Grüne suchen Hilfe bei EU gegen Hessen-Forst

„Gewinn ist wichtiger als der Wald“

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Wiesbaden - Der Europa-Abgeordnete der Grünen, Martin Häusling (Bad Zwesten), wirft der Landesregierung vor, massiv Regeln zum Schutz von FFH-Gebieten (Fauna-Flora-Habitat) zu verletzen. Von Petra Wettlaufer-Pohl

Abgesehen vom Wert der alten Bäume für das ökologische Gleichgewicht schlage der Landesbetrieb Hessen-Forst offensichtlich weit mehr alte wertvolle Buchenbestände in FFH-Gebieten ein als Bäume nachwüchsen, so Häusling.

Für Hessen-Forst zähle offenkundig nur „die kurzfristige Gewinnmaximierung“, stellte der Politiker fest. Der Europa-Abgeordnete sucht nun Hilfe bei der EU: Aufgrund eines Gutachtens der Umweltexperten Markus Schönmüller und Norbert Panek - Letzterer gründete 1990 die Initiative „Pro Nationalpark Kellerwald“ - legte Häusling jetzt Beschwerde bei EU-Umwelt-Kommissar Janez Potocnik ein. Dort werde nun geprüft, ob stellvertretend für Hessen ein Verfahren gegen die Bundesrepublik eingeleitet werden müsse, so Häusling in Wiesbaden.

Das Gutachten, das speziell Verstöße am Beispiel des FFH-Gebietes „Hoher Keller“ südlich des Nationalparks beschreibt, zeige, dass mindestens im Landkreis Waldeck-Frankenberg Holzvorräte extrem abgebaut würden. Es sei unerträglich, so der Grüne, dass im Umfeld des als Weltnaturerbe anerkannten Nationalparks Kellerwald jegliche ökologische Vorsorge unterbleibe. Die Charakteristik der alten Buchenwälder gehe verloren.

Konkret werfen er und die forstpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, Martina Feldmayer, dem Land vor, dass durch den Einschlag gegen das Verschlechterungsverbot verstoßen werde. Das heißt, dass der bei der Umwidmung eines Gebietes zum FFH-Gebiet vorgefundene ökologische Zustand sich nicht verschlechtern darf.

Verstöße am Hohen Keller kein Einzelfall

Laut Gutachten sind die Verstöße am Hohen Keller kein Einzelfall. Vielmehr sei der zerstörerische Umgang mit FFH-Waldgebieten in Hessen „gängige Praxis“. Die Experten nennen unter anderem auch die Sackpfeife (Biedenkopf), das Dalwigker Holz (Korbach), den Reliktwald Lampertheim (Bergstraße) und den Galgenberg bei Diedenbergen (Main-Taunus) als Negativ-Beispiele für den Umgang mit FFH-Gebieten.

Feldmayer kritisierte zudem, dass das Land konkrete Auskünfte über Zustand und Standort der alten wertvollen Buchenbestände verweigere und die Daten als Betriebsgeheimnis von Hessen-Forst deklariere. Die Umweltorganisation Greenpeace habe deshalb auf Herausgabe der Informationen nach dem Umweltinformationsgesetz geklagt.

Das Forstministerium weist den Vorwurf, den Naturschutz zu missachten, zurück. In Hessen habe sich der Anteil der Buchenflächen erhöht. Auch wenn alte Bäume geerntet würden, wüchsen großflächig ständig jüngere Bäume nach, so ein Sprecher. Im FFH-Gebiet sei die forstwirtschaftliche Nutzung keineswegs ausgeschlossen, sie trage sogar zur Stabilisierung und dem Erhalt der Areale bei: „Das kann man nicht an einem Baum festmachen, sondern an der gesamten Waldentwicklung“, sagte ein Sprecher.

Wertverluste an einzelnen Stellen würden an anderen kompensiert. Auch in dem kritisierten Gebiet würden alle naturschutzrechtlichen Vorgaben beachtet. Eine Stellungnahme zu dem erst in diesen Tagen vorgelegten Gutachten könne man derzeit noch nicht abgeben, hieß es.

Quelle: op-online.de

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