Die großen Träume des „Duo Senil“

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Günter Dietz (links) und Horst Weitzel mit ihrer umfangreichen Mundharmonika-Sammlung.

Frankfurt/Rhein-Main/Hasselroth -Sie sind schon im fortgeschrittenen Alter, haben aber noch große Ziele: Nicht weniger als einen Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde peilen die beiden Rentner aus Hessen an. Von Jörn Perske (dpa) 

„Wenn da jemand reinkommt, weil er Bierkästen mit seinen Zähnen heben kann, dann hat es der Günter auch verdient“, sagt Horst Weitzel (75) - die eine, ältere und schwergewichtigere Hälfte des ungewöhnlichen Mundharmonika-Duos aus Hasselroth (Main-Kinzig-Kreis). Günter Dietz (65) ist die andere Hälfte. Und der will - passend zur Statur - mit besonders filigranem Spiel die Aufnahme in das populäre Verzeichnis der ungewöhnlichen Leistungen meistern.

Denn Dietz kann etwas, woran viele Musiker scheitern würden. Er spielt auf dem kleinsten Mundharmonika-Format der Welt. Erstens freihändig und zweitens in drei verschiedenen Tonarten. „Das ist der Clou - Fachleute wissen das zu schätzen. Das geht nur mit spezieller Spieltechnik“, sagt Dietz und zeigt auf das 3,5 Zentimeter kurze Instrument. Wann sie ihren Rekordversuch unternehmen wollen, haben die beiden noch nicht terminiert. Aber fest steht, dass die Zungen- Akrobaten beim Hessentag im Juni in Langenselbold auftreten. Und dort werden sie wohl schon bei der Ankündigung für Amüsement sorgen.

Die beiden Senioren haben ihrer Combo den Namen „Duo Senil“ gegeben. „Warum? Das ist ganz einfach: Ich vergesse immer die Arbeiten zu erledigen, die mir meine Frau aufträgt“, erklärt Weitzel mit einem breiten Lächeln. „Und der Günther vergisst immer das Heimgehen, wenn er beim Stammtisch ist.“

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Mundharmonika-Duo

Das Duo kann neben viel Unterhaltungstalent die wohl größte Mundharmonika-Sammlung Hessen vorweisen. 200 der Hosentaschen-Instrumente haben die beiden im Laufe der Jahre zusammengetragen. Darunter sei neben der kleinsten auch die größte Mundharmonika der Welt, berichten sie. 58 Zentimeter lang. Doch die ungewöhnlichsten sind Marke Eigenbau. Dietz, früher Gartenbaumeister, hat eine Mundharmonika aus Bambus als Resonanzkörper gebaut. Die Töne kommen aus fünf goldenen Trompeten, die er darauf montiert hat. Hingucker in der Sammlung sind ältere Modelle, auf den Tasten für die Töne angebracht sind.

Um ihr Spiel zu perfektionieren, vielfältiger und schneller zu machen, haben sich Weitzel und Dietz extra runde Drehhalter gebaut, in die sie die Instrumente hineinstecken können. „Das hätte ich mir eigentlich mal patentieren lassen müssen“, bedauert Weitzel. Aber sie haben halt mit der Musik genug zu tun. Zum Beispiel das Üben der 120 Titel, die sie im Repertoire haben: Schlager-Oldies, Volks- und Stimmungsmusik unter anderem. 70 Stücke davon hat Dietz selbst komponiert. Früher ist er mit seinen beiden Zwillingstöchtern sogar bei Volksmusik-Festen im Fernsehen aufgetreten. Doch mittlerweile tritt Dietz als Melodiespieler mit seinem Partner Weitzel - der Begleitmusikspieler des Duos - eine Nummer kürzer.

Etwa noch zehnmal pro Jahr treten die beiden, die mit Unterbrechungen schon seit 15 Jahren zusammen spielen, öffentlich auf. Öfters auch in Altenheimen, um den Bewohnern eine Freude zu machen. Denn diese Generation wisse das Musizieren auf der Mundharmonika noch richtig zu schätzen. „Das ist mittlerweile eine Rarität geworden“, sagt Weitzel. Heutzutage sei es viel beliebter Gitarre oder Klavier zu lernen. „Das Mundharmonikaspielen stirbt so langsam aus“, sagt der 75- Jährige nachdenklich.

Quelle: op-online.de

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