Ein grünes Kleinod inmitten Frankfurts

Frankfurt - Nach einem jahrelangen Hin und Her ist nun ein Schlussstrich gezogen worden: Die Stadt Frankfurt hat zum 1. Januar dieses jahres den Botanischen Garten - bisher Schau- und Lehrgarten der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität - vom Land übernommen. Von Sonja Thelen

Gestern war offizielle Übergabe. Gemeinsam mit dem benachbarten Palmengarten hütet Frankfurt damit nun eine der größten Pflanzensammlungen weltweit. Mehr als 13.000 Arten aus allen Kontinenten im Palmengarten und 5000 Arten im Botanischen Garten präsentieren die biologische Vielfalt der Erde. Dezernentin Manuela Rottmann (Grüne) hob hervor: „Durch die Übernahme wird die Bildungseinrichtung erhalten.“ Zudem seien beide Gärten angesichts der weltweiten Bedrohung der Biodiversität wichtige Orte für den naturwissenschaftlichen Austausch.

Wie bisher werden sich die 22 Mitarbeiter unter der Leitung von Manfred Wessel um die Pflege des Botanischen Gartens kümmern. Ihre Angestelltenverträge hat die Stadt übernommen. Um das Gartenparadies zu finanzieren, steuert das Land Hessen jährlich 600.000 Euro bei. „Damit ist die Zukunft und die Finanzierung gesichert“, sagte Luise Hölscher (CDU), Staatssekretärin im Hessischen Finanzministerium. Optimistisch zeigte sich auch Christian Winter, Vorsitzender des Freundeskreises Botanischer Garten: „Das ist der Sprung in eine Zukunft des Blühens, Wachsens und Gedeihens.“ Er unterstrich: „Das ist ein großer Tag für die Naturliebhaber in der Stadt.“

Kompliziertes Übernahmeverfahren

Ausgeklammert aus dem komplizierten Übernahmeverfahren wurde indes die weitere Entwicklung der denkmalgeschützten Ferdinand-Kramer-Bauten im südlichen Bereich des Areals - der bisherige Biologie-Campus. Nach und nach ist nämlich das Botanische Institut in den vergangenen Jahren auf den Riedberg umgezogen. Diese Verlagerung trat vor einigen Jahren die Diskussion los, was mit dem Lehrgarten passieren solle. Die Goethe-Universität wollte für den teuren Unterhalt für den Garten nicht mehr aufkommen.

Rasch zeichnete sich in der Debatte ab, dass eine Übernahme durch die Stadt die sinnvollste Lösung wäre. Hochfliegende Pläne über die künftige gartenarchitektonische Gestaltung und die Nutzung der Bauten wurden diskutiert. Allen voran das „Gartenreich“: Eine Brücke sollte Palmengarten und Botanischen Garten verbinden, ein Teich angelegt werden. Finanziert werden sollte das Ganze aus dem Verkauf von städtischen Grundstücken, die südlich an den früheren Biologie-Campus angrenzen. Auf diesen finden sich die Jugendverkehrsschule und eine Kindertagesstätte, die beide hätten verlagert werden sollen. Auf der dann freigewordenen Fläche sollte ein Hotel entstehen – so die Idee. Doch diese Pläne sind vom Tisch. Trotzdem plane das Land, das nach wie vor Eigentümer der Ferdinand-Kramer-Gebäude ist, diese „als ein stimmiges Ensemble“ zu entwickeln und zu vermarkten, sagte Hölscher. Wie und wann, sei noch offen.

Botanischer Garten bleibt eine eigene Einheit

So bleibt der Botanische Garten eine eigene Einheit. Auch künftig wird kein Eintritt erhoben, sicherte Rottmann zu. Winter kündigte an, den Garten als außerschulischen Lernort mehr in den Blickpunkt zu rücken und die bisherigen Öffnungszeiten „dosiert“ zu erweitern. So ist das Kleinod im Winter ganz für den Publikumsverkehr geschlossen, in den Frühlings- und Sommermonaten eingeschränkt.

Derzeit schlummert der Botanische Garten noch in einem Dornröschenschlaf, aus dem er erst ab dem 26. Februar wieder langsam erwachen wird. Er ist eine versteckte, kaum bekannte grüne Insel inmitten der Stadt. Eingebettet ist das acht Hektar große Areal zwischen Palmengarten, Grüneburgpark und Miquelallee. Es gibt nur zwei Eingänge in dieses verwunschene Pflanzenreich, einen direkt im Grüneburgpark und einen weiteren am Ende der Siesmayerstraße.

Arzneipflanzen, Alpinum, Sandsteppen und mehr

So erwartet den Besucher im Botanischen Garten auf kleinstem Raum eine einzigartige Artenvielfalt, die von Arzneipflanzen, Alpinum, Sandsteppen, Feuchtwiesen über mediterrane, Sumpf- bis hin zu ostasiatischen Pflanzen reicht. Herzstück ist ein Teich, der von zwei Bächen gespeist wird. Dort können die Besucher Enten, Rallenvögel und Schildkröten entdecken und beobachten.

Auf eine fast 250-jährige Geschichte kann der Botanische Garten zurückblicken, dessen Gründung auf eine Stiftung des Frankfurter Arztes und Botanikers Johann Christian Senckenberg zurückgeht. Die erste Anlage entstand von 1763 an auf einem ein Hektar großen Areal unweit des Eschenheimer Turms, zwischen Bleich- und Stiftstraße. Dieser Garten war nach dem Vorbild des Linnéschen Gartens von Uppsala konzipiert. Der schwedische Naturfoscher Carl von Linné hatte in diesem Garten mehr als 3000 Pflanzen aus der ganzen Welt kultiviert. Anliegen von Senckenberg war es, in dem neuen Garten medizinische Heilpflanzen zu züchten. Senckenberg selbst konnte die Fertigstellung 1774 nicht mehr erleben, er starb 1772.

Anzahl der Pflanzenarten auf 4000 erhöht

Ständig erhöhte sich im Laufe der Jahre die Anzahl der Pflanzenarten auf 4000, während gleichzeitig das Gelände durch bauliche Einschnitte immer kleiner wurde. Letztendlich blieb nichts anderes übrig, als sich nach einem neuen Standort umzuschauen. Nach langen Verhandlungen zwischen Stadt und Stiftung konnte der Botanische Garten 1907/08 auf eine fast doppelt so große Fläche im Nordosten des Palmengartens umziehen. Spektakulär war damals der Transport der „Alten Eibe“ durch die ganze Stadt auf Dampfwalzen zu ihrem neuen Standort. Drei Tage dauert der Umzug des mächtigen Baumes. Die mittlerweile 400 Jahre alte Eibe ist übrigens immer noch im Palmengarten zu bewundern.

Aber auch der zweite Garten wurde vor allem wegen der Anforderungen an die Forschung zusehends zu klein. Von 1930 an nahmen die Pläne für einen dritten, den bis heute bestehenden Garten immer mehr Gestalt an. Doch der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und die darauffolgende Sperrung des Geländes durch die amerikanische Besatzungsmacht verzögerten den Ausbau. Erst 1958 konnte er fertiggestellt werden.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Pixelio.de/Werner Neunherz

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