Die Gutwetter-Tour

+
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan (links) empfängt den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch in Ankara.

Ankara ‐ Als Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) morgens das Hotel in Ankara verlässt, zeigt sich die Sonne über der türkischen Hauptstadt.  Doch nicht nur wegen der frühlingshaften Temperaturen ist Hessens Ministerpräsident auf Gutwetter-Tour in der Türkei. Von Jan Brinkhus (dpa)

Er will die wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit verbessern, aber vielleicht auch ein bisschen Imagepflege betreiben. Viele Türken haben ihm seine Wahlkampf-Kampagnen gegen Doppelpass und junge kriminelle Ausländer in Deutschland übel genommen.

Gute Integrationsarbeit

Koch sieht das eher pragmatisch. „Ich glaube, dass es auch in der Türkei eine sehr nüchterne Analyse unterschiedlicher Interessen gibt“, sagt er, als er nach den Wahlkämpfen und der Stimmungslage bei den Türken gefragt wird. Es habe in den vergangenen Jahren eine gute Integrationsarbeit und eine enge Zusammenarbeit mit türkischen Verbänden gegeben, die Stimmung in Deutschland empfinde er nicht als gespannt.

Auch mit seiner Position in Sachen EU-Beitritt stößt der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende auf keine Gegenliebe in der Türkei. Koch zählt zu den Gegnern einer Vollmitgliedschaft, die aber die türkische Seite wünscht und anstrebt. Koch betont zwar in Gesprächen etwa mit Abgeordneten des Auswärtigen Ausschusses im türkischen Parlament die strategische, wirtschaftliche und politische Bedeutung des Landes. Schließlich leben allein in Hessen mehr als 180.000 Türken. Aber mehr als eine starke Partnerschaft soll es nicht werden.

Anknüpfungspunkt sind große türkische Medienkonzerne

Werben will Koch in der Türkei vor allem für eine stärkere Zusammenarbeit. „Wir sind in Hessen als ein wirtschaftlich international ausgerichtetes Bundesland sehr daran interessiert, die Märkte für uns zu öffnen und uns zugleich als europäische Standorte für türkische Unternehmen anzubieten.“ Ein Anknüpfungspunkt sind die großen türkischen Medienkonzerne, denen sich Koch vom Donnerstag an bei seiner zweiten Reisestation in Istanbul ausführlich widmen will.

Auf Kochs Tagesordnung stehen Besuche der Dogan Media Group, der Sabah-Gruppe und der Zeitung „Zaman“.  Dabei schlägt der Ministerpräsident gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Denn die Medienverlage in der Türkei sind zugleich auch große Wirtschaftskonzerne, die nicht nur Zeitungen oder Fernsehsendungen produzieren, sondern auch in vielen anderen Wirtschaftsfeldern tätig sind. Außerdem gibt es einen unmittelbaren Bezug zu Hessen: Die Dogan Media Group etwa unterhält ein großes Druck- und Verlagszentrum in Mörfelden-Walldorf.

Quelle: op-online.de

Kommentare