Metall rechnet vor, angesichts der längeren Laufzeit und der Nullmonate bringe das Angebot der Gegenseite gerade einmal 1,9 Prozent mehr Geld. Damit werde lediglich die Preissteigerung ausgeglichen.

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Ein Streik scheint aber noch weit entfernt, auch weil der neue Gesamtmetallpräsident Rainer Dulger bislang nahezu sanfte Töne bevorzugt hat. Auch IG-Metall-Chef Berthold Huber hat abgeklärt seine Bereitschaft signalisiert, an den denkbaren Stellschrauben wie etwa der Laufzeit zu drehen.

In den beiden südlichen Bundesländern diktiert auch der Ferienkalender das weitere Fortkommen: Mit den zweiwöchigen Pfingstferien ab dem 18. Mai geht ein großer Teil der Belegschaften in den Urlaub. Bis zum Schulbeginn am 3. Juni scheint daher zumindest ein Streik unwahrscheinlich und auch eine Urabstimmung wäre schwierig durchzuführen. Hofmann will im Südwesten daher noch in der Woche vor Pfingsten den Durchbruch schaffen.

dpa

Quelle: op-online.de

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