Von Fraport

Umfrage zum Flughafen: Große Liebe ist was anderes

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Aus welcher Richtung weht der Wind? Flughafenbetreiber Fraport hat gestern eine Meinungsumfrage zum Image des Luftverkehrsdrehkreuzes veröffentlicht.

Frankfurt - Nein, die große Liebe ist was anderes. Die Bindung der Hessen an den Frankfurter Flughafen lässt sich insbesondere bei den Leuten in der Region um den Airport am besten mit dem Begriff des „Bratkartoffelverhältnisses“ charakterisieren: Von Michael Eschenauer 

Eine gewisse Zuneigung ist da, aber nur vor dem Hintergrund klarer materieller Vorteile. Im Auftrag des Flughafenbetreibers Fraport hatte das Berliner Meinungsforschungsinstitut Forsa vom 27. August bis zum 3. September 1000 Hessen über 18 Jahre telefonisch zu Themen rund um den Airport befragt. Klares Ergebnis: Die enorme Bedeutung des Flughafens für Wirtschaft und Arbeitsplätze wird nicht angezweifelt. Ebenso wenig die Notwendigkeit der neuen Landebahn Nordwest und des geplanten Terminals 3. Die hohen Zustimmungswerte bei harten ökonomischen Fakten kippen allerdings, wenn es um die emotionale Bindung der Menschen an den Großflughafen geht. Besonders ernüchternd: Kaum ein Drittel sieht ihn als „Nachbar, der seine Verantwortung für die Menschen der Region ernst nimmt“. Die Ergebnisse im Einzelnen.

Neue Landebahn

20 Prozent halten sie für überflüssig. 50 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu „Es ist richtig, dass die neue Landebahn nach jahrelanger Diskussion endlich gebaut wurde“. 58 Prozent glauben: „Für die wirtschaftliche Entwicklung und die Jobs in der Region war der Bau der neuen Landebahn wichtig“.

Terminal 3

Hier vertreten 61 Prozent die Meinung, der Flughafen habe das Recht zu bauen und sollte dies auch tun. 54 Prozent bezeichnen den geplanten Komplex als „von großem Nutzen für Frankfurt und die Region“. Nicht nötig ist das Terminal 3 für 27 Prozent.

Wirtschaft

Hier unterscheidet Forsa zwischen Befragten aus Süd-, Mittel- und Nordhessen. Die Feststellung, „Der Flughafen hat eine hohe Bedeutung für die Anbindung an den Welthandel“ bringt es auf folgende Zustimmungwerte: (Südhessen 88 Prozent, Mittelhessen 91 Prozent, Nordhessen 92 Prozent. Die hohe Bedeutung für die Ansiedelung von Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet sehen 80, 90, und 81 Prozent. Der hohen Bedeutung für den Wohlstand Hessens stimmen 70, 73 und 71 Prozent zu. Bei der Bedeutung des Airports für die Zahl der Arbeitsplätze tauchen erste Unterschiede in der Bewertung auf.

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Hier liegen die Südhessen mit 79 Prozent weit vor den anderen Gruppen (53 und 35 Prozent). Ähnlich groß ist der Unterschied bei der Bedeutung des Flughafens für die wirtschaftliche Entwicklung. Auch hier preschen die Südhessen mit 77 Prozent vor, Mittel- und Nordhessen sehen den Ökonomie-Faktor schwächer ausgeprägt (55 und 40 Prozent). Insgesamt 86 Prozent bezeichnen den Flughafen als von „einiger“ oder „herausragender Bedeutung“ für die Region, für Hessen und Deutschland als Exportnation

Lärm/Belastung

23 Prozent glauben, dass der Flughafen genug tut, um die Lärmbelastung zu verringern, 27 Prozent, dass er hier international Vorreiter ist. Mit Nein antworteten auf die erste Frage 34, auf die zweite 13 Prozent. Die zu 100 Prozent fehlenden Stimmen stammen von unentschiedenen Interviewteilnehmern. Von seinem Engagement für den Lärmschutz überzeugen konnte Fraport die Menschen also nicht.

Die vom Flughafen direkter betroffenen Menschen denken anders über die Lärm- und Umweltbelastung als die weniger betroffenen. Große Bedeutung messen 56 Prozent der Südhessen dem Airport auf diesem Themenfeld zu, von den Mittel- und Nordhessen sind es nur 29 bzw. 20 Prozent. Lediglich 67 Prozent der Südhessen sehen die Attraktivität der Rhein-Main-Region durch den Flughafen gesteigert. Deutlich mehr sind es hingegen in Mittel- und Nordhessen (80 und 76 Prozent).

Fluglärm-Urteile für Frankfurter Flughafen

Emotionen

Hier schneidet das von einer starken Mehrheit als Job- und Wachstumsmotor gesehene Luftverkehrsdrehkreuz schwach ab. Dass der Flughafen das „gesellschaftliche Leben in der Region bereichert“, glauben nur 43, dass er eine „interessante Ausflugsmöglichkeit“ ist, lediglich 32 Prozent. Als „Nachbar, der seine Verantwortung für die Menschen ernst nimmt“, mögen ihn nur 29 Prozent sehen, und ein Ort „interessanter Einkaufsmöglichkeiten“ ist er lediglich für 23 Prozent. Die Total-Gegner allerdings spielen ebenfalls nur eine marginale Rolle. Fünf Prozent unterschreiben die Aussage: „Ich halte gar nichts von Frankfurter Flughafen“.

Quelle: op-online.de

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