Ein Glücksfall für Frankfurt

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Frankfurt - Bis vor einigen Jahren war das Frankfurter Ostend nicht gerade ein Vorzeigestadtteil. Von Petra Wettlaufer-Pohl

Doch seitdem die Europäische Zentralbank (EZB) dort ihren spektakulären neuen Sitz nach den Plänen des Wiener Architekturbüros Coop Himmel(b)lau baut, verändert der Stadtteil langsam sein Gesicht. Schicke Neubauten weisen darauf hin, dass sich auch betuchtere Menschen dort ansiedeln. Ob sie früher schon den hohen architektonischen Wert der alten Markthalle erkannten, steht dahin. Gemeinsam mit zwei in sich gedrehten, bis zu 185 Meter hohen, gläsernen Doppeltürmen wird sie ab 2014 die EZB beherbergen.

Von der Bank mit großem Aufwand saniert und von störenden Anbauten befreit, erkennt man die Baukunst des früheren Frankfurter Stadtbaudirektors Martin Elsässer auf den ersten Blick: In den 20er Jahren hatte er die riesige Halle für die Marktleute gebaut: 220 Meter lang, 50 Meter breit und - auch für eine natürliche Kühlung - 23 Meter hoch, sollte sie Symbol sein der Wandlung der Stadt zur Metropole.

Seit 1972 unter Denkmalschutz als Meisterwerk der klassischen Moderne und bis 2004 Großmarkt, gab es kaum eine Idee, die auch unter wirtschaftlichen Aspekten getaugt hätte, die Halle zu erhalten. Der Verkauf des Grundstücks an die EZB, die derzeit noch auf drei Standorte in Fankfurt verteilt ist, erwies sich deshalb als Glücksfall für die Stadt.

Nunmehr schiebt sich zwar ein gläserner Riegel durch das ansonsten vom Klinker bis zum Paternoster sorgsam sanierte Denkmal - doch er steht dort, wo die Halle im Krieg zerstört war. Um nicht nur die äußere Schale, sondern auch die ebenfalls sanierte Beton-Tragwerkskonstruktion erhalten zu können, werden für Konferenzräume eigenständige Bauwerke in einen Teil der Halle gesetzt. Die Glastürme mit ihren über 6 000 Fensterscheiben beherbergen rund 2 300 Arbeitsplätze. Die Räume sind klimatisiert, können aber auch durch in die Fensterrahmen integrierte schmale Elemente natürlich belüftet werden.

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Verbunden sind die Türme durch ein ebenfalls gläsernes Atrium mit mehreren Plattformen. Insgesamt eine geniale Verbindung von Alt und Neu. Die 2005 noch auf 850 Millionen Euro geschätzten Baukosten dürften bis 2014 laut EZB auf 1,2 Milliarden steigen. Nicht nur Verzögerungen und Preissteigerungen sind dafür verantwortlich, sondern auch unvorhergesehene bauliche Erfordernisse wie die Verstärkung des Fundaments. Und auch das ist im Ostend geplant: Mit einer Gedenkstätte nach den Plänen der Darmstädter Architekten Tobias Katz und Marcus Kaiser wird auch an die Zeit erinnert, in der die Nationalsozialisten Frankfurter Juden im Keller der Markthalle zusammentrieben und über den nahegelegen Bahnanschluss deportierten.

Quelle: op-online.de

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