Was hängen bleibt

Immobilienwirtschaft gibt Politik Schuld an steigenden Kosten

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Frankfurt - Beim Wort „Mietpreisbremse“ nicken die meisten zustimmend. Die Wohnungswirtschaft sieht das naturgemäß anders und fordert vielmehr eine „Nebenkostenbremse“.

„Beim Vermieter bleibt immer weniger hängen“, sagte Rudolf Ridinger, Chef des Verbands der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft gestern in Frankfurt und machte der Politik schwere Vorwürfe. Es sei „völlig unverständlich“, dass diese Mietpreisbremsen als Allheilmittel preise - eine „Nebenkostenbremse“, etwa für Energie wie Strom und Gas, dagegen sei sachgerechter. Für steigende Belastungen der Mieter nannte er vor allem drei Faktoren:

1. Energiekosten: „Die empfundene Steigerung der Mietkosten resultiert zu großen Teilen aus drastisch höheren Nebenkosten“, ergänzte Gerald Lipka, Geschäftsführer des Landesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen.

2. Grund- und Grunderwerbsteuer: Die Grunderwerbsteuer - sie ist 2013 in Hessen von 3,5 auf 5 Prozent gestiegen und soll ab August auf 6 Prozent steigen - und die Grundsteuer - sie werde derzeit in vielen Kommunen drastisch erhöht - seien durch die öffentliche Hand verursachte Kostentreiber.

3. Baukosten: In den vergangenen zehn Jahren hätten Bauherren ein Plus von 22 Prozent verkraften müssen. Als Stichworte nannte Ridinger Dämmung, Haustechnik und erneuerbare Energien.

Im Gegensatz zu diesen Kostensteigerungen seien die Nettomieten seit 2010 um etwas mehr als 4 Prozent gestiegen - weniger als die Inflationsrate von 5 Prozent. Vor diesem Hintergrund sei eine Mietpreisbremse das falsche Signal. Ridinger: „Das ist analog zu einem Fahrzeug. Wenn ich bremse, kommt es irgendwann zum Stillstand.“ Auf dynamischen Märkten fehlten dann die Investitionsanreize.

Anlass für Ridingers Politiker-Schelte war die Vorstellung des jährlichen Konjunkturberichts der Arbeitsgemeinschaft der Wohnungs- und Immobilienverbände Hessen (AWI). Besonderes Augenmerk haben die Vertreter der Immobilienbranche dabei auf studentisches Wohnen gelegt. Patentlösungen für den Mangel an günstigen Studentenwohnungen in den Uni-Städten hatten sie nicht. Ridinger nannte drei Gründe: die verkürzte Gymnasialzeit G8, der Wegfall der Wehrpflicht und der aus seiner Sicht größere Drang von Schülern, direkt nach dem Abitur zu studieren, anstatt etwa noch eine Ausbildung zu machen. Aber auch hier bekam die Politik ihr Fett weg: Werner Merkel Chef des Verbands der Immobilienverwalter Hessen, beklagte zum Beispiel die Stellplatzverordnung, die beim Bau von Studentenwohnheimen zu teuren Tiefgaragen zwinge, die dann leer stünden. Merkel: „Fahrradabstellplätze sind sinnvoller.“

re

Quelle: op-online.de

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