Goethe-Universität wird 100 Jahre alt

Tragisches Ende von Leo Gans und Arthur Weinberg

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Blick auf den Casino-Anbau der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

Frankfurt - Die Goethe Universität Frankfurt feiert 2014 ihren 100. Geburtstag. Anläslich dieses Jubiläums führt der Frankfurter Societäts-Verlag eine Biographienreihe fort, die das Leben der wichtigsten Persönlichkeiten der Universitätsgeschichte beleuchtet. Von Christina Lenz

Ohne großzügige Mäzene und Stifter wäre die Universitätsgründung nie möglich geworden. Die Reihe trägt den Namen: „Gründer, Gönner und Gelehrte“. Der junge Chemiker Leo Gans wollte der Welt ein „blaues Wunder“ bescheren. So beschreibt der begeisterte Forscher 1868 sein wissenschaftliches Vorhaben in einem Brief an seinen Professor. Zwei Jahre später gründet er seine eigene Fabrik für synthetische Farbstoffe und bringt die Welt der Farben zum Leuchten.

Der wirtschaftliche Erfolg lässt nicht lange auf sich warten: Binnen 15 Jahren verfünffacht der geschickte Geschäftsmann seine Produktionsfläche und verdoppelt in fünf Jahren seine Belegschaft. Doch der Chemiker bleibt nicht nur Geschäftsmann. Neben der Führung seines Unternehmens setzt er sich leidenschaftlich für das wissenschaftliche Leben in Frankfurt ein und übernimmt bald den Vorstand des Physikalischen Vereins. Dort werden wissenschaftliche Strukturen geschaffen, auf die die Universität bei ihrer Gründung 1914 aufbaut. Der Geschäftspartner und Neffe Arthur von Weinberg engagiert sich ehrenamtlich bei der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft, von deren Aktivitäten die spätere Universität ebenfalls profitiert. Beide haben die Universitätsgründung auch mit großzügigen Geldspenden vorangetrieben.

Die Doppelbiographie der Historikerin Monika Groening zeichnet den facettenreichen und erfolgreichen Lebensverlauf der beiden Unternehmer und leidenschaftlichen Naturwissenschaftler akribisch nach. Sie zeigt, wie stark die beiden jüdischen Unternehmer den Wunsch hegten, sich der christlich-bürgerlichen Gesellschaft anzupassen. Jung entschieden sich beide für eine christliche Taufe und damit gegen ihre jüdischen Wurzeln. Für Groening ein nachvollziehbarer Schritt, zählte die beiden doch zu einer Gruppe von ehrgeizigen Juden, deren Aufstieg um die Jahrhundertwende seitens der deutschen Gesellschaft erhebliche Steine in den Weg gelegt wurden. Groening stellt dar, wie die starke Diskriminierung jüdischer Bürger indirekt zu ihrem unermüdlichen Wirken beigetragen hat, von dem sie sich mehr Akzeptanz erhofften. Einfühlsam zeichnet sie nach, wie die Mäzene trotz ihres Engagements nie voll in die Frankfurter Stadtgesellschaft integriert wurden. Wie übermäßig der Wunsch nach Akzeptanz bei Arthur von Weinberg war - auch das spart Groening nicht aus. Der Jude beteiligte sich 1930 an der Gründung einer deutschnationalen Partei und hob zum 50. Geburtstag 1933 sogar seinen Arm zum Hitlergruß.

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Bei allem absurden Anpassungswillen enden die Lebensgeschichten von Leo Gans und Arthur von Weinberg doch tragisch: Ab 1935 verlieren beide als Juden ihre deutsche Staatsbürgerschaft, müssen ihre Ämter und Ehrenämter aufgeben. Ihre Geschichte zeigt die Erbarmungslosigkeit der damaligen Gesellschaft: Nur wenige Jahre nach ihrem unermüdlichen Wirken als Mäzene in Frankfurt wird Arthur von Weinberg in das KZ Theresienstadt deportiert, wo er 1943 stirbt. Leo Gans stirbt 1935, die letzten Monate seines Lebens durch die erzwungene Niederlegung aller Ämter gedemütigt, einen Tag vor dem Eintreten der Nürnberger Rassengesetze. Ohne die beiden Stifter wäre es zu der Universitätsgründung nie gekommen. Gedankt hat es ihnen lange niemand.

Quelle: op-online.de

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