Zu groß für den kleinen Mann

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Präservative gibt es in allerlei Farben und Größen. Maßgeschneiderte Kondome sind im Handel allerdings kaum erhältlich.

Beim Stichwort Kondome stöhnen viele Jugendliche laut auf – nein, nicht vor Lust, sondern weil sie von dem Thema genervt sind! Von Anne Kirchberg

Überall wird das ausrollbare Verhütungsmittel unentwegt angepriesen und ausgiebig über seine Sicherheit, Herstellung, Materialien und Anwendung gesprochen. Aber eine wichtige Sache übersehen Erwachsene meistens.

Die handelsüblichen Kondom-Größen passen oft gar nicht auf jugendliche Penisse! Darüber sprechen vor allem junge Männer natürlich nicht gerade gerne, schließlich prahlt man lieber mit seiner Manneskraft, die am besten schon im zarten Alter nur in XXL-Größen passt. Die Realität sieht jedoch anders aus: Immer früher haben Jugendliche heutzutage Sex, was das Größenproblem verschärft. „Vielen Jungen passen die handelsüblichen Standard-Kondome nicht, für knapp 30 Prozent sind sie zu groß, und jeder Fünfte findet gar kein passendes Exemplar“, weiß Marthe Anna Kniep, Diplom-Pädagogin und Leiterin des Dr. Sommer-Teams bei der Zeitschrift BRAVO. Das bedeutet: Selbst wenn diese Jungen verantwortungsvoll verhüten möchten, ist das für sie nicht möglich. Denn ein zu großes Kondom kann leicht abrutschen und schützt somit nicht sicher vor einer ungewollten Schwangerschaft und sexuell übertragbaren Krankheiten.

Nach der langjährigen Erfahrung von Werner Szeimis, Sexualpädagoge beim Pro Familia-Ortsverband Frankfurt, sind sich die meisten Jugendlichen ihrer großen Verantwortung bei der Verhütung voll bewusst. „Anfang der 1970er Jahre gab es mit Beginn der ‚sexuellen Revolution‘ eine signifikante Veränderung beim ersten Sex von etwa 18/19 Jahre auf 15/16 Jahre“, erläutert der Experte. „Seitdem gibt es zwar Ausreißer nach oben und unten, aber die Zahl bleibt stabil. Diverse Studien und unsere Beobachtungen zeigen zudem, dass Jugendliche viel genauer über Verhütung Bescheid wissen und diese auch gut anwenden. Im Vergleich handhaben Erwachsene die Verhütung wesentlich nachlässiger.“

In Deutschland nur mit „Fixierungsringen“

Pro Familia in Frankfurt erhält manchmal Anfragen von jungen Männern bezüglich kleinerer Kondome. „Wir weisen dann auf die unterschiedlichen Größen hin und haben auch schon das engere Kondom ,Amor Young’ von der französischen Firma Acharel verteilt. Leider bekommen wir üblicherweise nach der Verwendung keine Rückmeldungen“, erzählt Szeimis.

Während es in der Schweiz seit 2008 bereits kleine Präservative von der Firma Ceylor unter dem Namen „Hotshot“ für Jugendliche ab 14 Jahre im Handel zu kaufen gibt, findet man in Deutschland fast ausschließlich Produkte mit so genannten „Fixierungsringen“, wie von der Firma Billy Boy. Von der Idee, ein kleineres Kondom speziell für Jugendliche herzustellen, hält man hier nichts: „Das käme laut unseren Untersuchungen bei den Jugendlichen nicht gut an“, meint Marco Gehlken, Marketingleiter bei Billy Boy. „Zum anderen würde es verschiedene Organisationen auf den Plan rufen, die das als ‚Animation für Jugendliche, immer eher Sex zu haben‘, bezeichnen würden oder könnten.“

Es gibt Bedarf an kleinen Kondomgrößen

Bei der BRAVO sah man das anders und legte der Zeitschrift vor vier Monaten ein spezielles Jugendkondom bei. „Uns ging es darum, auf die richtige Kondomanwendung und die entscheidende Bedeutung der richtigen Passform hinzuweisen“, erklärt Marthe Anna Kniep im Gespräch mit unserer Zeitung. „Mit dem schmalen Kondom konnten die Jungen den Unterschied zu einem größeren testen. Und dieses Präservativ kann auch Jungen passen, deren Penis noch nicht ganz ausgewachsen ist.“

Hergestellt wird das Jugendkondom von der Firma Coripa nach einer Idee von Nico Müller und Oliver Möschen, die die Internetseite www.masskondome.de betreiben. „Uns ist wichtig, dass es für jeden Kondom-Nutzer ein passendes Präservativ gibt“, sagt Nico Müller. „Es gab den Bedarf für kleine Kondom-Größen, weshalb die BRAVO an uns herantrat, und wir waren dann in der Lage, solch ein Produkt herzustellen.“

Jedes halbe Jahr den Penis messen

Der Geschäftsführer erkannte die Marktnische und baute nach positiven Kunden-Rückmeldungen den Vertrieb mit seinen maßgefertigten Kondomen weiter aus, die allerdings nicht im Handel gekauft werden können. „Mit 55 verschiedenen Größen würden wir in Drogerien oder Apotheken schlichtweg zu viel Platz im Regal benötigen, um unsere gesamte Ware auszulegen. Deshalb verkaufen wir unsere CE-zertifizierten Kondome ausschließlich über das Internet.“

Trotzdem ist es ganz einfach, im Internetshop die passende Größe zu finden, denn jeder kann mit einer hier bereitgestellten Maßtabelle sein bestes Stück vermessen und anschließend mit den ermittelten Maßen sein individuelles Kondom bestellen. Diesbezüglich rät Nico Müller allen Jugendlichen: „Messt euren Penis ruhig jedes halbe Jahr, schließlich wächst er mit und ihr benötigt ein passendes Kondom, um gut geschützt zu sein. Außerdem gibt es einem ein wesentlich besseres Gefühl, wenn das Kondom richtig passt!“

Welche Eigenschaften ein Kondom besitzen sollte, weiß Marthe Anna Kniep vom Dr. Sommer-Team der BRAVO. „Die Hälfte des Umfangs in Millimetern gibt die Zahl an, die auf der Kondom-Verpackung stehen sollte, damit es gut passt. Ein Umfang von 110 Millimeter braucht zum Beispiel die Größenangabe 55 Millimeter auf der Verpackung. Außerdem sind das Haltbarkeitsdatum und das Gütesiegel wichtig. Und vor dem ersten Gebrauch empfehlen wir, einmal zu testen, ob das Kondom wirklich gut sitzt!“

Quelle: op-online.de

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