Wie grün ist die Clubszene?

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Acht Studenten, eine Mission: die Clubs in Rhein-Main unter die Lupe zu nehmen.

Frankfurt/Darmstadt - „Musst du immer das Licht brennen lassen?“ Ja, wir haben Mutters Stimme noch im Ohr. Energie sparen fällt unter die zehn heiligen Hausgebote. Von Cora Werwitzke

Nun ja, vielleicht gehen in Discos und Clubs einfach zu wenige Mütter ein und aus. Wie sonst wäre zu erklären, dass der sogenannte Green Club Index derzeit so aufhorchen lässt?

„Das Prinzip ist einfach“, sagt Jenny Otto. „Wir ermitteln, wie energieeffizient Clubs im Rhein-Main-Gebiet arbeiten, und können dann durch den Index Vergleiche ziehen.“ Die Studentin der Hochschule Darmstadt organisiert das Regionalprojekt zusammen mit sieben Kommilitonen. Die Idee und das Konzept stammen aus Berlin: Die dort ansässige Green Music Initiative (GMI) setzt sich mit einer Fülle von Aktionen für eine klimaverträgliche Musikbranche ein. „2011 haben wir den Green Club Index in einem Pilotprojekt in Nordrhein-Westfalen eingeführt“, schildert Roman Dashuber von der GMI. Jetzt rückt das Rhein-Main-Gebiet in den Fokus der Initiative.

Und das nicht zufällig: Die Darmstädter Studenten boten sich an, das NRW-Pilotprojekt auf den hiesigen Raum auszuweiten. „Als Praxisteil in diesem Semester“, erläutert Jenny Otto, die wie der Rest der Gruppe Online-Journalismus mit Schwerpunkt Online-PR studiert. „Seit November stehen wir mit den Berlinern im engen Kontakt“ erzählt die Studentin. Unterstützt wird die Aktion auch vom Energiereferat Frankfurt, das einen der Clubs kostenlos beraten wird.

Weitere Clubs können noch einsteigen

Jahresverbrauch geteilt durch jährliche Besucheranzahl – das ist die Formel für den Index. Die Discos entscheiden selbst, ob sie diese Daten herausrücken, sich dem Vergleich stellen. „Bisher machen vier mit“, schildert Jenny Otto, „die Frankfurter Clubs ‚Travolta‘ und ‚Das Bett‘ sowie die Mainzer und Wiesbadener Clubs ‚50 Grad‘ und ‚Cubique‘.“ Noch sei Zeit einzusteigen, betont die Studentin. Die GMI strebt wie in NRW mindestens sechs Locations an, denen sie in punkto Energieeffizienz unter die Arme greifen kann.

Doch wie hoch sind die Einsparpotenziale in der Clubszene eigentlich? „Eine durchschnittliche Diskothek verbraucht im Jahr den Strom von 40 Drei-Personenhaushalten“, verdeutlicht Roman Dashuber. An sich könnten Clubs leicht Umwelt und Geldbeutel schonen, das Thema spiele bislang jedoch nur eine Nebenrolle. „Oft sind Kühlschränke oder Beleuchtung die großen Stromfresser“, ergänzt Jenny Otto. „Wir schätzen, dass Clubs mit kleinen Aktionen im Jahr 5000 Euro sparen können.“

LEDs statt Glüchbirnen

LEDs sind deutlich energieeffizienter als Glühbirnen

Konkret macht es die Studentin an einem Beispiel: „Viele Clubs haben in ihrem Kühlschrank nur Getränke. Wenn der Laden drei Tage geschlossen ist, dann kann der Kühlschrank komplett ausgeschaltet werden.“ Auch bei der Temperatur gibt es Aufklärungsbedarf: „Sechs Grad reicht bei Getränken“, so die 27-Jährige. „Jedes Grad kühler bedeutet mehr Arbeit für den Kühlschrank und jeweils fünf Prozent mehr Energieverbrauch.“ Was die Beleuchtung angeht, eignen sich LEDs statt Glühbirnen und Bewegungsmelder auf den Toiletten. „Auch die Lüftung muss nicht permanent laufen“, zählt Jenny Otto weiter auf. Steigerungsfähig wäre die Umweltverträglichkeit von Clubs dann noch durch die Umstellung auf Ökostrom oder gar den Ausbau zur „Organic Disco“, in der die Besucher Strom auf einem speziellen Boden selbst erzeugen. So geschehen in der Darmstädter Centralstation.

Aufmerksamkeit bei Clubbesitzern geweckt

Für die acht Studenten neigt sich derweil das Semester dem Ende zu. „Der Zeitraum war kurz, zumal die Festtage im Weg waren“, sagt Jenny Otto schmunzelnd. Viele Clubs in Rhein-Main hätten sich für das Projekt interessiert - „um Weihnachten herum war aber der Stresspegel bei den Clubbesitzern sehr hoch. Wir hoffen noch auf Spätzünder“. Enttäuscht über die Resonanz ist die Gruppe nicht: „Im Mittelpunkt steht die Aufklärung darüber, was möglich ist“, betont Jenny Otto. „Und Aufmerksamkeit haben wir bei den Clubbesitzern sicherlich geweckt.“

Zum Abschluss des Semesterprojekts lädt die GMI alle Interessierten für den 8. Februar zu einer Podiumsdiskussion ein. Um 15 Uhr kommen im Club „Travolta“ unter anderem Roman Dashuber (GMI), Dennis Smith (Travolta), Florian Unger (Energiereferat Frankfurt) und die Darmstädter Studenten zusammen. Die GMI plant, längerfristig in Rhein-Main aktiv zu sein. Infos und Kontakt zum Green Club Index.

Quelle: op-online.de

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