Grüne Soße für die Queen

Frankfurt bereitet sich auf den Besuch von Königin Elisabeth II. vor

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Königin Elisabeth II. und ihr Gatte Prinz Philip statten Frankfurt am 25. Juni einen Besuch ab. Der Protokollchef der Stadt, Karlheinz Voß, freut sich schon auf den Eintrags ins Goldene Buch. 

Frankfurt - Ihre Majestät Elisabeth II. bringt am Donnerstag, 25. Juni, königlichen Glanz in die republikanische Stadt Frankfurt. Im Kaisersaal geht es dann allerdings eher bürgerlich zu: Dort stehen gut frankfurterisch Grüne Soße und Tafelspitz auf dem Speiseplan. Von Sabine Börchers.

Wenn die britische Königin am 25. Juni den Frankfurtern vom Balkon des Römers aus huldvoll zuwinkt, dann dürften auch in der republikanischen Stadt die britischen Fähnchen geschwenkt werden. Zum ersten Mal beehrt die Monarchin auf Einladung des Landes Hessen die Stadt Frankfurt, wenn auch nur für einen Nachmittag. Das Protokoll im Römer bereitet sich auf die wenigen Stunden bereits seit Monaten vor, auch wenn es in diesem Fall „nur der Juniorpartner“ ist, wie Protokollchef Karlheinz Voß betont. Hauptansprechpartner seien, da die Königin und ihr Ehemann Prinz Philip Gäste des Bundespräsidenten sind, das Bundespräsidialamt, das Auswärtige Amt sowie für Hessen das Protokoll der Staatskanzlei in Wiesbaden, die sich untereinander und eben mit den Frankfurtern abstimmen.

Der Zeitplan der Visite ist eng getaktet. Um die Mittagszeit soll die Maschine mit dem Königspaar sowie Bundespräsident Joachim Gauck und seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt am Frankfurter Flughafen landen, kurz darauf ist die Vorfahrt der Kolonne vor der Paulskirche geplant. Dass Elisabeth II. standesgemäß in einer rechts gelenkten englischen Limousine aus ihrer Heimat vorfährt, wie der Protokollchef verrät, versteht sich von selbst. Begrüßt wird sie von Ministerpräsident Volker Bouffier und Oberbürgermeister Peter Feldmann. Gemeinsam geht es hinein in die Wandelhalle, zu einer kurzen Besichtigung der Geburtsstätte der deutschen Demokratie.

Da bei diesem fünften Staatsbesuch Elisabeths II. in Deutschland ausdrücklich Wert darauf gelegt wird, dass möglichst viele Menschen die Gelegenheit haben, Ihre Majestät aus der Nähe zu erleben, hat die Stadt auch einige Repräsentanten aus Wirtschaft, Kultur und dem Sport in die Paulskirche eingeladen. Ansprechen dürfen sie die Königin in der Rotunde nicht, so will es das Protokoll. Sie dürfen aber durchaus darauf hoffen, dass sie angesprochen werden.

Damit die Monarchin einen größeren Einblick in die Frankfurter Geschichte erhält, wird eigens ein erst kürzlich zum Teil des Welterbes der Menschheit gekürtes Ausstellungsstück aus dem Panzerschrank und in die Paulskirche geholt. „Wir wollen ihr vor Ort das Original der Goldenen Bulle zeigen“, verrät Voß. Das Gesetzbuch des Heiligen Römischen Reichs von 1356 bestimmte Frankfurt offiziell zum Wahlort der deutschen Könige. Es bildet zugleich eine geschickte Überleitung zum Besuch des Kaisersaals im Römer, der sich direkt anschließt.

Den Weg dorthin will die Königin, die in diesem Jahr ihren 89. Geburtstag feiern konnte, zu Fuß zurücklegen, bestätigt Voß.

Das Rathaus betritt die Königin schließlich nicht etwa durch die moderne Eingangstür. Vielmehr schreitet sie auf dem roten Teppich durch die beiden weit repräsentativeren, original erhaltenen Eichentüren in die Römerhalle. Der Aufzug bringt die Besucher in den ersten Stock.

„Meine Damen und Herren, Ihre Majestät, die Königin des Vereinigten Königreichs betritt den Kaisersaal“, wird ihr Eintreffen dort laut angekündigt werden. „Spätestens dann muss es im Kaisersaal still sein“, erläutert Voß. Dem Gast soll größtmöglicher Respekt erwiesen werden. Dazu gehören auch ein paar Regeln wie die, ihr die Hand nur zu geben, wenn sie sie selbst darreicht. „Ob ihr die Damen in der ehemals freien Reichsstadt alle einen Hofknicks entgegenbringen, glaube ich eher nicht“, sagt Voß. Einige Anwesende beherrschen das formvollendete Einknicken der Knie aber ganz sicher, denn unter den rund 120 geladenen Gästen werden viele Familienmitglieder des englischen Königshauses sein. „Der deutsche Hochadel, der mit ihr verwandtschaftlich verbunden ist, ist eingeladen“, bestätigt der Protokollchef. Darunter ist auch Heinrich Donatus von Hessen, ein Urenkel von Königin Victoria, der zugleich über das Haus Battenberg, eine Nebenlinie des Hauses Hessen, mit Prinzgemahl Philipp verwandt ist.

Darüber hinaus hätten sich die Gastgeber bemüht, die wenigen Einladungen, die Ministerpräsident Bouffier und Oberbürgermeister Feldmann zum Mittagessen aussprechen konnten, gerecht aufzuteilen, sagt Voß. So sind etwa 40 Vertreter aus Frankfurt, darunter der Ehrenbürger Friedrich von Metzler, frühere Oberbürgermeister, der EZB-Chef Mario Draghi, Repräsentanten von Institutionen aus der Kultur, dem Sozialen und dem Sport sowie mit dem Stadtverordnetenvorsteher, dem Bürgermeister und Kämmerer drei Vertreter der Frankfurter Politik eingeladen. Die übrigen Gäste stammen aus dem hessischen Raum und aus der britischen Gemeinschaft vor Ort.

Auf englisches Tafelwasser und Fleisch in Minzsoße können sie beim gemeinsamen Mittagessen allerdings nicht hoffen. Als Staatsgast ist die britische Königin erstaunlich pflegeleicht. Eine einzige Bitte sei geäußert worden, sagt Karlheinz Voß. Man wolle gerne die Kost der Region serviert bekommen. Noch ist der Speiseplan für das dreigängige Menü nicht ganz fix, aber es könnte auf Kalbstafelspitz und Grüne Soße hinauslaufen, so ist zu hören. Ministerpräsident Volker Bouffier wird als Gastgeber die Tischrede halten. Der Hausherr, Oberbürgermeister Peter Feldmann, wird später am Tisch das Glas auf die Königin erheben und einen Toast ausbringen. Nach dem Eintrag ins Goldene Buch bittet der Oberbürgermeister seine königlichen Gäste auf den Balkon des Römers. Wo sonst erfolgreiche Fußballer feiern, wird dann die Königin die Frankfurter grüßen. „Frankfurt ist zwar schon lange republikanisch, aber für einen Tag werden wir alle Monarchisten sein“, schaut Peter Feldmann diesem Augenblick gespannt entgegen.

(pia)

Quelle: op-online.de

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