Melissa Etheridge in der Batschkapp

Gitarrengott ist in Wahrheit eine Göttin

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Frankfurt - Gut zehn Gitarren, ein Flügel, indianische Trommel, Tambourine, Loop-Station - und ein One-Woman-Orchester, das seinen Roadie gehörig auf Trab hält. Von Peter H. Müller 

Oscar-Gewinnerin Melissa Etheridge meldet sich in der ausverkauften Batschkapp mit neuer Platte, kraftvollem Roots-Rock und erdigem Blues zurück. Das wortspielende Motto, getreu dem Albumtitel „This is M. E. “, verspricht Etheridge pur. Nicht mal eine Band braucht sie. Mit 53 und nach überstandener Krebserkrankung hat sie nun also nocheinmal kräftig durchgefegt, im Privatleben wie in ihrer Musik, deren angeblich „lüsterne“ Texte manchen US-Kritiker verschreckten. Melissa Etheridge dürfte das als Kompliment aufgefasst haben. Mit Kontroversen kennt sie sich aus, spätestens seit sie sich bei der Amtseinführung Bill Clintons als lesbisch geoutet hat.

Punkt 20 Uhr betritt sie unter Riesenjubel die Bühne und eröffnet mit ihrem Grammy-prämierten „Ain’t It Heavy“ (1993) ein eigenwilliges wie großartiges Zwei-Stunden-Konzert. Die Zutaten: eine bestens gelaunte Hauptdarstellerin mit markant rauchiger Schmirgelstimme und handgemachte Rock-/Blues-Songs, die nicht eine Minute altbacken tönen. Den schönsten, emotionalsten, intensivsten Moment allerdings liefert eine Liebesballade. Sie heißt „Who Are You Waiting For“, und Miss Etheridge hat dazu wie für ihr Joan-Armatrading-Cover „The Weakness In Me“ am Flügel Platz genommen. Was schon deshalb ein außergewöhnliches Bild ist, weil sie sonst eher an allem herumschrabbt, was Saiten hat. Mit jedem Solo stellt sie, wenn sie nicht gerade noch Mundharmonika bläst, neu die Frage, ob der oberste Klampfen-Gott nicht vielleicht doch weiblich ist.

Kool Savas in der Batschkapp

Kool Savas in der Batschkapp

Den Rhythmus-Teppich zu alten Hits („Come To My Window“, Grammy 1995) wie zu aktuellen Songs („Take My Number“, „Like A Preacher“ oder „Monster“) legt sie sich mit einer Loop-Maschine, die ihre live eingespielten Handtrommel- und Tambourine-Sounds als Dauerschleife wiederholt. Nach dem mehrfach aus dem Publikum geforderten Klassiker „Bring Me Some Water“ (1989) gibt es dann schließlich auch noch die XL-Version von „Like The Way I do“ - und minutenlangen Applaus. Hat sie sich redlich verdient mit ihrem Selbst-ist-die-Frau-Feuerwerk.

Quelle: op-online.de

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