Barocke Gartenlust

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Mitten in Darmstadt ein Hort der Ruhe im Prinz-Georg-Garten.

Darmstadt/Dieburg - Die „Stadt im Grünen“ nennen die Heiner ihr Darmstadt gern, doch birgt die Metropole selbst zahlreiche sehenswerte Grünanlagen und Parks, die zum Flanieren einladen: vom Park Rosenhöhe bis zum Herrngarten, vom Botanischen Garten bis zum Wildpark Kranichstein. Von Lisa Hager und Thomas Meier

Park Mathildenhöhe und die Orangerie sind die meistbesuchten Anlagen, doch gibt es kleine botanisch-historische Schätze, die näher in Augenschein zu nehmen lohnt. .

Am nordöstlichen Ende des zumeist von den Studenten der Wissenschaftsstadt okkupierten Herrngartens, von einer Mauer umgeben, liegt beispielsweise der Prinz-Georgs-Garten. Er ist - anders als der „große Bruder Prinz-Emil-Garten“ - noch heute in seinem ursprünglichen Zustand erlebbar; eine Anlage typisch für das Rokoko mit Rasenflächen, Rabatten, Fontänen und Sonnenuhren. So könnte auch einmal der frühere Herrngarten ausgesehen haben, als der noch die Lust- mit der Nutzgartenfunktion vereinte. Gut ein Dutzend Gärtner haben hier das ganze Jahr über genug zu tun; es wachsen Kartoffeln, Möhren und Kohlrabi, Minze und Lavendel blühen und die einwandfreien Erträge können an Werktagen in der Gärtnerei gekauft werden.

Zurück geht die Anlage auf die Zusammenlegung zweier benachbarter Gärten 1748. Der Palaisgarten im Norden wurde mit dem Prettlackschen Garten im Süden vereint. Das neu entstandene Anwesen schenkte Ludwig VIII. seinem Sohn, dem Prinzen Georg Wilhelm, 1764 und machte ihn auch zum Namenspaten.

Das prächtige Prettlack’sche Gartenhaus wurde vom Generalleutnant Johann Rudolf von Prettlack, einem Schwiegersohn des Landgrafen Ernst Ludwig, um 1711 an der Ostseite seines Gartens als fünfflügeliges Gartenhaus errichtet und außen mit Bäumen, Ranken und Girlanden bemalt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts ging die ursprüngliche Bemalung verloren. Bei einer Generalsanierung 2001 wurde sie nach zeitgenössischen Vorlagen aufwändig restauriert, so dass dieses Gebäude jetzt wieder ein besonderes Kleinod darstellt.

Keine 20 Kilometer entfernt können Gartenliebhaber durch einen weitere großzügige Anlage spazieren, in der schon Johann Wolfgang von Goethe lustwandelte. Am Hofe Karl Willibalds von Groschlag, der den Dieburger Schlossgarten inspiriert von philosophischen Ideen der Frühaufklärung anlegen ließ, war der Dichterfürst an Silvester 1779 zu Gast. Man habe „das schöne Jahr mit kleinen Spielen begonnen“, berichtet er seiner Freundin Charlotte von Stein. Vorher hat er vermutlich den chinesischen Tempel, den englischen Landschaftspark und die nit Öfen geheizten Ananashäuser besichtigt. Das sind vergangene Zeiten: Die Treibhäuser sind ebenso verschwunden wie das Schloss Stockau. Geblieben ist ein weitläufiger Park mit alten Solitärbäumen, einer Lindenallee und einem Trapezteich mit Springbrunnen, an dem am 2./3. Juni ein nach ihm benanntes Fest stattfindet. Vom 13. bis 16 Juli ist der Schlossgarten dann sogar Namensgeber des größten Volksfestes von Dieburg.

Quelle: op-online.de

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