Heftige Debatte über Eignungstests

Gute Lehrer händeringend gesucht

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Offenbach - Eltern klagen regelmäßig über schlechte Lehrer. Manche seien völlig ungeeignet, andere richtig faul. Von Peter Schulte-Holtey 

Auch in Hessen wird plötzlich wieder kontrovers über das „heiße Eisen“ diskutiert; Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hatte einen freiwilligen Eignungstest ins Spiel gebracht. Ein Untersuchungsergebnis mit Zündstoff: „40 Prozent der Lehrer sind für diesen Beruf ungeeignet“, stellte Schulpädagogik-Professor Norbert Seibert fest. Darunter leiden Schüler und die betroffenen Pädagogen. Immer häufiger werden jetzt Eignungstests für Lehrer gefordert.

„Ich sehe bei diesem Thema dringenden Diskussions- und Handlungsbedarf“, meint Petra Blaufuss, Vorsitzende des Stadtelternbeirats der Offenbacher Schulen: „Firmen verwenden Einstellungstests und Assessment-Center, warum sollte der wichtige und überaus verantwortungsvolle Beruf des Lehrers davon ausgenommen sein?“ Die Gesellschaft könne sich keine schlechten Schüler mehr leisten. Die Benotung und Vergleichstests sagen ihrer Meinung nach nichts über die Qualität des Unterrichts aus. Es fehlten regelmäßige Mitarbeiterbeurteilungen, wie sie in der freien Wirtschaft üblich seien. Was die Elternvertreterin richtig ärgert: „Schlechte Lehrer sind an Schulen ein Tabuthema, niemand will einen Kollegen ,verraten’. Diese Lehrerinnen und Lehrer werden dann durch verschiedene Klassen geschoben, damit sie möglichst wenig Schaden anrichten.“ Für Blaufuss steht fest, dass dies schließlich auch dem Ansehen der gesamten Lehrerschaft schade. Die guten und engagierten Pädagogen sollten der Maßstab in der Schularbeit sein, fordert sie. Die schwachen dürften nicht versteckt und geschont werden, sondern müssten gefördert und gefordert werden. „Das versuchen die Schulen bei Schülern, warum nicht auch bei Lehrern“, so die Offenbacherin.

Günter Kaspar, Leiter der Waldschule in Obertshausen, empfiehlt angehenden Pädagogen „früh und ernsthaft zu testen, ob für sie ein Arbeitsplatz mit den beruflichen Anforderungen eines Therapeuten, Sozialarbeiters, Rettungssanitäters, Familienhelfers, Eventmanagers, Bürokraten und nebenbei auch Lehrer für die nächsten 40 Jahre im ständigen Wechsel vorstellbar ist“.

Dr. Knud Dittmann, Chef des Philologenverbands in Hessen und Leiter der Ricarda-Huch-Schule in Dreieich, hat nichts gegen Eignungstests auf freiwilliger Basis. Eine Pflicht lehnt er aber ab: „Ob jemand für einen bestimmten Beruf geeignet ist, entscheidet sich nicht am Anfang, sondern am Ende der Ausbildung.“ Das sei ähnlich wie in anderen Berufen. Der Vertreter der Gymnasiallehrer warnt zudem davor, mit der Debatte über Eignungstests wieder alte Vorurteile zu bestätigen: „Leute, die ungeeignet sind, findet man in jedem Beruf.“

Quelle: op-online.de

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