Denklabor für Naturwissenschaftler

Frankfurt - Wenn die öffentliche Hand etwas in Angriff nimmt, dann mit dem Tempo einer Schnecke. So lautet ein beliebtes Vorurteil, das beim Termin auf dem Frankfurter Riedberg auch noch bestätigt wird. Von Christian Riethmüller 

Seit drei Jahren wird dort an einer Kita gewerkelt, doch mehr als der Rohbau steht nicht. Carlo Giersch hat den Blick der Journalisten auf diese Baustelle gelenkt, ganz so, als wolle er nochmals unterstreichen, dass es keineswegs verkehrt ist, wenn er sich mit seiner Stiftung als Bauherr eines Wissenschaftszentrums in unmittelbarer Nachbarschaft der Kita engagiert.

Das Giersch Science Center (GSC) auf dem Campus Riedberg der Goethe-Universität ist nämlich in nur neun Monaten hochgezogen worden, und die prognostizierten Baukosten von sieben Millionen Euro habe man auch genau eingehalten, berichtet Giersch, der gemeinsam mit seiner Frau Karin zu den bedeutendsten Stiftern und Mäzenen in der Rhein-Main-Region gehört. „Die Uni hätte den Bau europaweit ausschreiben müssen“, sagt Giersch, während eine Stiftung an viel weniger Auflagen gebunden sei als eine Hochschule oder auch das Land Hessen, das für die nächsten Jahre als Mieter des Wissenschaftszentrums auftritt. Diese Form privat-öffentlicher Partnerschaft hat auch Kritiker auf den Plan gerufen, doch fließen die Mieteinnahmen nicht in Gierschs Tasche, sondern finanzieren die Stipendien der neuen Giersch Graduierten-Schule. Mehr als ein Dutzend Nachwuchs-Wissenschaftler sollen so in den Genuss monatlicher Unterstützung in Höhe von 1300 Euro kommen.

Mancher dieser jungen Forscher wird dann auch am gestern offiziell eröffneten GSC arbeiten. Die Gebäude sind fortan Heimat für bis zu 250 Wissenschaftler des Helmholtz International Center for Facility for Antiproton and Ion Research (HIC for FAIR), die bisher auf verschiedene Standorte in Hessen verteilt waren. Auf 10.000 Quadratmetern Gebäudefläche stehen den Forschern dann etwa 200 Büros und mehrere Seminarräume zur Verfügung.

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Am HIC for FAIR arbeiten Wissenschaftler der Universitäten Frankfurt, Darmstadt und Gießen, des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung sowie des Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) gemeinsam daran, neue Einblicke in die Struktur der Materie und die Evolution des Universums zu gewinnen. Außerdem wollen sie neue medizinische Anwendungen im Bereich der Tumortherapie entwickeln. Diese Forschungen werden durch den Bau eines neuen Teilchenbeschleunigers (FAIR) bei Darmstadt ermöglicht. Mit einem Volumen von 1,6 Milliarden Euro ist dies europaweit das größte Projekt der physikalischen Grundlagenforschung in diesem Jahrzehnt.

Quelle: op-online.de

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