So groß wie anderswo ein ganzer Flughafen

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Eine Glaskuppel überspannt die Rotunde im Geschäftsbereich am Anfang des neuen Flugsteigs.

Frankfurt  - Nein, über den Pannenflughafen Berlin will Holger Hofmann erst gar nicht reden. Von Christian Ebner

Der 50 Jahre alte Architekt in Diensten des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport liefert gerade, und zwar termingerecht: Keine vier Jahre nach dem ersten Spatenstich steht der Flugsteig A-Plus, durch den jährlich rund sechs Millionen Passagiere geschleust werden sollen. Der Inbetriebnahme am 10. Oktober steht laut Fraport nichts mehr im Wege, selbst die am Berliner Hauptstadtflughafen so heftig kritisierten Brandschutzanlagen sind seit einigen Wochen abgenommen. Gestern begannen die Passagier-Tests: Mit 300 Statisten erproben der Flughafenbetreiber Fraport, die Lufthansa und die zuständigen Behörden unter anderem die Umsteigerelationen, die Personenkontrollen und die Orientierung ortsfremder Menschen in dem Gebäude.

„Nur“ ein Anbau

Die Tests werden nach Angaben eines Fraportsprechers noch drei Mal wiederholt, bevor Ende September noch einmal ein größerer Versuchslauf mit 600 Statisten ansteht.

Was andernorts ein ganzer Flughafen wäre, ist am Drehkreuz Frankfurt nur ein Anbau am Terminal 1. Die Dimensionen des vom Hamburger Büro gmp geplanten Gebäudes sind beeindruckend: Rund 700 Millionen Euro wendet Fraport für das größte Projekt seit Inbetriebnahme des Terminals 2 im Jahr 1994 auf, die reinen Hochbaukosten beziffert Hofmann auf 560 Millionen Euro. Schwierig war insbesondere der Anschluss an die bestehenden Gebäude während des laufenden Betriebs mitsamt Sicherheitskontrollen und Gepäckabfertigung. Bauliche Verzögerungen um ein gutes halbes Jahr gab es zwar nach dem harten Winter 2010/2011 auch in Frankfurt, aber immerhin wird der zweite Termin eingehalten. In Berlin ist man mittlerweile bei Termin Nummer vier.

Der neue Flugsteig A-Plus westlich des Terminals 1 am Frankfurter Flughafen.

In der „Wurzel“ des neuen Fingers soll das meiste Geld verdient werden, weil hier an zentraler Stelle eine neue Shopping-Mall entsteht. Mindestens vier Euro pro Fluggast sollen bei der Fraport hängenbleiben, die prozentual am Umsatz der 60 längst vermieteten Läden und Gastro-Betriebe beteiligt ist. Im restlichen Flughafen mit rund 56 Millionen Gästen pro Jahr liegt der Durchschnittswert aktuell bei 3,23 Euro. Als konsumfreudig gelten Gäste aus Asien - besonders Indien - und Russland.

Dass sie sich gerade in einem neuen Gebäudeteil befinden, könnten die Passagiere vor allem an den lichteren Raumhöhen bemerken. Sie wurden auf 3,65 Meter angehoben und wirken deutlich großzügiger als die 3 Meter im alten Teil. Funktional soll der Neubau aber keinesfalls eigenständig sein, sondern ein Teil des vom Fraport-Hauptkunden Lufthansa belegten A-Abschnitts am Terminal 1.

Schenge und Non-Schenge

Die Kranich-Linie kann an dem Gebäude endlich ihre Riesenjets vom Typ Airbus A 380 abfertigen, für die vier Positionen gleichzeitig bereitstehen. Über jeweils drei Fluggastbrücken gelangen die Gäste an und von Bord der Riesenvögel. An den drei weiteren, „kleinen“ Positionen mit jeweils nur zwei Brücken können ausgewachsene Jumbos vom Typ Boeing 747-8 andocken. Die Umsteigeprozesse am zentralen Lufthansa-Drehkreuz werden dadurch deutlich beschleunigt.

Den 2000 Türen kommt auf dem neuen Flugsteig eine besondere Bedeutung zu. An europäischen Flughäfen werden die Menschen in „Schengen“ und „Non-Schengen“ eingeteilt, je nachdem, ob Herkunft oder Ziel in dem Bereich liegen, für den die diversen Schengen-Abkommen gelten. Wer von „Non-Schengen“ nach „Schengen“ will, muss durch die Einreisekontrolle. Umsteiger bleiben im Transitbereich.

Besonderen Wert haben die Planer auf die leichte Orientierung der Fluggäste gelegt. „Was ich als nächstes brauche, muss ich sehen können“, sagt Erik Jost, Fraport-Verantwortlicher für den Betrieb des neuen Flugsteigs. Hilfreich ist da schon mal die einfache Form des 570 Meter langen Piers mit einer nahezu kompletten Glasfront nach Süden auf das Rollfeld hinaus. Die Passagiere sehen die Maschinen, in die sie einsteigen sollen und haben wenig Chancen, sich zu verlaufen.

dpa

Quelle: op-online.de

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