Große Verwirrung um eine kleine Fußnote

Verbraucherunfreundliches Geschäftsgebahren“ wirft die Verbraucherzentrale Hessen dem Kabelnetzbetreiber Unitymedia vor. Es geht um die Werbung „Noch bis 30.06.09: 3 Monate Digital TV Plus kostenlos testen ²“ auf der Homepage des Unternehmens. Von Ralf Enders

Der vermeintlich kostenlose „Plus“-Bonus schlägt ab dem vierten Monat mit weiteren 7,90 Euro für die restlichen 21 Monate zu Buche - wenn der Kunde „Digital TV Plus“ nicht innerhalb der ersten 60 Tage kündigt.

Dieser Zusatz steht jedoch in einer Fußnote (²), die die Kunden laut Rechtsanwalt Peter Lassek von der Verbraucherzentrale „regelmäßig übersehen“ werden. Heißt: Ab dem vierten Monat zahlt der Verbraucher 24,80 Euro; hochgerechnet auf die Vertragslaufzeit ist dies ein Aufpreis von 165,90 Euro. Zudem sei „völlig unklar“, wann die 60-Tage-Frist überhaupt beginne.

Katrin Köster, Unitymedia-Sprecherin, kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen: „Wir weisen auf der Internetseite ausdrücklich darauf hin, dass nach drei Monaten Probeabo von Digital TV Plus - sofern man nicht kündigt - Mehrkosten von 7,90 Euro pro Monat für insgesamt (mindestens) 21 Monate entstehen.“ Zudem bekomme der Kunde nach Auftragserteilung eine Auftragsbestätigung, auf der nochmal auf die Konditionen aufmerksam gemacht werde.

Rechtsanwalt Lassek kritisiert weiter: Wer sich auf der Unitymedia-Internetseite über Preise nur informieren wolle, müsse persönliche Daten - mitsamt Kontoverbindung - eingeben und lande schließlich auf dem Button „Direkt bestellen“. Auch diese Aussage ruft bei Unitymedia Kopfschütteln hervor. Köster: „Das weisen wir zurück. Sämtliche Paketpreise sind im Internet ohne langes ‘Durchklicken‘ übersichtlich aufgeführt.“

Lasseks Einschätzung zufolge betreibt Unitymedia irreführende Werbung. Die Rechtslage sei jedoch noch unsicher, weil es noch keine gerichtliche Entscheidung dazu gebe. Faktisch muss wohl im Einzelfall geurteilt werden. Das Oberlandesgericht Frankfurt hat am 31. März dieses Jahres entschieden: „Beinhaltet eine Werbeanzeige einschränkende Angaben über das beworbene Produkt, so muss der Verbraucher in einem leicht erkennbaren und gut leserlichen Hinweis darüber aufgeklärt werden. Wird ein unleserlicher Fußnotentext verwendet, wird gegen das Verbot der irreführenden Werbung verstoßen.“

Für Lassek ist das Verhalten von Unitymedia auf jeden Fall „unzulässig“. Er berichtet von zahlreichen Beschwerden über das Unternehmen: „Da wird über regelrechte Drückermethoden geklagt.“ So sei einem Rentner ein DSL-Anschluss verkauft worden. Einen Computer besitze der alte Herr gar nicht.

Viele Leser berichten von versteckten Preisaufschlägen

Unitymedia hat in Hessen und Nordrhein-Westfalen etwa 4,62 Millionen Kabel-Kunden (Stand 31.12.2008). Ein kostenpflichtiges Bezahlfernseh-Paket haben aktuell 595 000 Kunden, Tendenz steigend. Auch bei Internet- und Telefon-Angeboten legt das Unternehmen zu. Im Internet surfen mittlerweile etwa 713 000 Unitymedia-Kunden. Ende 2008 waren es noch 630 000.

Abseits des Streits zwischen Verbraucherzentrale und Unitymedia scheint die Wirklichkeit im Wohnzimmer mit der schönen neuen Digital-Welt aus der Werbung nicht immer mitzukommen. Zahlreiche Leser berichten bei Digital-TV, DSL-Anschlüssen oder Handy-Verträgen vieler Anbieter von versteckten Preisaufschlägen, endlosen Warteschlangen in sogenannten Service-Hotlines oder einfach nur miesem Service.

Die Verbraucherzentrale Hessen bietet für 3,50 Euro (bei Versand zzgl. 2,50 Euro) einen „Medienkompass“ zu digitalem Fernsehen, Internet und Telekommunikation.

Ein Beispiel: Sven Wolfram aus Offenbach liegt mit dem DSL-Anbieter freenet im Clinch. Im April hatte er einen Vertrag über einen schnellen Internetzugang abgeschlossen. Viermal wollte seitdem ein freenet-Techniker zu ihm kommen, viermal hat Wolfram Urlaub genommen - und viermal kam der Techniker nicht. Wütend erfuhr Wolfram in der „Hotline“ (19 Cent/Minute), dass die Schuld bei der Telekom läge und stornierte Anfang Juni schließlich den Auftrag.

Dann reagierte das Unternehmen schnell, und zwar mit der Antwort, dass es die Stornierung nicht anerkennen werde. Sven Wolfram will nun rechtliche Schritte gegen freenet einleiten. Vor allem, seit das Unternehmen schon Geld von seinem Konto abgebucht hat, das er jedoch wieder zurückbuchen ließ.

Quelle: op-online.de

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