Grimmige Trutzburg gegen alles Neumodische

Manowar auf dem Kriegspfad in der Jahrhunderthalle

Frankfurt - Aus der ewigen Fantasy-Reihe „Glühende Schwerter zu E-Gitarren!“. Von Peter H. Müller

Mit größtmöglichem Pathos und kolossaler 300.000-Watt-Anlage: Manowar, die lauteste Band der Welt, haben sich in der ausverkauften Jahrhunderthalle Frankfurt mal wieder im martialischen Warrior-Modus geübt. „Gods and Kings“ - ein feuerspeiendes Konzert-Ungetüm, das nur in der Festung von Saurons Dunkel-Reich Mordor geschmiedet worden sein kann.  Zwischendurch, nach „Call to Arms“ etwa, oder „The Sons of Odin“, diesem bombastisch dröhnenden, monumentalen Unsinn über nordische Kriegsgötter und episches Schlachtengetümmel, fragt man sich schon mal reflexartig: Beim Amboss des Thors, meinen die vier nicht mehr ganz taufrischen Muskelmannen das tatsächlich noch ernst? Ganz ehrlich, man zweifelt. Es sei denn, man gehört zur treuen Gemeinde der eingefleischten Manowar-Jünger, die unverdrossen wie eh und je die gekreuzte Faust als „Sign of Hammer“ in die Höhe recken - und mit ihren Helden auf dem Kriegspfad wandeln.

Manowar, seit über 30 Jahren die Fackelträger des wahren Metal, tun wahrlich alles dazu, ihre eigene Legende als Erfinder/Gralshüter des Genres zu pflegen. Chefdenker/Bassist Joey DeMaio, Drummer Donnie Hamzik, Gitarren-Saruman Karl Logan und Heavy-Minnesänger Eric Adams - das ist auch eine grimmige Trutzburg gegen alles Neumodische. Vor allem gegen Veränderung. Im opulenten Fantasy-Universum von Manowar heißt das in Multimedia-Bilder übersetzt: Gegerbte Leder-Utensilien, glühende Video-Schwerter, flüssiges Eisen, pralle Amazonen, heroische Krieger, „House of Death“-Totenschädel und natürlich Feuer, jede Menge Feuersbrünste.

Heaven Shall Burn und Parkway Drive in der Stadthalle

Anders formuliert: In ihren besten wie schlechtesten Momenten inszeniert sich die Band vor donnernden Drums, meterhoch gestapelten Gitarrenriffs und brachialen Bässen als ihr eigener Comic, der verlässlich in Walhalla tobt. Man liebt dieses wagnerianische Kitsch-Kino oder man hasst es - viel mehr geht dazwischen nicht. So oder so, für ein Manowar-Konzert braucht es gute Nerven, am besten aus Stahl. Denn das, was die harten US-Recken, die „Die for Metal“ zum ultimativen Band-Credo gebrüllt haben, gerät vom obligatorischen Intro (Hollywood-Grande Orson Welles brummt noch immer aus der Konserve die Ankündigung) bis zum „Hail and Kill“-Finale zu einem einzigen infernalischen Metal-Bombast-Theater.

Nach drei Zugaben ist dann auch die letzte Schlacht geschlagen, die Zugbrücke endlich runter gelassen. Manowar haben wieder alles rausgehauen, was dieser seltsam antike Musik-Planet zu bieten hat. Ein episches Metal-Feuerwerk oder grandioses Kasperletheater? So genau weiß man's nicht.

Quelle: op-online.de

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