Autobahn freigegeben

Abseil-Aktion in Gießen: Polizei will Aktivisten für A485-Einsatz bezahlen lassen

Ein Schnappschuss zeigt, wie gefährlich Abseil-Aktionen über Autobahnen sein können: Die A485 in Gießen vor der Vollsperrung.
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Ein Schnappschuss zeigt, wie gefährlich Abseil-Aktionen über Autobahnen sein können: Die A485 in Gießen vor der Vollsperrung.

Ein Polizeieinsatz hat in Gießen für große Aufregung gesorgt: Protestler seilten sich von einer Brücke der A485 ab. Das soll nun Konsequenzen für sie haben.

  • Polizeieinsatz an der A485 in Gießen: Am Freitagmorgen (27.11.2020) hängen Aktivisten von einer Autobahn-Brücke.
  • Wegen der Abseil-Aktion wird die A485 bei Gießen stundenlang gesperrt.
  • Erst Mittags gelingt es den Höhenrettern der Polizei, die A49-Gegner herunterzuholen.

+++ 16.47 Uhr: Die Abseil-Aktion über der A485 in Gießen soll nun Konsequenzen für die festgenommenen Aktivisten haben – rechtliche, wie auch finanzielle. Den beiden Männer und der Frau, die sich von der Autobahn-Brücke heruntergelassen haben, wird Nötigung vorgeworfen. Außerdem besteht laut Polizei der Verdacht des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. In beiden Fällen laufen Ermittlungen. Einer der Protestler ist wieder auf freiem Fuß, die anderen beiden bleiben in Gewahrsam, bis ihre Personalien feststehen. Die drei Unterstützer, die die Polizei gefasst hatte, sind allesamt wieder frei. Gegen die beiden Männer und die Frau wurde ein Verfahren wegen der Beihilfe zur Nötigung eingeleitet. Ursprünglich war von vier Helfern die Rede gewesen. Die Polizei prüft außerdem, ob sie den Aktivisten die Kosten für den Einsatz an der A485 in Rechnung stellen kann.

A485 in Gießen: Höhenrettung nach Abseil-Aktion erfolgreich – Aktivisten festgenommen

+++ 13.27 Uhr: Autofahrer in und um Gießen herum dürfen aufatmen. Die Polizei hat die Vollsperrung auf der A485 aufgehoben und die Straße in beide Fahrtrichtungen freigegeben. Spezialkräfte hätten vor wenigen Minuten die drei Aktivisten, die sich heute Morgen an Brücke Rödgener Straße über die Autobahn abgeseilt hatten, „sicher zu Boden gebracht“, hieß es. Die drei Umweltschützer wurden festgenommen, vier ihrer Helfer hatte die Polizei bereits vor mehreren Stunden in Gewahrsam genommen.. Die Ermittlungen dauern an, die Behörden wollen sich im Laufe des Tages äußern.

A485-Vollsperrung in Gießen: Aktivisten hängen nach Abseil-Aktion von Brücke – Höhenretter unterwegs

+++ 11.49 Uhr: Der Polizeieinsatz an der A485 in Gießen und die einhergehende Vollsperrung der Autobahn ziehen sich hin. Die speziell ausgebildeten Höhenretter der Polizei sind auf dem Weg, um die drei Aktivisten, die noch immer an der Autobahnbrücke hängen, herunterzuholen, wie ein Polizeisprecher erklärte. Wann es wieder heißt „Freie Fahrt!“, ist noch unklar. Immerhin: Folgeunfälle zogen die Abseil-Aktionen bislang nicht nach sich – im Oktober war das anders gewesen. Auch damals hatten A49-Gegner sich von mehreren Autobahnbrücken in Hessen heruntergelassen. Erst vergangene Woche scheiterten die Aktivisten mit dem Antrag, eine Abseil-Aktion an der A5 offiziell als öffentliche Veranstaltung stattfinden zu lassen.

Die Polizei Gießen hat Auffangkissen auf der Fahrbahn der A485 platziert. Aktivisten haben sich von einer Autobahn-Brücke abgeseilt.

Sie fordern einen grundlegenden Wandel der Verkehrspolitik. „Wir wollen das nicht weiter hinnehmen. Für uns ist das Auto ein Mordsystem“, heißt es in einer Stellungnahme zu der Aktion in Gießen. Etliche der heute Beteiligten hätten Wochen und Monate in den Wäldern gelebt, die jetzt für den Bau der A49 gerodet würden. „Durch die Räumungen sind wir dort vertrieben worden – jetzt kämpfen wir überall für die Verkehrswende“, schreiben die Aktivisten. Gießen wählten sie dabei nicht zufällig aus. Die Stadt sei ein „abschreckendes Beispiel einer Vergangenheit, die auf das Auto setzte und die Bahn abbaute – und für eine viel zu zögerliche Politik, das endlich zu ändern.“

Abseil-Aktion an der A485 in Gießen: Koordinierte Aktion der A49-Gegner

+++ 10.32 Uhr: Die Polizei in Gießen hat die ersten Informationen über die Abseil-Aktion an der A485 bestätigt. Demnach haben sich drei Aktivisten von der Autobahnbrücke Rödgener Straße abgeseilt, zwei Richtung Norden, einer Richtung Süden. Die Polizei hat vier mutmaßliche Unterstützer festgenommen. Aktuelle Fotos zeigen, dass große Auffangkissen auf der Fahrbahn aufgebaut wurden, die in beide Richtungen vollgesperrt ist. Der Verkehr staut sich rundherum, die Einschränkungen sind erheblich. Es handelt sich offenbar um eine weiträumig koordinierte Aktion: Auch über der A7 bei Kassel haben sich Protestler abgeseilt.

Vollsperrung bei Gießen: Aktivisten seilen sich von A485-Brücke ab

Erstmeldung vom Freitag, 27.11.2020, 09.33 Uhr: Gießen – An einer Autobahn-Brücke auf dem Gießener Ring haben sich Aktivisten abgeseilt. Zur Stunde läuft ein Polizeieinsatz an der A485 im Nordosten von Gießen. Die Autobahn ist komplett gesperrt. Auch die Grünberger Straße ist aktuell dicht. An der Brücke in der Rödgener Straße hängen unseren Informationen zufolge drei Menschen. Gegen 8.40 Uhr gingen die ersten Meldungen darüber ein. Die Abseil-Aktion gehört offenbar zum Protest gegen den Ausbau der A49 zwischen Gießen und Kassel, der aktuell im Dannenröder Forst läuft. Die Aktivisten haben Spruchbänder, auf denen „Statt Autobahnen: Tram und Fahrradstraßen“ zu lesen ist, an der A485-Brücke befestigt. In einer Mitteilung äußerten sie sich am Morgen zu dem Protest. (ag)

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