Matthias Klusmann im Interview

Gläubiger wird Plan angeboten

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Matthias Klusmann

Rodgau - Eine Verbraucherinsolvenz ist nach den Worten von Matthias Klusmann häufig unnötig. Der Experte der Adjulex Schuldnerberatung, die für das Rhein-Main-Gebiet zuständig ist und ein Büro in Rodgau-Jügesheim unterhält, schlägt deshalb einen anderen Weg ein, wie er im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Marc Kuhn sagte.

Wie haben sich Verbraucherinsolvenzen entwickelt?

Die letzten Zahlen der Wirtschaftsauskunftei Bürgel sprachen für Hessen im vergangenen Jahr von einer Quote von fast zehn Prozent an Überschuldeten. Das war ein Plus zum Vorjahr von 2,7 Prozent, wobei die Gruppe der 21- bis 30-Jährigen extrem um 17,7 Prozent zugenommen hat. Aus meiner Sicht ist das Niveau in etwa gleich geblieben. Die wirtschaftlichen Rahmendaten und steigende Kosten beziehungsweise Abgaben tragen zu keiner Entlastung bei, eher im Gegenteil. Wir haben in den letzten Monaten eine spürbar steigende Zahl von Anfragen, was aber sicher auch der Tatsache geschuldet ist, dass wir Schuldner nicht vorschnell in die Insolvenz schicken.

Wie gehen Sie vor?

Der Unterschied zu anderen Schuldnerberatungsstellen, insbesondere den öffentlichen Stellen, ist, dass wir uns als Mittler zwischen Schuldner und Gläubiger sehen. Wir unterbreiten den Gläubigern nicht nur einen außergerichtlichen Schuldenbereinigungsplan, sondern machen in der Regel zwei oder auch drei Anläufe, um uns mit den Gläubigern zu vergleichen. Wir schaffen im Schnitt 65 bis 75 Prozent der Schulden wegzuverhandeln, wobei der Rest in der Regel in 72 überschaubaren Raten unter Wegfall weiterer Zinsen an die Gläubiger gezahlt wird. Somit erhalten die Gläubiger mehr als bei einer Insolvenz. Der Schuldner zahlt häufig weniger, als ohne Einigung alleine an Zinsen und Kosten anfallen würde und ist faktisch schuldenfrei, wenn er die Raten zuverlässig überweist. Das Besondere bei unserer Arbeit ist jedoch, dass es gar nicht der Zustimmung aller Gläubiger bedarf. Wenn über die Hälfte der Gläubiger den Plan außergerichtlich angenommen haben, so beantragen wir für die Minderheit der Ablehner den gerichtlichen Schuldenbereinigungsplan.

Wie hoch ist Ihre Erfolgsquote?

Wir schaffen im Schnitt bei 80 Prozent aller Mandanten eine Insolvenzverhinderung, und wir schaffen im Durchschnitt 65 bis 75 Prozent wegzuverhandeln. Solche Quoten sind eine absolute Seltenheit, da man Schuldner häufig vorschnell in die Insolvenz führt. Die Insolvenz ist eine Schuldenbefreiung, sie ist aber in vielen Fällen unnötig und vermeidbar. Aber mehrfache außergerichtliche Schuldenbereinigungspläne erstellen, gegebenenfalls Nachverhandeln und die Durchführung des gerichtlichen Plans sind deutlich mehr Arbeit und Aufwand als einen Insolvenzantrag auszufüllen.

Quelle: op-online.de

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