Großprojekte von „Coop Himmelb(l)au“

Überraschend wie Messis Pässe

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Blick ins durchlässige Innere der Europäischen Zentralbank in Frankfurt

Frankfurt - 200 Arbeitsmodelle, Skizzen und Fotografien dokumentieren im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt aktuelle Großprojekte des Büros Coop Himmelb(l)au Wolf D. Prix & Partner, unter anderem die Europäische Zentralbank (EZB) im Frankfurter Osten. Von Carsten Müller 

„Früher war ich Spieler, heute bin ich Trainer“, sagt Wolf D. Prix über die 47 Jahre an der Spitze seines Architekturbüros Coop Himmelb(l)au, das am 6. Mai 1968 in Wien als Erwiderung auf die Vorherrschaft des rechtwinkligen Rasters gegründet worden ist. Und er greift erneut zur Fußball-Metapher, wenn er die Arbeit seines Büros beschreibt. Wie beim Spiel des FC Barcelona gingen vielen überraschenden Entscheidungen lange Entwicklungsprozesse voraus. Unbewusstes und Unterbewusstes vereine die über Jahrzehnte entwickelte Entwurfsmethode, die so intuitiv sei wie Lionel Messis Pässe.

Blick ins durchlässige Innere der Europäischen Zentralbank in Frankfurt

Eine Fülle von Modellen zum Bau der EZB-Türme und die Anbindung der Großmarkthalle veranschaulichen diesen kleinschrittigen und - auch bedingt durch politische Einflussnahme - langwierigen Prozess, der sich von 2003 an durch drei Wettbewerbsphasen, eine Optimierungsphase und die anschließende Entwurfsplanung erstreckte. Beispiele aus Lyon und Dalian illustrieren die Einbindung der „städtebaulichen Solitäre“ in topographische Gegebenheiten und den Stadtraum, so DAM-Direktor Peter Cachola Schmal. Offenheit und Transparenz sind für Prix wichtige Spiegelbilder einer optimistischen Gesellschaft. Leider machten „Zukunftsangst und Regression“ diesen Ansatz zunichte.

So wurde aus Sicherheitsgründen die Durchlässigkeit des naturhistorischen „Musée des Confluences“, das wie ein Raumschiff „auf Frankreichs schönstem Bauplatz“ am Zusammenfluss von Rhone und Saone gelandet ist, verhindert. Der fließend-dynamische Bau ist so angelegt, dass die Besucher zur Flussmündung kommen können, ohne die Ausstellungen besuchen zu müssen. Auch der EZB-Neubau, dessen Türme kommunikative Atrien und Brücken verbinden, ist mit seinem die Großmarkthalle teilenden Eingangsbau offen angelegt, erläutert Prix. Dass sich die Euro-Banker abschotten, war nicht seine Absicht.

Der EZB-Neubau in Bildern

EZB-Neubau nähert sich dem Ende

Ungleich schneller als der EZB-Neubau ging das chinesische Dalian International Conference Center über die Bühne. Das zur Kulturstätte erweiterte Tagungshaus fasziniert nicht nur durch schiere Ausdehnung auf einer Grundfläche von 40.000 Quadratmetern und seine hoch glänzende Metallfassade sowie sein wandelbares Innenleben, sondern vor allem durch die mit deutschem Knowhow entwickelte robotergestützte Herstellung, die Bauzeiten erheblich verkürzen - Vorgeschmack auf eine tief greifende Umwälzung, die dem Baugewerbe bevorsteht.

„Coop Himmelb(l)au“ vom 6. Mai bis 23. August im DAM Deutsches Architekturmuseum Frankfurt, Schaumainkai 43. Geöffnet: Dienstag, Donnerstag bis Sonntag 11-18 Uhr, Mittwoch 11-20 Uhr.

Quelle: op-online.de

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