Beliebter „Allerweltsheini“

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Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo stellte Günther Jauch Fragen, die von Studenten im Vorfeld eingeschickt wurden.

Frankfurt - Giovanni di Lorenzo kenne ich nun gar nicht“, sagt Anne (31), Studentin aus Mainz. „Den müssen wir jetzt nicht kennen. Es geht ja auch um Günther Jauch“, findet Carina (23), Frankfurter Studentin, die Jauch als den einzigen „authentischen TV-Promi“ bezeichnet. Von Kathrin Rosendorff

Fritz Walter (30) erzählt, dass ihn Günther Jauch gar nicht interessiert. Er ist eigentlich wegen dem „superintelligenten“ Giovanni di Lorenzo da. Dem „Zeit“-Chefredakteur.

Aber egal, ob nun „Giovanni“ oder „Günni“-Fans, sie müssen, wie es Student Fritz Walter nennt, „ein völlig abartiges Gedränge im Gang passieren“. Zwei Stunden lang. Knapp 2000 Studenten wollen am Dienstagabend rein, in das Hörsaalgebäude Audimax auf dem Frankfurter Westend Campus. Denn gleich interviewt der immer smarte Giovanni di Lorenzo den meist geliebten deutschen TV-Onkel Günther Jauch.

Jauch lockt fast 2000 Studenten an die Goethe-Uni

Die Veranstaltung heißt „Zeit Campus Talk“ und gibt es seit 2006. Seit der Geburtsstunde der Studenten-Zeitschrift. Auch Harald Schmidt war schon zu Gast. Vorab durften die Studenten ihre Fragen an Günther Jauch einschicken.

Nur 1300 Studenten passen ins Hörsaalgebäude. Nebenan ist noch Platz für 500 weitere, die können Jauch auf einer Liveübertragungs-Leinwand verfolgen. Aber die, die nicht mehr rein kommen, drängen sich lieber an den Türen.

Als Jauch pünktlich um 19 Uhr im rosa Hemd in den Saal hineinkommt, löst das heftigen Applaus und „Günni“-Begeisterungs-Schreie aus. Immer wieder in den 90 Minuten. Nur die Offenbacher Pfarrerin Marianne Hegner (60) ist fassungslos und murmelt: „Ich kann nicht glauben, dass so viele RTL-Gucker unter den Studenten sind und sich so einen Allerweltsheini anschauen.

Giovanni di Lorenzo bleibt cool und setzt sich erst einmal seine Lesebrille auf. Günther Jauch mit frisch geschnittener Musterschüler-Frisur schaut neugierig von seinem Couchsessel in die Menge. Ein bisschen wirkt er wie der ewige Nerd, der nicht glauben kann, dass er auf einmal cool sein soll. Dann knöpft er sich ein paar Hemdknöpfe auf und Giovanni di Lorenzo fängt an, die Fragen der Studenten vorzulesen.

Er erklärt gleich: „Eigentlich duzt Günther Jauch nur Kinder und Thomas Gottschalk in der Öffentlichkeit.“ Aber an diesem Abend auch Giovanni di Lorenzo, weil sie sich schon seit mehr als 35 Jahren kennen. Auf die Frage, ob Jauch denn seine abgebrochenen Studiengänge beenden wolle, antwortet er, wenn er denn die Zeit hätte, könnte er sich vorstellen, wieder Jura, Geschichte oder Neuere Philologie fertig zu studieren. Aber im Nachhinein hat ihm vor allem die Studenten-Freizeit im Leben gefehlt. „Seit meinem 20. Lebensjahr stand ich im Studio mit anfänglich 15 Tagen tariflichem Urlaub.“ Dass Jauch Absolvent der Deutschen Journalistenschule ist, beeindruckt Fritz Walter total. Er flüstert seiner Kommilitonin zu: „Ich habe mich sechsmal da beworben. Der Jauch nur einmal. Der hat’s drauf.

Günther Jauch erzählt, dass er aber auch „viel Glück gehabt“ hat. „Ich habe zum richtigen Zeitpunkt Menschen kennengelernt, die mich gefördert haben. Die mich einfach mal einen Beitrag haben machen lassen, ohne dass ich große Erfahrungen hatte.“ Einer seiner Förderer sei Thomas Gottschalk gewesen. „Er ist mit dem Supertanker vorne weggefahren, und ich bin auf der Bugwelle mit dem Schnellboot hinterhergefahren.

Ob er denn gerade ein Buch liest, will eine Studentin wissen. „Ja, ‚Unterm Strich‘ von Peer Steinbrück. Ist jetzt wenig erotisch.“ „Wenig erotisch“ ist einer seiner Lieblingsausdrücke. Zumindest an diesem Abend. Kein Schriftsteller hat ihn maßgeblich beeindruckt, sagt er. „Bei Enid Blyton habe ich schon ein wenig mitgezittert, aber Hemingway hat jetzt nicht auf einmal mein Leben verändert.“ Und dann erzählt der vierfache Vater – zwei Kinder hat er adoptiert – dass er schlucken musste, als er bei sich im Haus das Buch „15, Jungfrau, Schlampe“ gefunden hat. Zwar ein Jugendbuch, aber Jauch hat den „Knutschroman“ dann doch erstmal in die Oxfam-Kiste gepackt. Ein strenger Papa.

Fandest Du denn nie Che Guevara geil?“, will di Lorenzo wissen. „Hm, die T-Shirts fand ich schon cool.“ Aber das Wildeste, was er je getragen hat, um seinen Eltern das Leben zu erschweren, waren lange Haare. Günther Jauch packt seinen alten Lederbrustbeutel raus. „Den musste ich immer tragen, weil ich ständig meine Monatskarte verloren habe.“ Aus dem Beutel raus faltet er seinen unförmig-großen Moped-Führerschein auf. Auf dem Bild ist der junge Jauch mit kurzem Pony und langen Haaren zu sehen. Modisch sei er „so gar nicht begabt“, gibt der vielfach ausgezeichnete TV-Mann zu. Jahrelang habe er seine TV-Garderobe selbst ausgesucht und aus eigener Tasche bezahlt. Bis Harald Schmidt ihm erklärte, dass er sich jeden Abend vor seiner Sendung „wie ein Sechsjähriger hinstellt, die Arme ausbreitet und sich anziehen lässt“. „Dass ich mich nicht mehr selbst einkleiden muss, ist eine der größten Entlastungen meines Berufslebens.

Dann die Frage, ob Günther Jauch einen dreckigen Witz erzählen kann. Kann er. Giovanni di Lorenzo ist fast schon entzückt. „Ich war mir so sicher, dass Du keinen erzählen wirst.

Die Studenten wollen schließlich wissen: Kann denn wirklich jeder Kandidat bei „Wer wird Millionär?“ werden. Jauch sagt, dass es beim Rückruf der Redaktion nicht von Bedeutung sei, dass die Antworten richtig seien. „Wichtig ist, dass man den Kandidaten auch versteht und er um 15 Uhr nicht schon im volltrunkenen Zustand ist.“ Am Ende gibt er den Studenten noch einen Karriere-Tipp: „Die Latte hochlegen ist gut, aber nie zu verbissen rangehen, um nach ganz vorne zu kommen.“ Es seien nämlich nie die verbissenen Kandidaten gewesen, die die Million abgeholt hätten.

Quelle: op-online.de

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